Kurzbeschreibung
Es beginnt mit der Wiederbegegnung von Großvater und Großmutter in Ostberlin nach dem Krieg und springt nach einigen Seiten in die Gegenwart der Protagonistin Anna in München. Perspektive und Erzähler wechseln das ganze Buch hindurch immer wieder: Rußland - Deutschland, junge Frau - kleines Kind, Politik und Liebeswirren.
Am Morgen ihres Geburtstags wird Anna von Igor, einem unbekannten Cousin, geweckt. Seine sonderbare Art irritiert sie, seine Hartnäckigkeit fasziniert sie, und am Abend will Anna keinen anderen als Igor um sich haben. Ein zweiter roter Faden: Wie schon der Großvater erlebt Anna die Faszination und Befremdlichkeiten der Begegnung mit einer anderen Kultur - der Kultur Rußlands.
Trotz der anspruchsvollen Erzählstruktur überrascht das eindringliche Erzählen den neugierigen Leser mit einem leicht gestimmten, unkonventionellen und spannenden Buch.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Aus der Geheimtasche ihres Rucksacks zog sie eine Postkarte. Eine von unzähligen, die sie in Rußland erhalten hatte. Die einzige, die sie mit nach Amerika genommen hatte. Großartig, ich verstehe dich! Grüße an Vera und Alina großväterlicherseits, las sie.
Natürlich hatte er sie verstanden, deshalb hatte sie ihm auch nichts erklären müssen, nichts beschreiben, nicht zurückschreiben. Amerika hätte er nicht verstanden, niemals. Auch aus Amerika hatte sie ihm nicht geschrieben. Und in den sieben Tagen zwischen Rußland und Amerika hatte sie keine Zeit gehabt, ihn anzurufen. Zeit vielleicht schon, aber irgendwie keine Lust. Wer das Alte ganz wegwirft, wird das Neue nicht lange behalten, las Anna das schwarz-gerahmte Plakat und fing zu lachen an. Vielleicht war der Spruch überflüssig, vielleicht war er wahr und weise und einfach nur nicht S-Bahn-gerecht. Vielleicht war er auch nur geträumt. Wie die S-Bahn. Wie das Ziel ihrer Fahrt."