|
|
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was wäre die Literaturwelt ohne solche Autoren ..., 29. Juni 2001
Von Ein Kunde
„Weine nicht, Matapari. Du weißt doch, das Leben besteht aus vielen kleinen, grauen Wolken an einem weiten, blauen Himmel. Bemühe dich, die Wolken stets beiseite zu schieben, damit die Welt einen weiten, blauen Himmel hat."Erzählt wird die Lebensgeschichte von Matapari, aus der Sichtweise des 15jährigen Jungen. Die Verwicklungen beginnen schon am Anfang seines Lebens, wird er doch als beinahe vergessener Drilling erst 2 Tage nach seinen Brüdern geboren. Niemand hatte mit ihm gerechnet und ausgerechnet am 20. Jahrestages der Unabhängigkeit seines Landes in Zentralafrika kommt er zur Welt. Klar, daß diese Umstände und auch dieser Jahrestag sein weiteres Leben prägen. Und so wird neben der Lebensgeschichte dieses Jungen auch die politische Entwicklung des Landes geschildert. Sein Onkel, Opportunist durch und durch, schafft den Aufstieg zur 2. Spitze des Staates, bis er in Ungnade fällt und fast hingerichtet wird. Die Unabhängigkeit erweist sich im Nachhinein als Militärputsch, der einst so gepriesene Staatsführer als Despot und der anstehende Übergang zur Demokratie als Farce. Geschildert wird die Zeit von 1980 - 1995. Ein ernstes Thema, wäre da nicht dieser afrikanische Junge als Erzähler, der sich wie Jugendliche überall auf der Welt für Computer und die neueste Jeansmode interessiert. Der Politik immer als persönliches Erlebnis erfährt, das manchmal wichtig ist und manchmal hinter den eigenen Gefühlen und Wünschen nicht mehr wahrgenommen wird. Und da ist noch der Großvater und der Vater, beide Lehrer, die 2 Brüder, seine gläubige Mutter und überhaupt diese ganze Schwierigkeit mit dem Erwachsenwerden. Denn wie gewinnt man seine Liebe und einen Kuß, wenn unvermittelt der Vater der Angebeteten erscheint und ihn rauswirft, oder ... Aber zuviel von der Handlung will ich nicht verraten! Nur soviel: Selten habe ich eine solche Überraschung beim Lesen verspürt, selten hat es so viel Freude gemacht. Wieder mal ist mir bestätigt geworden: Was würde uns allen fehlen, wenn wir diese Schriftsteller aus Afrika nicht hätten! Das Ganze ist mit soviel Witz erzählt, mit soviel Einfühlungsvermögen und (das ist kein Widerspruch!) Ironie und Distanz , daß einem das Herz übergeht. Dieses Buch ist ein Solitär, ein Schatz, den es zu heben (gleich zu lesen) gilt. Und das empfehle ich allen, die das Besondere suchen und die sich auch den „weiten, blauen Himmel" wünschen. Der Autor: Emmanuel B. Dongola wurde 1941 in Alindo (Zentralafrika) geboren und wuchs in Kongo-Brazzaville auf. Er studierte in Frankreich und den USA Chemie und war Professor für Molekularchemie an der Uni von Brazzaville. Als der Bürgerkrieg ausbrach, fand Dongala dank der Hilfe des bekannten amerik. Autors Philip Roth in den USA Asyl, wo er seitdem Chemie und afrikanische Literaturwissenschaft lehrt. Für den vorliegenden Roman erhielt er den renommierten Preis „Temoin de Monde" von Radio France International.
|