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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ausflug in Europas Vergangenheit, 8. Januar 2007
"In Athen, sagte Sokrates einmal, könne jedem tagtäglich alles passieren."
Konrad Adam hat eine Einführung in die Welt des antiken Griechenlands vorgelegt. Von der Demokratie über den Götterhimmel bis hin zu Schauspiel, Literatur und Kunst, von den Mythen bis hin zum Körperkult spannt er seine Betrachtungen.
Dabei ist sein Schwerpunkt nicht das statische Griechenlandbild, das uns so viele Altphilologen vermittelt haben, sondern gerade die Extreme, die die griechische Antike kennzeichnen. Helden und Feiglinge, Demokratie und Tyrannei, versponnene Philosophen und praktische Erfinder und natürlich die einmalige Liebe zur Kunst in all ihren Ausprägungen, das alles bringt uns der Autor näher, lässt uns Leser erleben, warum ihn die griechische Kultur so fasziniert. Da kennt sich der Autor aus, da spürt man seine Liebe zum Gegenstand des Buches, da kann er uns die Antike näher bringen.
Weniger gelungen sind seine Bezüge zur heutigen Zeit. Dabei drängen diese sich auf, wer denkt nicht im Kapitel "die Lust am Körper" an modernen Schönheitswahn. Doch da wird Adams seltsam unbeholfen. Wenn er auf die heutige Zeit zu sprechen kommt, für die die Griechen doch in so vieler Hinsicht die Grundlagen gelegt haben. da liest er sich plötzlich wie ein pensionierter Oberlehrer.
Das mag an seiner Liebe liegen. Wer liebt, mag Mängel der Geliebten gar nicht sehen und Adam verbringt ein ganzes Kapitel damit, die griechische Männergesellschaft und ihre Geringschätzung der Frauen hinwegzuerklären. Nicht mal der alte Kalauer ist ihm zu dumm, dass Euripides in seinen Stücken ein Feind der Frauen gewesen sei, nicht aber im Bett.
Noch auffälliger wird es im Kapitel über die Natur und die Ansicht darüber. Kein Klischee ist ihm da zu abgegriffen, da redet er über Technik und Naturwissenschaftler wie ein grüner Fundi der Achtziger Jahre und zeigt, dass er davon soviel Ahnung hat, wie der durchschnittliche Techniker von griechischen Hexameter: nämlich gar keine. Dabei böte gerade die Entwicklung der Mathematik und Naturwissenschaften spannenden Stoff zur Genüge.
Am problematischsten ist allerdings Adams erstes Kapitel. Er fängt mit der Sprache an, und wärmt die alte Humanistenbehauptung neu auf, dass die griechische Sprache besonders logisch sei und ohne sie die ganze Antike nicht verstanden werden könne. Nun haben mittlerweile auch die Liebhaber des Lateinischen, Französischen, Spanischen und mancher anderen Sprache ebenfalls aufgrund grammatikalischer Besonderheiten den Anspruch darauf erhoben, besonders förderlich für die Logik zu sein. Ob das zutrifft? Mir scheint diese ganze Diskussion reichlich abgehoben, so nimmt es nicht Wunder, dass nur die Angloamerikaner für das Englische diesen Anspruch nicht erheben. Dabei hätten sie mit dem Wortreichtum ebenfalls Argumente an der Hand. Doch die Neigung, sich in philosophischen Haarspaltereien und Grabenkämpfen aufzureiben, ist weder bei Engländern noch Amerikanern sonderlich verbreitet.
Dabei zeigen die deutschen Übersetzungen von Homer und Sappho, von Euripides und Aischylos in Adams Werk, wie lebendig und verständlich deren Werke auch auf Deutsch wirken - auch wenn Übersetzungen, gleich aus welcher Sprache, natürlich nie die Schönheit des Originals erreichen können.
Eigentlich schade, dass dem Buch so ein Kapitel vorangestellt ist, dass erstens nur verständlich ist, wenn man wenigstens Grundkenntnisse des Altgriechischen hat und zweitens abschreckt, weil es den (falschen) Eindruck erweckt, ein Buch voller verschrobener, abgehobener Theorien vor sich zu haben.
So ist das Buch eines, das gleichermaßen durch den Kenntnisreichtum und die Liebe des Autors fasziniert, wie durch altbackene Gegenwartsbezüge.
(C) Hans Peter Roentgen
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Weg in die europäische Kultur, 18. Oktober 2006
Beim ersten Anlesen überkommt es einen vielleicht, als nähme der Autor sich etwas zuviel vor, will er vielleicht das Griechische überhaupt derart in den Vordergrund stellen, so denkt man, als Vorbild für alles, was uns heute vielleicht fehlt?
Doch dann beim Weiterlesen wird es einem klar. Hier hat einer die Überzeugung gewonnen, daß man aufs Griechische überhaupt nicht verzichten kann.
Das wußten bereits die alten Römer und nicht zuletzt war die griechische Sprache lange Zeit Weltsprache im römischen Reich, d.h. es sprachen die Gebildeten griechisch und die Schüler quälten sich schon damals mit dem herrlichen Homer herum.
Da Wilhelm von Humboldt seinerzeit den Gymnasiasten lieber nur Griechisch und Mathematik empfehlen wollte (ein herrlicher Gedanke!), alles andere könne kürzer treten, ist es heute wohl an der Zeit und nicht abwegig, sich wieder mit den alten Griechen zu befassen.
Man könnte sich die Ilias oder die Odyssee wieder einmal zu Gemüte führen (im Original mit nebenstehender Übersetzung nazürlich!) oder einen der griechischen Tagödien- bzw. Komödiendichter in den entsprechenden schmalen Bändchen oder den einen oder anderen Philosophen wie Sokrates, Platon oder Aristoteles. Das würde schon einiges bringen. Übrigens liest sich Aristophanes, der Komödiendichter, heute noch genauso frisch wie damals und die Anspielungen auf Religion oder politische Umstände, Eigenarten der Menschen wie Hybris, Dummheit, Bigotterie etc. finden heute noch Verständnis, will sagen, wir verstünden uns und unsere heutige Welt vielleicht einweng besser nach derartiger Lektüre bzw. nach Anschauung eines Schauspiels.
Alles ist menschlich, die Griechen haben ihren Götterglauben in die menschliche Sphäre gebracht, nur die Mythen waren heilig und tabu für Außenstehende, heute noch vergleichbar etwa mit der Eucharistie der katholischen Kirche (u.U. ein heiliges Relikt aus dieser Zeit?).
Dorer und Ionier, zwei griechische Stämme, die wichtig sind, werden vorgestellt, der Gegensatz somit zwischen Sparta und Athen dargestellt, die Entwicklung hin zu einem Staatengebilde (zu mehreren Staatengebilden natürlich), wo jeder Bürger das gleiche Recht hatte (und die gleichen Pflichten, wie z.B. den Kriegsdienst im Verteidigungsfall), die Entwicklung hin zur Demokratie in Athen, die sich bildende gedankliche Welt unter Zuhilfenahme auch fremder Leistungen wie Schrift oder Astronomie anderer Völker hin zur Philosophie und schließlich die Entwicklung der klangreichen schönen Sprache, das alles wird immer wieder in diesem Buch betont.
Eine Menge an sprachlichen und bildnerischen Beispielen wird gezeigt und ihre Bedeutung bis zum heutigen Tage deutlich gemacht. So ist ein bewegliches Werk entstanden, das mit Freude und Erstaunen gelesen werden kann von allen, die es wünschen.
Wetvolle Hinweise am Schluss des Buches regen zum Weitermachen an.
Konrad Adam ist somit ein verdienstvolles Unterfangen gelungen, eine Stütze für alle Wohlmeinenden in bezug auf gute Bildung zu schaffen. Der Ursprung unserer europäischen Kultur in fast allen Belangen wir großartig behandelt.
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