Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
manches sehr gut, manches verwunderlich, 19. Oktober 2003
ErziehungsnotstandAuf dem Deckel der Taschenbuchausgabe wird das Buch „Der Erziehungsnotstand" als Streitschrift bezeichnet, was durchaus passend erscheint. Der Schreibstil ist dabei gut verständlich, manchmal angenehm humorvoll. Es ist erfreulich, dass die Autoren moderne Ideen, die zur Verbesserung der „Bildung" führen sollen, in Frage stellen. So ist Bildung eben mehr als „Fachwissen"; nicht allein die Wirtschaft sollte den Lehrplan bestimmen u. ä. Auf dem Deckel der Buchausgabe heißt es weiterhin, dass die Bedürfnisse von Kindern und Eltern zur Sprache gebracht werden. Dies ist aber zu wenig: es werden nämlich auch die Bedürfnisse von den Lehrern zur Sprache gebracht, die sich engagieren und oft einen Mehr-Fronten-Krieg führen müssen. Die ihnen von vielen Eltern entgegengebrachte überzogene Anspruchshaltung ist im Buch gut dargestellt, die häufig lasche Erziehungshaltung („Nicht-Erziehung") im Elternhaus wird angeprangert. Klischeehaft erscheint die Darstellung der Folgen von Trennung und Scheidung. Befremdlich allerdings erscheint die Einstellung zu „alten" Lehrern ab 50 Jahren, die nach Meinung der Autoren anscheinend ersetzt werden sollten. Wie sollen diese denn „entsorgt" werden? Nach eigener Erfahrung mit 3 Kindern, von denen 2 ihre (gymnasiale) Schullaufbahn beendet haben (also viele Lehrer kennen gelernt haben), bürgt Jugend nicht unbedingt für Qualität: Es kommt eben immer auf die Persönlichkeit des Lehrers an, auf sein Engagement und sein Interesse an Kindern und Jugendlichen (wobei es bei Lehrern sicher genauso schwarze Schafe gibt wie bei Eltern). Im Abschnitt über das Erbe von '68 werden Behauptungen aufgestellt, die ebenfalls befremdlich sind: der Geschichtsunterricht vor dieser Zeit habe den Nationalsozialismus ausgeklammert - daran kann ich mich nicht erinnern; auch ist es wohl nicht richtig, dass „fast alle" in „der Partei" waren. Trotz dieser undurchdacht wirkenden Passagen ist das Buch insbesondere denjenigen zu empfehlen, die über eine Menge der Ideen der Bildungspolitik den Kopf schütteln.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erziehung tut Not, 13. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Erziehungsnotstand (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist für alle überaus lesenswert, egal ob sie direkt mit Kindern zu tun haben oder nicht. Es stärkt die, die bei ihren täglichen Erziehungsaufgaben zu Hause oder/und in der Schule noch nicht aufgegeben haben. Es hilft all denen, die dem Vernetzungs- und Computerwahn noch nicht ganz verfallen sind, Argumente zu finden, um sich gegen die Allmacht des Mediums Computer in den Schulen und auch schon Kindergärten zur Wehr setzen zu können. Dieses Buch nimmt auch sehr stark die Sichtweisen von Clifford Stoll auf, der in seinem wegweisenden Bestseller "LogOut - Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech-Ketzereien" schon ausführlich den Computerwahn in unseren Klassenzimmern angeprangert und für nutzlos gefunden hat und adaptiert diese Sichtweisen auf unsere schulische Situation in Deutschland. Gerster/Nürnberger schreiben v. a. als Eltern, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt und die sich vehement dagegen wehren, gegen den allgemeinen Trend in der Nicht-mehr-erziehenden Gesellschaft aufzugeben und zu hoffen, das sich das "schon auswächst", das Missratene, das Unerzogene, das Nicht-mehr-Grüßen, das Schuhe-auf-die-Polster-in-den-Zugabteilen-Stellen und aber auch das Wegschauen von uns Erwachsenen. Nein, wir müssen nicht warten, bis sich das auswächst. Wir sollten etwas dagegen tun, jeder in seinem Bereich.Es ist anstrengend zu erziehen, es erfordert konsequentes Handeln, kein leeres Gerede. Erziehung tut Not, mehr denn je.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
schnelle Urteile gut situierter Eltern, 19. Februar 2007
Petra Gerster und Christian Nürnberger hatten nüchtern fest gestellt, dass ihr damals 8-jähriger Sohn zuviel Zeit an der Spielkonsole verbrachte. Einer Diskussion über Erziehungsziele im Bekanntenkreis folgte ihr Buch zur Situation der Erziehung in Familie und Schule. Die Autoren kritisieren, dass Bildungsziele von "der Wirtschaft" formuliert würden und wünschen eine Rückbesinnung auf klassische humanistische Bildungsideale. Das prominente Autorenpaar schildert die Verwöhnungsfalle einer neureichen Gesellschaft, kritisiert künstliche Realitäten, die Kindern keine praktischen Erfahrungen ermöglichen, und rechnet mit dem Einfluss elektronischer Medien auf die kindliche Entwicklung ab. Wichtig ist Gerster/Nürnberger eine Erziehung zu Disziplin und Höflichkeit. Die Autoren schildern die Erziehungsmisere in Deutschland aus ihrer Situation als Eltern schulpflichtiger Kinder im Jahr 2001. Die TIMSS-Studie zu Schülerleistungen im Fach Mathematik lag damals schon vor; die inzwischen bekannten Ergebnisse der PISA-Studie waren abzusehen. Der Blick ins japanische Erziehungssystem und in Projekte zur Integration von Migranten in den Niederlanden bringt keine neuen Erkenntnisse. Treffend finde ich die sachliche Feststellung, dass gute Erziehung ihren Preis hat. Gerster/Nürnbergers Beobachtungen sind durch die Sicht geisteswissenschaftlich interessierter Akademiker der Mittelschicht geprägt.
Ihre Beurteilung kindlicher Wahrnehmungsstörungen, jugendlicher Aggression, einiger Gewalttaten an Schulen und der Brauchbarkeit von Lernsoftware zeigt, dass die Autoren zwar Urteile zu zahlreichen pädagogischen Fachthemen abgeben, sich aber nicht mit allen Fachgebieten grundlegend beschäftigt haben. Von bestimmten Gruppen und Medien scheinen die Autoren sich kritisch zu distanzieren, anstatt alle Bevölkerungsgruppen an der überfälligen Diskussion über Werte und Erziehungsziele zu beteiligen - auch Naturwissenschaftler, Nicht-Akademiker, Ausbilder und Zuwanderer.
Die einzelnen Kapitel des "Erziehungsnotstands" für sich gesehen lesen sich unterhaltsam und sind zum Einstieg in Elternabende und Diskussionen am Elternstammtisch geeignet. Die Perspektive der beiden Journalisten ist mir jedoch zu einseitig.
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