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Landschaften nach der Schlacht. SZ-Bibliothek Band 80
 
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Landschaften nach der Schlacht. SZ-Bibliothek Band 80 (Gebundene Ausgabe)

von Juan Goytisolo (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1., Aufl. (10. November 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866155301
  • ISBN-13: 978-3866155305
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12,2 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 233.745 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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    Nr. 63 in  Bücher > Belletristik > Romane & Erzählungen > Länder, A-Z > S > Spanien

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Eine verrückte, doch höchst reale Welt tut sich in diesem Buch auf, in dem der Protagonist durch das Sentier-Viertel von Paris streift - dort wohnt er in der Rue Poissonière und ebenso seine Frau, die aber in einem eigenen Appartement haust, er verkehrt mit ihr durch Zettel, die er unter der Tür durchschiebt. "Was ihn anzieht - und seinem beklagenswert gröblichen Geschmack entgegenkommt -, ist das aufgepfropfte, postkoloniale, barbarisierte Paris von Belleville oder Barbès, ein Paris, das nichts Kosmopolitisches oder Kultiviertes hat, das Paris der Analphabeten und Metöken." Doch er treibt sich auch in seinen Phantasien, Obsessionen und Gedankenspielen herum, in denen es nicht schön, sittsam, friedlich und freundlich zugeht, sondern hässlich, unsauber, aggressiv und obszön. "In die Realitäten einzutauchen ist ein ebenso riskantes Unterfangen wie das Betreten eines Minenfeldes." Der Protagonist ist griesgrämig, neigt zur Pädophilie, schwärmt für Lewis Carroll, den Erfi nder von "Alice im Wunderland", und stellt Collagen aus Zeitungsausschnitten und pornographischer Leserpost genauso zusammen, wie er sich Stalin zurechtträumt oder Albanien als surreales Paradies entwirft oder sich vorstellt, wie sich der Klimawandel konkret auswirkt auf die Küstenstreifen oder tiefl iegende Länder. Und er liebt die Poesie der mystischen Sufi -Derwische ...


Über den Autor

Juan Goytisolo wurde 1931 in Barcelona geboren. Schon in der Franco-Zeit galt er als moralisches Gewissen der Nation, viele seiner damals geschriebenen Texte konnten nur im Ausland erscheinen. Er lebt seit vielen Jahren in Spanien, Paris und Marrakesch. 2004 wurde er mit dem Juan-Rulfo-Literaturpreis ausgezeichnet.Gisbert Haefs, geboren 1950 in Wachtendonk am Niederrhein, Studium der Anglistik und Hispanistik. Heute lebt und schreibt er in Bonn, als Übersetzer und Herausgeber u. a. zuständig für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges. Er ist bekannt geworden durch Kriminalromane sowie auch durch seine farbenprächtigen historischen Romane.

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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schräg und Pulsierend, 7. März 2008
Goytisolo gilt in Spanien als Nestbeschmutzer. Vielleicht lebt er deshalb schon lange in Marrakesch. Er gilt als Brücke zwischen Westen und Orient. Auch in diesem Buch spielen östliche und arabische Einflüsse eine tragende Rolle. Das lineare westliche Denkmodell löst sich auf. Es wird überwuchert vom Dschungel der Metöken. Das Sentier-Viertel in Paris verändert sich mit den neuen Bewohnern aus allen Gegenden der Welt. Eine Schlacht bricht aus, die der Hauptdarsteller genießt. Ganz am Ende ist alles zusammengebrochen. Nur in der Auflösung und der Perversion findet der Protagonist Befriedigung. Dieses Buch ist eine Absage an Heldentum, Pathos, Moral und Politik. Es tritt ein für extremen Individualismus. Jedes Kollektiv macht es lächerlich. Es geht nicht im Gleichschritt. Daher fünf Punkte.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Das Monster ein bisschen mögen, 6. Dezember 2007
Goytisolo, Juan, Landschaften nach der Schlacht, 1982 (SZ-Bibliothek 2007)

Dem Normalleser wird der Zugang zu diesem Buch, in dem das Sentier-Viertel in Paris als Modell für die Gegenwart und das menschliche Universum dargestellt ist, ziemlich schwer gemacht, umso mehr, als es geradezu zur Strategie und Philosophie des Sprechers gehört, dies zu tun.
Es handelt sich nicht um ein Geschehen, das sich mit handelnden Personen allmählich entfaltet. Vielmehr wird ein Protagonist erkennbar, der alles Mögliche tut, um den Wirklichkeitsgehalt seiner Aussagen zu verschleiern, dessen Aussagen überwiegend sarkastisch also indirekt sind, der in seiner Person solche Extreme vereinigt, dass es kaum möglich ist, ihn als ein einheitliches Ich zu erkennen und der vor allem seine Eindrücke vom Sentier-Viertel in den Vordergrund stellt (Sentier: gekennzeichnet durch eine chaotische Völkermischung, nur noch wenige Franzosen sind da, stattdessen findet eine für die Franzosen bedrohliche Überlagerung durch fremde ethnische Gruppen, Gebräuche, Zeichen statt).
Der Sprecher, der früher Korrespondent war und für sozialistische Ideale kämpfte, hat nicht mehr das Gefühl, ein gefestigtes Ego zu haben: "Mehr denn seine früheren Besuche als Korrespondent in den vielfältigen Spannungszentren dessen, was man unzutreffend Dritte Welt nennt, hat der lange Aufenthalt im Sentier unseren Helden die heilsamen Tugenden des Relativismus gelehrt. Wie der komplizierte, wundersame Mikrokosmos der Zellen birgt sein Viertel das universale Chaos. Eingetaucht in sein flüssiges Protoplasma hat der Schreiber nach und nach auf seine egozentrischen Anmaßungen verzichtet." (132) Also sind seine Eindrücke vom Viertel, die sich überwiegend in Fantasien, apokalyptischen Visionen oder sarkastischen Überspitzungen äußern, das Wichtigste, eine Ansammlung von Fragmenten, in denen der Protagonist auch gelegentlich vorkommt: als ein verschrobener Einzelgänger, der sich unauffällig kleidet und ein monotones Leben mit immer gleichen Gewohnheiten führt, um sich umso ausschweifender seinen mentalen Exzessen hinzugeben. Dazu gehört nun leider auch, dass er sich allen möglich perversen sexuellen Fantasien hingibt, die dem gutwilligen Leser schon einiges abverlangen. Der Sprecher ist ein böser Onkel, ein "Monster", das gelegentlich alles tut, um sich als Widerling darzustellen.
Seine Frau (existiert sie überhaupt?, einmal behauptet er, sie sei nur fiktiv - 140) lebt auf der anderen Flurseite, er kommuniziert mit ihr gelegentlich mittels Briefchen, die er ihr unter die Tür durchschiebt, sie empfindet ein Zusammenleben mit ihm als Zumutung. Mehr und mehr hat er sich von allen Menschen zurückgezogen, besonders seit dem Tod seines Freundes, eines Künstlers, mit dem er jahrelang zusammen qualitätvoll geschwiegen hatte. Seitdem kompiliert er Zeitungsausschnitte, schreibt auf Sex-Annoncen und flaniert durch sein Viertel, deren Veränderungen seine apokalyptischen Visionen auslösen und zu ständig erneutem Sarkasmus anstacheln. Die gehobene Kunst, die Natur, die gepflegten bürgerlichen Stadtteile von Paris sind ihm unerträglich, ihn zieht es zum Labyrinthischen der Unterwelt der Metro, den Pornokinos, dem chaotischen Treiben auf der Straße. Warum?
Wie die Romantiker, die die Vergänglichkeit, das Rasen der Zeit panikartg erlebten, so auch unser Held: "Der winzige Planet, auf dem er lebt, ist vollgepropft mit Sprengstoffen: während er still seine Bahn zieht, hat er sich heimtückisch zum Pulvermagazin verwandelt. Der unglaubliche Zufall, der auf der nahezu unsichtbaren Warze, die in einer erstickenden Dichte von Milchstraßensystemen treibt, das organische Leben geschaffen hat, steht kurz vor der Auflösung." (64) Da er glaubt, dass die politischen Alternativen fehlgeschlagen sind und sich das jetzige Treiben einer rationalen Kontrolle entzieht, wirft er sich der Auflösung ganz in die Arme und will es auf die Spitze treiben, um eine umso ehrlichere Bestandsaufnahme zu erreichen. Und er tut dies auch, wie er in einem imaginierten Gespräch mit seiner Frau äußert, "damit ihr mich versteht, und, na ja, ein bisschen mögt." (125) Er verzichtet ansonsten auf Anerkennung, weil er glaubt, nur so der Wahrheit dienen zu können. Sein "literarisches Ideal: der wandernde Sufi-Derwisch. Ein Mensch, der die Eitelkeit verabscheut, Regeln und äußerliche Formen der Konvention verachtet, keine Jünger sucht, kein Lob duldet." (143f.).
Also: ein herbes Lese-Abenteuer, das man wegen des Erkenntnisgewinns angehen muss. Man kann natürlich auch, und dies ist der Reiz der Literatur, an seiner virtuosen, grotesken Artistik Spaß haben und ihn vielleicht, na ja, sogar ein bisschen mögen.
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