Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Spurensuche, 22. Mai 2008
Olivier Adam Klippen Schirmer und Graf
ISBN 3865550517
Melancholische Reflexionen über eine verlorene Kindheit!
Schwer trägt der Protagonist in diesem kleinen Roman am Leben!
Olivier ist mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter am Ferienort seiner Kindheit, einem Badeort an der normannischen Küste. Rührend schweifen seine Blicke zu der schlafenden Frau und zu dem ebenfalls schlummernden Töchterchen. Er findet keine Ruhe und schaut gedankenverloren auf die Klippen hoch über dem Meer.
Schleichend kommen Erinnerungen, die ihm die Kindheit ins Gedächtnis zurück rufen. Wie aber war diese Kindheit?
In poetisch wortreichen Beschreibungen erleben wir ein Leben, das durch den frühen Freitod der Mutter aus den Fugen geriet. Olivier ist erst 11 Jahre alt, als die depressive und gestörte Mutter ihrem Leben ein Ende setzt. Schon vor ihrem Tod gab es keine Fröhlichkeit oder unbeschwerte Kindertage.
Für Olivier ist die Mutter ein schwebender Schatten, zart, leidend und unnahbar. Die Beerdigung setzt erdenschwere Akzente, trübe, traurig und unverständlich für das Kind.
Antoine, der ältere Bruder, fällt für lange Wochen in ein Koma, und Olivier ist ganz der düsteren Trauer in einem leeren Haus überlassen.
Wen wundert es, dass Alkohol und Drogen sein späteres Leben bestimmten?
O. Adam beschreibt eine leere, traurige und schwer erträgliche Jugend unter dem Zeichen der Verlassenheit und überschattet durch den Jähzorn und die Wut eines mit einfachem Gemüt ausgestatteten Vaters. Dieser ist viel zu sehr mit seinem eigenen Unglück beschäftigt, als dass er nur das geringste Verständnis für seine verlassenen Söhne aufbringen kann.
Antoine und Olivier bilden die ersten Jahre nach dem Tod der Mutter eine unzertrennliche Einheit. Um sie herum versammeln sich andere Jugendliche, mit denen sie ein Eigenleben aufbauen, in dem sie trinken, Drogen konsumieren und sich gegenseitig mit Sex und Zärtlichkeiten trösten.
Es sind Outlaws der Gesellschaft, die sozial im Abseits leben.
Nachdem sich ein Freund erschossen hat und die Freundin Loretta mit Magersucht in einer Klinik landet, ist auch diese Zeit der Zuflucht beendet.
Adams beschreibt die Freundin Loretta grandios mit einem Feuerwerk an Worten und tänzelnden Sätzen, die einen Eindruck von der Trostlosigkeit der einsamen und verlorenen Jugendlichen widerspiegelt.
In seinen Gedanken erlebt der Held eine Spurensuche, in der als ferne Gestalt die Mutter immer wieder auftaucht.
Die Lebensgeschichte des jungen Mannes, z.Zt. der Handlung ist Olivier erst 31 Jahre alt, wird zu einer Biographie, an deren Ende eine Art Metamorphose steht. Aus dem in die Tiefen des Lebens abgesunkenen Helden wird ein Schriftsteller, der erste Romane mit Erfolg auf den Büchermarkt bringt.
Die handlungsarme Geschichte ist atmosphärisch nahe an der Wahrheit und so differenziert beschrieben, dass man sich ganz gefangen genommen fühlt. Eine poetischen Gesang gleich wechseln die Stimmungen, tauchen die Verstorbenen aus der Vergangenheit auf und offenbaren ein Leben, das fernab von Glück und Heiterkeit stattfand. Die beschriebene Tristesse steht im krassen Gegensatz zu der leichten, poetisch farbigen und ungeheuer bildhaften Sprache, mit der darüber geschrieben wird.
Wohl selten hat ein Autor über randständige Mitmenschen so verstörend und einfühlsam berichtet.
Olivier Adam ist vielfach ausgezeichnet und lebt mit Frau und Tochter an der bretonischen Küste.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der lange Weg zum Abschied, 25. Juli 2008
Die Kindheit von Olivier Adam war überschattet vom Freitod seiner depressiven Mutter, die sich von den Klippen von Etretat (daher der Titel des Buches und das Aquarell auf dem Schutzumschlag) ins Meer stürzte, seine Jugend von der Härte des Vaters, der nach diesem Schicksalsschlag alle Emotionen in sich einschloss und den beiden Söhnen mit Strenge und Jähzorn begegnet. Und der sie vor allem mit ihrer Trauer und ihren Ängsten alleine lässt.
Oliviers Leben ist ein Kampf gegen die innere Kälte seiner Jugend; exzessiv sind er und sein Bruder auf der Suche nach Wärme und Geborgenheit und leben auf der Überholspur; in Sex ohne Liebe, Alkohol, Drogen suchen sie, das Leben zu spüren. Es sind die Stationen ihres Weges, der sie von zu Hause und dem trostlosen Vorstadtleben wegführt in das eigene Erwachsensein.
Nie hat Olivier den Verlust der Mutter überwunden, nie eine Erklärung für das gefunden, was damals vor über 20 Jahren geschah. Und noch immer glaubt er, auf der Strasse, in den zufälligen Gesichtern der Passanten die Züge seiner Mutter zu erkennen, die ihm auch nachts in seinen Träumen erscheint. Jahrelang fährt er jeden Sommer nach Etretat und starrt nächtelang hinauf zu den Klippen, als wäre dort die Antwort auf all seine Fragen zu finden.
Es ist einer steiniger Weg, den er zu beschreiten hat und erst die bedingungslose, selbstlose Liebe einer Frau und die Geburt seiner Tochter weisen einen neuen Weg, zeigen eine neue, eigene Möglichkeit.
"Klippen" ist über weite Strecken ein bedrückendes Buch, das das lieblose Leben in den grauen Vorstädten Paris' schonungslos schildert. In dem Wechselspiel von Oliviers Kindheitserinnerungen und seinem Zusammenleben mit Frau und Kind entwicklet das Buch eine eigentümliche Spannung, die von einer großartigen, klaren und bildreichen Sprache getragen wird.
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16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vom Dunkeln ins Licht, 22. April 2008
Ein junger Mann - Schriftsteller - hat scheinbar alles, um glücklich zu sein, eine kleine Tochter und eine Lebensgefährtin, die ihn liebt. Trotzdem kann er seine verstorbene Mutter nicht vergessen. Erinnerungen quälen ihn tagein, tagaus.
Der zwanzigste Todestag führt ihn wieder an den Ort ihres Selbstmords - die dramatische Kulisse der Felsenklippen von Étretat.
"Hier ist die Nacht, tief und Schwarz wie die Welt."
Mit diesem Satz beginnt Olivier Adam seinen kleinen Roman über den 31jährigen Ich-Erzähler Olivier, der in einer dunklen Nacht über sein Leben sinniert - im Rücken seine schlafende Frau Claire und seine zweijährige Tochter Chloé. Die ganze Nacht wird er wach sein, später denselben Weg gehen, den seine Mutter ging. Ein lückenhafter Fluss der Erinnerungen und dunkle Stellen in seinem Lebenslauf werden in quälen, die er nicht zu erhellen mag. Doch er ist fest entschlossen, Licht in seine Vergangenheit und sein bis dato kontur- und rahmenloses Leben zu bringen.
Das Drama seiner Familie begann mit den psychischen Problemen seiner Mutter, einer zerbrechlich zarten Frau. Nach ihrem Tod entwickelt sich das Zusammenleben mit dem Vater immer mehr zur Farce, ist durch seelische und körperliche Gewalt gekennzeichnet. Beide Brüder (Olivier hat noch einen zwei Jahre älteren Bruder - Antoine) klammern sich beinahe verzweifelt in ihrer kindlichen Hilflosigkeit aneinander. Einziger Bezugspunkt ist eine jugendliche Clique aus ebensolch unsanft gestrandeten Kindern, die ihrem trübsinnigen Leben durch Sex, Drogen und Alkoholexzesse zu entfliehen versuchen, jedoch in Wahrheit immer tiefer in schwere Depressionen verfallen.
Olivier scheint in der Spirale eines permanent-rapiden psychischen und physischen Abstiegs gefangen. Erst die Liebe von Claire, die unerschütterlich an ihn glaubt, und ihre gemeinsame Tochter Chloé ziehen ihn aus dem Tal der Dunkelheit. Scheint die Nacht besiegt? Der letzte Satz des Buches lässt hoffen: "Wenn ich aufwache, wenn ich die Augen, die Vorhänge öffne, wird alles ruhig sein und leuchten."
Vor allem Adams schriftstellerischem Talent (das Buch stand 2005 auf der Liste der letzten vier Finalisten für den "Prix Goncourt") ist es zu verdanken, dass dieser Roman in den Augen des Lesers nicht nur als enttäuschende Ansammlung von Fakten erscheint. Er schreibt äußerst feinfühlig, mit Intelligenz und ohne rührselige Dramatisierung, über die Themen Kindheit, Jugend, Familie, Liebe, Erinnerung und die Grausamkeit, aber auch die Schönheit der menschlichen Existenz.
Auffällig ist die einfache, aber wunderschöne Diktion dieses Buches. Mit kurzen schnörkellosen Sätzen, einem beinahe puristischen Stil, skizziert er seine Figuren. Eine einfache Linie - ein Strich - genügt zur Beschreibung einer Situation von ungeheurer Dramatik. Vor dem inneren Auge des Lesers entstehen Bilder, Porträts und Landschaften, die man fast atmen und schmecken kann; Wörter voll Luft und Gischt, nassem Gras und feuchter Erde, Wind und Salz. Und immer wieder das Meer (eine Metapher für seine tote Mutter?) und die Klippen.
Natürlich ist man versucht, die Parallelen zwischen der Existenz des schriftstellernden Erzählers und des Autors als Autobiographie zu deuten, auch Name und Alter sind identisch. Doch diese Frage sollte nicht im Mittelpunkt dieses großartigen Buches stehen.
Carina von Enzenberg hat mit ihrer Übersetzung aus dem Französischen den wundervollen Ton Olivier Adams grandios wiedergegeben.
Fazit:
Ein großartiges Buch, das den Leser wie bei einer heftigen Welle erschüttert, gerade durch seine Menschlichkeit und seine ungebrochene Hymne an das Leben.
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