Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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32 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Viel mehr als eine arabische "Lindenstraße", 2. März 2007
Der Roman ist in der arabischen Welt der mit Abstand meistverkaufte der vergangenen Jahre. Es wird die wechselvolle Geschichte des titelgebenden, zehstöckigen Gebäudes und seiner Bewohner erzählt. Arm und Reich wohnen nebeneinander. Das vielköpfige Personal des Romans ergibt ein Panoptikum, das die ägyptische Gesellschaft abbildet. Die von Aswani beschriebende Gesellschaft ist bis zum Zerreissen gespannt. Überall herrscht Korruption. Aswani greift mitten hinein in einen Pfuhl der Sünde, der Verzweiflung, der Berechnung und vergisst dabei nicht den Blick auf die Möglichkeiten. Ob arm, ob reich, ob rechtschaffen oder verlogen: alle Charaktere folgen ihren Überzeugungen und sind wahre Kämpfernaturen. Der Jakubijân-Bau stellt die Realität Ägyptens so nackt dar, wie sie ist. Sie wird nicht hinter Klischees und Moralvorstellungen versteckt und presst kein Charakter in ein Schema von Gut und Böse. Aswani besticht mit einer detailgetreuen Beobachtungsgabe und hat einen ausgeprägten Sinn für komische Situationen. Er versteht es, die Mechanismen der ägyptischen Gesellschaft verständlich und treffend darzustellen. Somit schlägt das Buch eine Brücke zwischen Orient und Okzident. Wenn man sich für Ägypten interessiert, sollte man den "Jakubijân-Bau" wirklich gelesen haben. Und wenn nicht, nun, dann sollte man es gerade deshalb ebenso lesen.
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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein mutiger und zupackender Roman!!, 7. Februar 2007
Die Armen wohnen oben, auf dem Dach, in kleinen Kabüffchen, die ursprünglich als Abstellkammern konzipiert waren. Es herrscht eine Art Dorfleben. Kleine Händler, Arbeiter oder Angestellte hausen dort mit ihren Familien, froh, ein bescheidenes Dach über dem Kopf zu haben. In den Stockwerken darunter geht es weniger knapp zu. Dort hat ein durch die Revolution von 1952 teilenteigneter Grundbesitzer sein Büro mitsamt Liebesnest, ein Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau, und viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Auf vielfältige Weise verweben sich die Leben der Bewohner. Das Haus wird zum Mikrokosmos für Ägypten.
Das Buch hat für Aufregung gesorgt. Es ist in Ägypten zum Bestseller und zum Gesprächsgegenstand geworden, besonders nach seiner Verfilmung mit Spitzendarstellern, wodurch es auch »unters Volk« kam. Ein Film, der sogar an den Filmfestspielen in Berlin, Cannes und New York gezeigt wurde. Im ägyptischen Parlament gab es Proteste wegen Verunglimpfung der ägyptischen Gesellschaft, und natürlich waren oder sind noch gewisse religiöse Kreise aufgebracht. Und manche Vertreter kunstbeflissener Kreise tun es als »journalistisches Machwerk« ab.
Alaa al-Aswanis Roman stellt vieles dar, was es in Ägypten gibt, worüber aber nicht häufig und eigentlich nie in dieser Direktheit gesprochen wird. Da kommt der junge Mann nicht an die Polizeischule, weil sein Vater nur Türhüter ist. Da hält sich der wohlhabende Journalist einen armen Oberägypter als Bettgenossen. Da predigt der eine Geistliche für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Da bereichern sich manche schamlos mit den zweifelhaftesten Geschäften. Da wird das junge Mädchen, die für ihre Familie sorgen muss, von allen Arbeitgebern systematisch belästigt. Da träumt der ehemalige Aristokrat von vorrevolutionären, besseren Zeiten. Da wird im Bereich der Politik geschmiert, geschnüffelt und gefoltert. Da wird eben das tägliche Leben Ägyptens gezeigt.
Der "Jakubijân-Bau" hat alles, was ein gutes Buch haben muss!
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lehrreich und spannungsreich, 7. Juni 2007
Aus einem kritischen Blickwinkel betrachtet, hat der "Jakubijan-Bau" Züge einer Seifenoper, wendet sich der Roman doch in hohem Maße Themen zu, die man unter der Überschrift "sex and crime" zusammenfassen könnte. Und doch ist er mehr als eine Seifenoper, denn hinter dem äußeren Geschehen verbirgt sich ein Gesellschaftsporträt, das in der Nachfolge von Nagib Machfus` Kairo-Trilogie oder der "Midaq-Gasse" steht. Mit schonungsloser Direktheit deckt Alaa Al-Aswani gesellschaftliche Mechanismen und Strukturen im heutigen Ägypten auf, verabreicht dem Leser ein Hochkonzentrat aus Begierden, Abhängigkeiten, Bestechungsmanövern, unsauberen Geschäften, religiöser Radikalisierung, Folter und mehr. Kristallisationspunkt sind der mehrstöckige Jakubijan-Bau und seine Bewohner. Deren einzelne Schicksale, die in wechselnden Abschnitten temporeich, aber nicht gehetzt erzählt werden, bleiben teils nebeneinander stehen, teils verweben sie sich miteinander.
Dem im Nachwort zitierten Urteil des Nahostwissenschaftlers Gilles Kepel kann ich mich nur anschließen: "Es ist [...] ein Buch, das man lesen sollte, um zu verstehen, was sich in den Tiefen mittelöstlicher Gesellschaften in Zeiten von al-Kaida abspielt."
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