Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
54 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kindliches Verhalten treffsicher beschrieben, 24. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Mit den Augen eines Kindes sehen lernen Bd.1: Zur Entstehung einer Frühtraumatisierung bei Pflege- und Adoptivkindern (Broschiert)
Ein tolles und für mich sehr hilfreiches Buch. Als Freundin einer Pflegemutter von zwei recht schwierigen Pflegekindern, fragt man sich oft, ob die Kinder falsch erzogen werden. Hier in diesem Buch erfahre ich endlich, was in den Kindern vorgeht und warum sie so schwierig sind. Während der Lektüre dieses Buches war ich immer wieder erstaunt, dass die Autorin viele der Verhaltensweisen dieser Kinder so treffsicher beschreiben kann, ohne sie zu kennen. Es scheint sich wirklich um allgemein gültige Gesetze bei problematischen Pflegekindern zu handeln, die sie durch jahrelange Arbeit herausgefunden und beschrieben hat.
Mit den Augen eines Kindes sehen lernen ist ein Plädoyer für das in frühen Jahren traumatisierte Kind. Es beschreibt das Leben und Empfinden dieser Kinder aus ihrer Kindersicht und zeigt sehr deutlich, warum die Kinder diese oder jene Verhaltensweisen annehmen. Frau Dr. Bonus beschreibt im Detail die vier Stationen, in denen spätere Pflege- und Adoptivkinder in frühester Kindheit traumatisiert werden können:
1. während der Schwangerschaft
2. während des Aufenthaltes in der leiblichen Familie
3. durch die Trennung von der leiblichen Mutter
4. und schließlich während der vielen Zwischenstationen, die die Kinder oft durchlaufen bevor sie in die Pflege- oder Adoptivfamilie kommen.
Und sie beschreibt die dramatischen Folgen dieser Traumatisierungen. Diese Kinder erleben so entsetzliche Todesangst und die damit verbundene Ohnmacht, dass sie eine Überlebensstrategie entwickeln, die entweder mit unserem bürgerlichen Leben vereinbar ist oder eben nicht. Diese Überlebensstrategien werden so schön plastisch und mit vielen Beispielen von Frau Dr. Bonus geschildert, dass der Leser ein großes Verständnis für die Probleme der Pflege- und Adoptivkinder bekommt. Daneben macht die Autorin den Eltern Mut, trotz eventueller Schwierigkeiten die Beziehung zum Kind aufrecht zu erhalten und sich beständig in die Sicht des Kindes zu begeben.
Besonders erschreckend ist diese Sichtweise der Kinder, wenn anlässlich des Todes von Kevin in Bremen gemeldet wird, dass es 80.000 Kinder in Deutschland gibt, die durch ihre leiblichen Eltern von Verwahrlosung und extremer Vernachlässigung bedroht sind. Dieses Leid und vor allen Dingen, die ständige Angst, bisweilen Todesangst und Ohnmacht, die diese Kinder durchmachen, beschreibt Frau Dr. Bonus sehr genau aus Sicht des Kindes. Somit gibt dieses Buch auch viele Anregungen und Hilfestellungen für solche Fälle und ist absolut empfehlenswert für all diejenigen Stellen, die mit solchen Problemfamilien beschäftigt sind.
Ich bin auf jeden Fall gespannt auf den angekündigten zweiten Band zur Pädagogik für hochproblematische Pflege- und Adoptivkinder. Im vorliegenden ersten Band stellt Frau Dr. Bonus erst mal die Grundlagen dar: wie kommt es zu dem problematischen Verhalten und wie sieht das problematische Verhalten aus? Zusätzlich deutet sie auch schon in Grundzügen an, was man dem Problemverhalten entgegensetzen kann und das macht Appetit auf mehr Einzelheiten, was die Pflege- und Adoptiveltern konkret tun können, um diesen traumatisierten Kindern zu helfen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
53 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
DR. BETTINA BONUS: Mit den Augen eines Kindes sehen lernen., 11. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Mit den Augen eines Kindes sehen lernen Bd.1: Zur Entstehung einer Frühtraumatisierung bei Pflege- und Adoptivkindern (Broschiert)
Bei der Lektüre dieses Buches sollte man mit den Fallbeispielen beginnen. Dort geht es hart zur Sache. Zwölf kurze Studien zu verschiedenen Pflege- und Adoptivkindern aus der Praxis der Autorin legen offen, welche Probleme solche Kinder oft mit sich herumschlep-pen und wie unerträglich die resultierenden Belastungen für Pflege- und Adoptiveltern werden können. Warum ist das so?
Bettina Bonus führt die Störungen auf frühe Traumatisierung zurück. Zum Trauma kommt es, wenn man einer lebensbedrohlichen Situation aus eigener Kraft nicht entfliehen kann, so dass man hilflos und ohnmächtig ausgeliefert ist. Gefühle können so überwältigend sein, dass sie den Menschen töten. Also schließt der Traumatisierte das Erlebte hermetisch weg. Aber gerade deshalb rumort es in ihm weiter und lässt ihm keine Ruhe.
Eine Frühtraumatisierung widerfährt dem Kind in frühem Alter. Jetzt kann alles in Mitlei-denschaft gezogen werden, was sich noch im Entwicklungsstadium befindet. Am schlimmsten ist die Trennung des kleinen Kindes von seiner leiblichen Mutter. Während der Schwangerschaft erlebt das Kind die Mutter und sich selbst als untrennbare Einheit. Für das Kind gibt es nur die eigenen Gefühle, welche die der Mutter einschließen. Das Neugeborene empfindet sich selbst nur in der Nähe der leiblichen Mutter als vollständig. Fehlt sie plötzlich, so fehlt ein großer Teil des kleinen Kindes selbst.
Mit der Trennung von der leiblichen Mutter ist zunächst die elementare Lebensgrundlage des Kindes zerstört. Durch die Trennung verliert das Kind alles, was es bisher am Leben erhielt. Darüber hinaus wird ihm die eigene, die mütterliche Gefühlswelt genommen. Die Gefühle, die durch diesen Schmerz entstehen, sind unerträglich. Das Kind erleidet eine Todesangst, die weit über das hinaus geht, was es verkraften kann. Hier liegt der Schlüssel für das spätere Verhalten des frühtraumatisierten Kindes.
Das Kind entwickelt Überlebensstrategien zur Angstbewältigung. Eine Möglichkeit, die eigene Angst zu überspielen, liegt darin, selbst Angst zu machen, die Pflege- oder Adop-tiveltern zu bedrohen, ja sie anzugreifen oder die Wohnung zu verwüsten. Um dem Kind eine Heilung zu ermöglichen, müssen die Pflege- oder Adoptiveltern den Teufelskreis der Todesangst und des Überlebenskampfes beenden. Sie müssen lernen, provozierendes Ver-halten zu deuten: Werden sie gerade zum Opfer einer Strategie oder handelt es sich um einen normalen Streit? Statt sich auf provokante Kraft- und Machtproben einzulassen, müssen sie mit den Augen des Kindes sehen lernen, das heißt, die Überlebensstrategie ih-res Kindes immer deutlicher erkennen und ihr angemessen und liebevoll begegnen.
Ein kraftvolles und bestürzend schönes Buch. Die seelischen Nöte früh traumatisierter Kinder werden einfühlsam und praxisnah dargelegt. Viele praktische Tipps für den Um-gang mit hochproblematischen und deutlich verhaltensauffälligen Pflege- und Adoptivkin-dern werden dem Leser vermittelt. Beschönigt wird nichts. Das Buch soll warnen, zugleich aber auch dazu ermutigen, das Wagnis einer Adoption oder Pflege einzugehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Aktuell und kompetent, 12. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Mit den Augen eines Kindes sehen lernen Bd.1: Zur Entstehung einer Frühtraumatisierung bei Pflege- und Adoptivkindern (Broschiert)
Ein Pflegekind in die Familie aufzunehmen kann Probleme aufwerfen.
Einige kann man vermeiden - einige nicht.
Auf viele mögliche (und unmögliche ;) ) Fallstricke hat uns unser Jugendamt bereits vorbereitet.
Zusätzlich wurden verschiedene Buchempfehlungen gegeben.
Dieses Buch ist meines Erachtens eines der besten zu dem Thema.
Die Probleme werden nicht - wie in vielen anderen Büchern - auf die Problematik mit der Herkunftsfamilie und die Biografiearbeit beschränkt, sondern die Vielschichtigkeit der psychologischen Folgen einer Frühtraumatisierung wird hier aktuell und klar umrissen dargestellt.
Die Fallbeispiele aus der Praxis der Autorin sind deutlich und erschreckend.
Und auch wenn die Autorin immer wieder darauf hinweist, dass diese Extrembeispiele sicher nicht ein Abbild jedes Pflegekindes sein müssen, sensibilisieren diese Beispiele dafür, selbst geringere Symptome einer Frühtraumatisierung zu beachten.
Dieses Buch ist:
leicht verständlich
umfassend (auch für spezielle Probleme)
in jeder Beziehung aktuell und auf dem neuesten Stand
nicht belehrend, sondern motivierend
Auf die Psycholgie traumatisierter Kinder wird einfühlsam und doch differenziert und problemorientiert eingegangen.
Anders als in dem (ebenfalls ausgesprochen empfehlenswerten) Buch von Nienstedt und Westermann ist der Schreibstil hier offen und bewusst nicht wissenschaftlich gehalten.
Dies führt gelegentlich zu einer eher emotionalen Färbung, was aber die Botschaft des Buches unterstützt.
In meinen Augen eines der besten Bücher dieser Art auf dem Markt und ein Muss" für alle Pflegeeltern, alle die Pflegeeltern werden wollen (und alle anderen, die mit dem Thema in Berührung kommen)!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
|