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Die Möglichkeit einer Insel
 
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Die Möglichkeit einer Insel (Gebundene Ausgabe)

von Michel Houellebecq (Autor), Uli Wittmann (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 445 Seiten
  • Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 2 (14. September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3832179283
  • ISBN-13: 978-3832179281
  • Originaltitel: La possibilité d'une ile
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,6 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Lanzarote ist die ideale Kulisse für Die Möglichkeit einer Insel des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq. Nicht nur, dass sie wegen ihres schwarzen Vulkangesteins so unwirklich erscheint wie der rein fiktive Seinszustand des Titel gebenden Eilands -- der reinen „Möglichkeit“ der Insel -- es verlangt. Sie wirkt auch so, als habe sie eine unendlich alte Vergangenheit. Und doch scheint sie direkt aus einem Science-Fiction-Film entsprungen. Die ideale Kulisse. Denn Houellebecq erzählt von ewigen Dingen wie dem Glück der Liebe und dem Schmerz des Alterns. Aber er projiziert das Ganze in eine ferne Zukunftszeit.

Die Möglichkeit einer Insel spielt in einer Welt, wie sie der Autor, Interviews gemäß, in zweitausend Jahren tatsächlich erwartet. Menschen sind beinahe ausgestorben und vagabundieren in versprengten Häuflein durch die zerstörten Großstädte. Längst sind sie ersetzt von durchnummerierten Klonen, die allenfalls noch durch die schriftlich fixierten Biografien des humanen Ausgangsmaterials mit ihren Gen-Gebern verbunden sind. So sieht sich auch Daniel, der Hauptheld des Buchs, mit den Kommentaren seiner unzähligen Doppelgänger konfrontiert: Immer wieder werden seine Ausführungen von den Echos der „Neo-Menschen“ Daniel24 oder Daniel25 unterbrochen.

Daniel ist auf der Suche nach dem Glück -- der eigentlichen „Möglichkeit einer Insel“ inmitten der genetischen Indifferenz der schönen neuen Welt. Er findet sie in Isabelle, die ein Magazin namens „Lolita“ herausgibt -- und in diesem Titel liegt bereits die ganze Tragik festgeschrieben. Denn Isabelle kann nicht für immer Kindfrau bleiben, und Daniel muss weiter, zu Esther, 22 Jahre alt. Aber auch der mehrfach gespiegelte Held des Romans wird älter und fällt, „hoch in den Vierzigern“, inmitten einer Welt aus lauter Körperkult durchs Raster. Die „Möglichkeit der Insel“ ist bloße Illusion.

Auch wenn im Buch alle Motive früherer Bücher Houellebecqs wiederkehren, so hat er sie in diesem doch am besten, großartigsten miteinander verknüpft. Die vormals überwiegende Lust am Untergang ist einer nüchternen Resignation gewichen -- auch der Autor, der seinem Daniel stark autobiographische Züge verliehen hat, ist älter geworden. Und er hat gelernt, noch etwas besser zu erzählen. --Isa Gerck



Kurzbeschreibung

»Wer unter Ihnen verdient das ewige Leben?«

Der Mensch ist verschwunden. Und mit ihm der Kult um Sex und Fun und ewige Jugend. Geblieben ist nichts als Ekel, Einsamkeit und Langeweile. Der Mensch ist für das Glück und dessen Voraussetzung, die bedingungslose Liebe, nicht geschaffen. Angesichts der unerträglich schmerzvollen Erfahrung des Alters nimmt der Mensch freiwillig Abschied von sich. Und nach der Klimakatastrophe bleiben vom Menschengeschlecht nur archaisch lebende Wilde zurück. Nur der Neo-Mensch hat überlebt – geklont und unsterblich. Aber alle menschlichen Regungen wie Lachen und Weinen, Güte, Mitleid und Treue sind ihm zu unergründlichen Geheimnissen geworden. Daniel24 ist ein Neo-Mensch der vierundzwanzigsten Generation, der auf seinen genetischen Prototyp Daniel1 und dessen Lebensbericht zurückblickt. Dieser Daniel1 war ein Mensch unserer Gegenwart: Als Komiker auf der Bühne, in Film und Fernsehshows trat er als zynisch-scharfer Beobachter einer Gesellschaft auf, die längst alle Tabus gebrochen hatte. Aber sein Leben mit Isabelle, umgeben von Glamour und Geld, vermochte das Altern nicht aufzuheben. Der Bericht aus der Zeit seines Prototyps ermöglicht es Daniel24, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Zeiten, seiner, die in der Zukunft liegt, und unserer selbstzerstörerischen Gegenwartsgesellschaft zu begreifen. Für die war vor allem »der moralische Schmerz des Alterns« unerträglich geworden. Ist der Gesellschaftsentwurf dieses Neo-Menschen der alten Gattung wirklich überlegen? Schließlich macht sich Marie23, angestoßen durch die Berichte von Marie1, auf den Weg, um auf einer Insel eine neue Gesellschaftsform zu suchen, wo sich jenseits von altem Menschsein und Neo-Menschsein die Individuen in Liebe, Fürsorge und Geborgenheit begegnen. Wohin führt ihre verheißungsvolle Suche? Michel Houellebecqs mit Spannung erwarteter neuer Roman »Die Möglichkeit einer Insel« entwirft radikal unsere Zukunft: Drastisch konfrontiert er Menschheitsentwürfe. Michel Houllebecqs Prosa ist voll visionärer Kraft, eine Abrechnung mit unserer heutigen Gesellschaft, wie sie endgültiger kaum sein kann.

»Willkommenim ewigen Leben, meine Freunde.«


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101 von 112 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Sphärengebrabbel aus der Klonmenschenwelt, 29. April 2007
Von ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
Diese Rezension stammt von: Die Möglichkeit einer Insel (Broschiert)
Die erste Verringerung und die anschließende Eisschmelze ließ die Erdbevölkerung von 14 Milliarden Menschen auf siebenhundert Millionen schrumpfen. Die zweite Verringerung brachte eine große Dürre und das Ende des Menschengechlechtes, so wie wir es kennen. Überlebt haben nur die Neo-Menschen, die von ihren inselartigen Siedlungen mit Grausen auf die barbarisierten Reste der alten Menschheit blicken, die vor Zäunen oder Absperrungen oder in Steppen oder am Rande des Meeres als heruntergekommene Wilde herumlaufen. Die Weibchen halten ihre nackten Kinder bittend vor Elektrogittern in die Höhe, ohne dass sich irgendjemand ernsthaft um sie schert Daniel 24 und 25, Marie22 und 23, Esther 31 und die ganze Neo-Menschenmischpoke leben derweil im Luxus, kümmern sich nur noch um ihre abgeflachten Gefühlsresiduen und studieren unablässig die Lebensberichte ihrer Vorgänger - vor allem die Aufzeichnungen von Daniel 1, einer Figur aus der Zeit vor der ersten Verringerung und einem typischen Protagonisten des alten Menschengeschlechtes. Daniel 1, die genetisch noch unvollkommene Blaupause seiner geklonten Nachfahren Daniel fff. lebt am Beginn des 21. Jahrhunderts und hat als Komiker weltweiten Erfolg, ohne dass seine besondere Witzigkeit für den Leser in irgendeiner Weise erkennbar würde. Er liebt diverse Frauen, schreibt geschmacklose Drehbücher und reflektiert über Nietzsche und Pascal, die Liebe, den Hass, die Vergänglichkeit und was immer einer Houllebecqschen Kunstfigur aus den Zeiten des alten Menschengeschlechtes den lieben langen Tag so einfallen mag. Schon reichlich vom Leben gezeichnet, kommt Daniel 1 mit den Elohim in Kontakt, einer Sekte, die daran arbeitet, die Menschheit durch Klonung zu erlösen. Dabei stellt der Bekehrte seine DNA-Substanz der Datenbank der Elohim zur Verfügung, vermacht sein gesamtes Vermögen der Organisation und nimmt dann irgendwann (wenn im Alter der Spaß am Leben aufhört) einen frohgemuten "freiwilligen Abschied" (sprich: begeht Selbstmord), weil man ja als genetischer Klon bald rekonstruiert werden wird. So scheidet schließlich auch Daniel 1 aus dem Leben, ohne zu wissen, dass seine Gene noch geschlaGENE dreihundert Jahre warten müssen, bis die Wissenschaft der Elohim endlich in der Lage ist, ihre Verheißung zu erfüllen und fertige Duplikate im Alter von 18 Jahren zu klonen, die dann einfach den gleichen Namen und zur Identifikation nur eine fortlaufende Ordnungsnummer erhalten. So wurde nicht nur das lästige Embryonal- und Kindheitsstadium gänzlich eliminiert, durch die bald eingeführte "genetische Standardrevision" besitzen die Neo-Menschen schließlich sogar die Fähigkeit, sich über die Photosynthese und die Aufnahme mineralischer Salze zu ernähren. Aber - wer hätte das gedacht -wirklich glücklich sind auch die Klonmenschen nicht. Da ihnen die Fortpflanzung, die Liebe, die Not, der Hunger, kurz: alle elementaren Begierden bis auf kaum merkliche Reste zurückgeklont wurden, langweilen sie sich schier zu Tode, ohne dass klar würde, warum sie diese todlangweilige Existenz bis in alle Ewigkeit durch immer neue Klone fortsetzen sollten. Folgerichtig bricht auch Daniel 25 aus dieser inselartigen Existenz aus und macht sich mit seinem Klonhund Fox25 auf die Reise durch den verwaisten Planeten, ohne zu wissen was ihn erwartet.
Das ist der Plot des vorliegenden Buches. Wie aber ist er gelungen? Auch auf die Gefahr hin, mir jede Menge Minusbewertungen einzuhandeln, meine ich: mäßig! Sicher ist das Buch gespickt mit den typischen Houellebecqschen Apercus ("Es lag in ihrer Natur zu lieben wie bei der Kuh das Grasen" und so weiter), und auch die menscheitsgeschichtliche Totalperspektive, die Jugendwahn und Altsverachtung, Sexmanie und Erlösungssehnsucht zu einer apokalyptischen Melange verrührt, hat etwas durchaus Gedankenreiches. Doch wie immer bei Houellebecq gleichen sich die Charaktere der Frauen wie ein Bauhausschrank dem nächsten, und mit den Männern ist es auch nicht viel besser. Und warum der Leser stante pede darüber informiert werden muss, wann Daniel 1 "einen Steifen" bekommt und wann nicht und warum sich der Prophet der Elohim von seinen Gespielinnen einen "abkauen" lässt, während der Besuche empfängt, wird das Geheimnis des Autors bleiben. Schwer erträglich erscheint auch die pseudointellektuelle Attitüde, die das Buch von der ersten bis zur letzten Seite durchtränkt - einerseits als Sphärengebrabbel der Nachgeborenen, die ihren Nonsens ungefiltert absondern ( vgl. S. 225 und an vielen anderen Stellen ) oder als die reine Zitatenornamentik, wobei die Metaphern und Anspielungen wie etwa bei Schumpeter oder bei Coetze, so schräg und gewölbt daherkommen sich man sich über die Zurückhaltung der Lektoren nur wundern muss Alles in allem ein ambitioniertes Buch mit einem interessantes Plot, dessen literarische Umsetzung aber pure Geste bleibt - oder um es in den Gedankenbildern des Autors ein wenig zugespitzt zu sagen: ein Menschengeschlecht, das ein solches Werk allen Ernstes für höchste literarische Auszeichnung in Erwägung zieht, hat das Aussterben vielleicht sogar verdient.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Bittere Abrechnung, 15. September 2006
Von Holger Petersen (Wolmirstedt, Sachsen-Anhalt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Bücher des französischen Autors Michel Houellebecq sind dafür berüchtigt, dass sie provozieren, regelmäßig lösen die Romane heftige Anfeindungen aus. Zumeist werden ihm Hetze und Sexismus vorgeworfen, dieses Mal kommt noch die Verharmlosung von Sektentum und Klonen hinzu. Dabei wird meist übersehen, dass selbst die drastischste, vielleicht auch geschmacklose Szene nichts weiter als eine literarische Metapher ist, mit welchen Houellebecq seine Überzeugung zum Ausdruck bringt, dass die westliche Gesellschaft sich in einer Sackgasse befindet und auf die Katastrophe zusteuert.
Die Erde in etwa 2000 Jahren, Katastrophen haben sie völlig verändert, die menschliche Zivilisation ist untergegangen, jene, welche die Zerstörungen überlebt haben, sind auf die primitivste Kulturstufe zurückgefallen. Inmitten des Chaos existieren zivilisatorische Inseln, hermetisch von der Außenwelt abgeschottet leben die sogenannten Neo-Menschen, Klone, nach dem Tod werden sie durch ein identisches Exemplar ersetzt. Sie leben allein, halten nur Kontakt über ein vernetztes System, haben keine wirklichen Bedürfnisse und vor allem keine wirklichen Emotionen. Die Neo-Menschen kennen keine Ausscheidungen mehr, können per Photosynthese überleben, brauchen lediglich die Mineralien einer Salzlösung. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, die Lebensaufzeichnungen ihrer Vorgänger zu studieren und ihnen eigene Aufzeichnungen hinzuzufügen.
Im Zentrum des Romans Daniel 1, dessen geklonter Nachfahre Daniel 24 seinen Lebensbericht liest. Daniel ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein erfolgreicher Komiker, dessen Sketche auf einer scharfen Beobachtung der Realität beruhen, seine Show Am liebsten Gruppensex mit Palästinenserinnen wird ein Erfolg, er verdient Millionen. Allerdings sind seine Sketche und Kurzfilme nichts weiter als provozierende Karikaturen der Wirklichkeit, an die Möglichkeit, sich für Veränderungen zu engagieren, denkt Daniel in keinem Augenblick.
Sein Glück scheint vollkommen, als er mit der Zeitungsredakteurin Isabel eine ihm intellektuell ebenbürtige Frau kennen lernt. Isabel arbeitet verantwortlich beim Jugendmagazin Lolita, das nicht nur ganz jungen, sondern auch vielen erwachsenen Frauen den Jugendwahn suggeriert. Gerade letzteres zerstört die Beziehung der beiden. Isabel, Ende 30, fühlt sich alt und zeigt zunehmend weniger sexuelles Interesse und Daniel registriert nüchtern:
Wenn die körperliche Liebe vorbei ist, ist alles vorbei; und dann verrinnen die Tage in gereizter trostloser Eintönigkeit. Und was die körperliche Liebe anging, machte ich mir keine Illusionen, Jugend, Schönheit, Kraft: Die Kriterien der körperlichen Liebe sind dieselben wie bei den Nazis. Mit einem Wort, ich steckte ganz schön in der Scheiße. (63)
Beide trennen sich, sind unglücklich. Dann flackern Daniels Lebensgeister noch einmal auf, als sich die 22jährige Schauspielerin Esther für ihn interessiert - eine Beziehung, in welcher der Sex im Mittelpunkt steht, bis Esther sich neuen Zielen und jüngeren Männern zuwendet. Daniel beginnt zu begreifen, dass er mit Ende 40 ganz einfach alt, nutzlos und letztlich von einer durch Lebensgenuss geprägten Gesellschaft ausgestoßen ist. Am Ende, kurz bevor er sich umbringt, versteht er, was er bei seiner Jagd nach der Befriedigung seiner Bedürfnisse vergessen hat:
Meine Abhängigkeit ist grenzenlos,
Ich kenne das Beben des Seins,
Das Zaudern zu verschwinden,
Die Sonne, die die Ränder auf dem Feldrain trifft

Und die Liebe, die alles so leicht macht,
Dir alles schenkt, und zwar sogleich;
Es gibt in der Mitte der Zeit
Die Möglichkeit einer Insel. (394)

Während seiner Beziehung zu Esther lernt Daniel eher zufällig die Elohimiten kennen, eine Sekte, die von einem außerirdischen Einfluss ausgeht und propagiert, dass man auf die Erlösung von außen warten müsse. Deshalb stellen die Elohimiten die Lebenslust und das Überdauern in den Mittelpunkt ihres Daseins, Werte wie Familie, Glauben oder politische Macht werden bedeutungslos, es gilt, einer kleinen Zahl Auserwählter das Überleben zu sichern, weshalb krampfhaft nach der Möglichkeit der Klonung von Menschen geforscht wird. Um die Zeit bis zum Erfolg zu überbrücken, werden DNA-Proben der Mitglieder gesammelt und konserviert. Es stellt sich übrigens heraus, dass die Gründer der Sekte dies im Drogenrausch als großen Scherz getan haben, doch schnell verselbstständigt sich die Sache, weil im Chaos einer untergehenden Welt, in der Glaube und Werte nicht mehr zählen, die Elohimiten den Nerv der Zeit treffen, denn sie bieten Hoffnung.
Houellebecq erspart dem Leser nichts, beschreibt seine Utopie bis zum bitteren Ende. Er lässt sogar den Klon Daniel 25 auf der Suche nach den von Daniel 1 beschriebenen Erfahrungen der Leidenschaft durch eine zerstörte Welt ziehen, in welcher die überlebenden Menschen auf ihr innerstes Wesen reduziert sind  gewalttätige, tierischen Hierarchien unterworfene, sich an Grausamkeiten ergötzende Tiere.
Die Welt taumelt am Abgrund, die Szenerie, welche Houellebecq beschreibt, ähnelt der Agonie des mächtigen Römischen Reiches, nur hatten die die Barbaren, welche die Geschichte weiterschrieben ...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen vorwärts in die steinzeit, 26. März 2008
Von Katharina Feld (Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: Die Möglichkeit einer Insel (Broschiert)
1.Zeitebene 21. Jahrhundert.
Daniel1 ist ein Kotzbrocken. Es erschließt sich nicht, warum er als Komiker so erfolgreich sein kann. Nur weil er zynisch ist? Jedenfalls wird er reich und kann alles erwerben, was mit Geld zu erwerben ist.

Interessant seine Freundschaft zu dem introvertierten Künstler Vincent, der das genaue Gegenteil von Daniel1 zu sein scheint. Vincent lebt ein äußerlich anspruchsloses Leben und ist der uneheliche Sohn des Sektenoberhauptes der 'Elohim', in deren engeren Kreis Daniel1 zufällig gerät. Nach dem gewaltsamen Tod des 'Propheten' tritt Vincent an die Stelle seines Vaters, als gelungener Klon, ein PR-Coup der Sektenführer.
Das Klonen gelingt der Sekte erst dreihundert Jahre später, im 24.Jahrhundert.

Daniel1 verliebt sich zweimal und bleibt unglücklich, beide Frauen verlassen ihn. Die eine, weil sie das Altern nicht ertragen kann, die andere, weil Daniel1 SEIN Altern nicht ertragen kann.
Seine Freundschaft zu Vincent und seine Liebe zu seinem Hund machen Daniel1 (nach vielen, vielen Seiten) einigermaßen menschlich, im großen und ganzen bleibt er aber doch ein schwer egoistischer Eigenbrötler, der seitenweise in Selbstmitleid badet.

2.Zeitebene 40. Jahrhundert.
Die neuen Menschen, 'Neo-Menschen', brauchen nicht viel, leben sicher und abgeschirmt in ihrem Hochsicherheitstrakt in der übriggebliebenen zerstörten Welt. Ihr Energiebedarf wird mittels Photosynthese abgedeckt, sie ernähren sich von Mineralsalztabletten und Wasser. Sie müssen nicht viel tun, eigentlich gar nichts. Sie haben keinen persönlichen Kontakt untereinander, sind frei von Gefühlen und Wünschen.

Es haben aber auch andere Menschen, Nicht-Klone, auf der von Kriegen, Naturkatastrophen, Atomexplosionen und einer Verschiebung der Erdachse zerstörten Erde überlebt.
Es ist mir nicht verständlich geworden, warum diese Menschen in den Überresten des 21. Jahrhunderts hausen und mit den offenbar erhalten gebliebenen Gegenständen wie Häuser (es stehen wohl noch welche, 2000 Jahre alt) Autositze, Fotoapparate, analoge natürlich, nichts anfangen können. Diese 'Ur-Menschen', 'Wilden', nichtgeklonte Nachkommen unserer Jetzt-Zeit, treten in Rudeln auf und haben das Gebaren steinzeitlicher Gestalten und sie sind Menschenfresser, wie der 25.Klon von Daniel1 beobachten kann, der sich auf Abenteuerreise begeben hat, um seinem stumpfsinnigen Dasein im Hochsicherheitstrakt zu entkommen. Um dann, am sich weit zurückgezogenen Meer angekommen, in weiteren 60 Jahren Stumpfsinn auf den Tod zu warten. Aber vielleicht kommt Marie23 ja doch noch vorbei.

Die Geschichte ist wirklich spannend, es wird in weiten Teilen verständlich, was Houellebecq beabsichtigt.
Aber diese Geschichte ist bestimmt kein Science-Fiction-Roman. Es wird ärgerlich, wenn ein visionärer Houellebecq Bilder aus schlechten Filmen bemüht, die das 40.Jahrhundert darstellen sollen.

Ich stelle dieses Buch ins Regal, werde über das Eine oder Andere weiter nachdenken und gespannt auf das nächste Werk dieses Autors warten.
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