Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Anschlag von Tokyo, 16. Juni 2002
ist durch den 11. September wieder in mein Bewußtsein gerückt. Wie schnell habe ich vergessen. Und wie sehr unterscheidet sich Murakamis Buch vom lauten Getöse der Medien damals. Behutsam und frei von (Vor-)Urteilen führt Murakami seine Recherche. Bei Opfern und Tätern. Warum dieses Buch so wichtig ist? Weil die Gefahr der Wiederholung so groß wie nie zuvor ist. Arbeitslosigkeit, Politikverdrossenheit, Spaßgesellschaft, Armut - Gurus haben Hochsaison. Die Verantwortung fürs eigene Leben und Fortkommen ist eine so große Last, die Isolation so bedrückend. Welche Erleichterung diese Verantwortung einem Führer, Meister, Guru abzugeben. Die geschädigten Opfer bleiben hier wie da hilflos und allein zurück. Auch in Japan hat es keine psychologische Nachsorge gegeben. Murakami hat ihnen das Zuhören geschenkt und dem Leid eine Stimme gegeben. Eindrucksvull, kraftvoll und beunruhigend.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Japanische Abgründe tun sich auf, 3. März 2007
Drei Ereignisse erschütterten Japan in den 1990er Jahren. Eines davon, das Erdbeben von Kobe, hat Haruki Murakami literarisch in seiner Kurzgeschichtensammlung Nach dem Beben" verarbeitet. In Untergrundkrieg", einem Sachbuch, wird das Sarin-Attentat von Tokio verarbeitet. Der dritte Schock, das Platzen der Wirtschaftsblase, taucht in beiden Büchern, wenn auch eher am Rande auf.
Untergrundkrieg" erschien in Japan ursprünglich in zwei Bänden. Die zwei Teile unterscheiden sich ganz erheblich. Im ersten Band kommen die Opfer zu Wort. Murakami weist darauf hin, daß er nur einen Bruchteil der Gesprächspartner, unter den Tätern als auch unter den Opfern, für ein persönliches Gespräch gewinnen konnte. Viele wollten lieber nicht mehr an den Anschlag erinnert werden. Und für viele unverheiratete Frauen sei es unangebracht alleine mit einem fremden Mann zu sprechen. Das Buch bietet also auch einen interessanten Einblick in den japanischen Alltag.
Obwohl Murakami nach einigen Interviews den Text etwas abwechslungsreicher gestaltet, in dem er weitere Hintergründe der Tat schildert, so ist der erste Teil des Buchs stellenweise doch etwas ermüdend. Immer wieder wird der gleiche Tag, mit sehr ähnlichen Beobachtungen aus der U-Bahn und Alltagsbeschreibungen der Opfer beschrieben. Dabei ist es oft interessanter was die Interviewten über ihren Alltag zu erzählen haben, als ihre Beobachtungen des Attentats. Dennoch ist es reizvoll viele verschiedene Beteiligte zu Worten kommen zu lassen, um ein größeres Bild des Anschlags zu bekommen.
Annähernd rund wird dieses Bild dann im zweiten Band, in dem die Täter, Mitglieder der buddhistischen Weltuntergangssekte Aum Shinrikyo, zu Wort kommen. Über sie wurde zwar bereits im ersten Band berichtet, aber nun kommen sie selbst zu Wort. Die Schilderungen des Alltags in Shoko Asaharas Gemeinschaft erinnert an das, was man bereits von anderen Sekten gehört hat. Die Anhänger werden bedrängt, zum Eintritt und Verbleib in der Sekte genötigt, müssen ihren weltlichen Besitz der Sekte spenden, müssen Flugblätter verteilen und gehorchen. Ungewöhnlich mag vielleicht sein, daß einige Mitglieder gefoltert und für Menschenversuche mißbraucht und unter Drogen gesetzt wurden. All diese Opfer nahmen viele Anhänger aber gerne in Kauf, weil sie in der Sekte endlich eine spirituelle Heimat, eine Bestimmung und noch mehr fanden, das sie in der Welt außerhalb von Aum schmerzlich vermißt hatten. Manche Beobachter waren verblüfft, daß fast alle Attentäter und auch Asahara selbst zu der vermeintlichen Elite der Gesellschaft gehörten, wie auch bei vielen der Terrorpiloten des 11.9.2001. Und das ist dann auch ein sehr bemerkenswerter Satz eines der Opfer des Sarin-Anschlags: Trotz all dieser brillanten Köpfe hat Aum auch nichts Besseres zustande gebracht, als sich in eine Art Massenterrorismus zu stürzen.". Wo sind die Alternativen für eine bessere Welt?
Murakami ist auch ein medienkritisches Buch gelungen. Zahlreiche Opfer stellten fest, daß die Fernsehbilder und Zeitungsartikel einen völlig anderen Eindruck von dem Anschlag vermittelten.
Mit Kritik an den zuständigen Katastrophenschutz-Behörden wird im übrigen auch nicht gespart. Obwohl es bereits vor dem tragischen Tag in Tokio ein Sarin-Attentat von Aum gegeben hatte, waren die Zuständigen nur unzureichend vorbereitet.
Was Untergrundkrieg" fehlt, damit es ein vollends abgerundetes Werk zum Thema wäre, ist ein objektiverer Blickwinkel. Interviews mit Wissenschaftlern, insbesondere Psychologen und Sektenforschern wären interessant gewesen, um mehr über die Täter herauszuarbeiten. So bleibt es eben doch das Buch eines Schriftstellers, der besonders vom Tokioter Attentat fasziniert war, weil er sich auch in seinen Romanen, gerne mit unterirdischen Parallelwelten beschäftigt. Im übertragenen Sinne zeigten die Vorfälle in der U-Bahn für Murakami wohl, welche Gefahren, unverarbeiteten Komplexe und welche Grausamkeit unter der Oberfläche der nach außen so heilen, friedlichen, geordneten und vermeintlich perfekt funktionierenden japanischen Gesellschaft brodeln. Das Erdbeben von Kobe brachte die Auswirkungen der unterirdischen Erdaktivitäten zu Tage. Der Anschlag von Tokio legte offen, daß die japanische Gesellschaft mit ihrer uneingeschränkten Hinwendung zum Materialismus und der totalen Unterordnung des Individuums selbst Teilen der Privilegierten zuwider ist.
Ein lehrreiches Buch über Japan und über das weltweit brisante Thema Terrorismus.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein faszinierendes Buch über den Sarinanschlag in Tokyo, 15. Oktober 2002
Von Ein Kunde
Dieses Buch gibt nicht nur ein hervoragenden Einblick in die Seelen der Täter, sondern vermittelt einem sehr stark die japanische Mentalität. Einige der Opfer, schwer getroffen von der Gasattacke, versuchen trotzdem noch rechtzeitig in die Arbeit zu kommen. Das Buch glänzt ausserdem durch seine Neutralität. Es ist nicht patriotisch verdorben, wie oft die Bücher der amerikanischen Zeitgeschichte. Sehr Empfehlenswert
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