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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Buch ist ein absoluter Lesegenuss, seine Sprache ist stellenweise fast poetisch, 12. Dezember 2009
Für die Älteren wird sein Name immer verbunden bleiben mit dem "Laufen", auch wenn sie ihn, wie der 1954 geborene Rezensent, nie haben laufen sehen. Die Rede ist von der "tschechischen Lokomotive" Emil Zatopek, dem der französische Schriftsteller Jean Echenoz mit dem vorliegenden, nur schlanken 125 Seiten umfassenden Roman ein wunderbare literarisches Denkmal gesetzt hat.
Schon in seinem Buch über Maurice Ravel hat Echenoz gezeigt, wie er ein Leben in seinen Facetten so zwischen zwei Buchdeckel bringen kann, dass man das Gefühl hat, man wäre mitten in diesem Leben drin.
Zunächst hatte der später berühmte Läufer mit dem Sport nichts im Sinne. Bei einem Wettkampf im "Reichprotektorat" wird, er ist gerade siebzehn Jahre alt, das Talent Emil Zatopeks entdeckt. Er läuft, um anderen einen Gefallen zu tun, und gewinnt erst mit der Zeit eine eigene Freude an der laufenden Bewegung. Zwar hebt er sich durch einen eigenen Laufstil von allen anderen ab - er sollte ihm bald den Vergleich mit der Lokomotive einhandeln, den er nie wieder loswurde-, er besteht auch bis zum Ende seiner Laufbahn auf seinen eigenen Trainingsmethoden, doch schon vor dem Krieg , und erst unter den neuen kommunistischen Machthabern nach 1945 wird er zum Objekt andere Interessen. Seine Erfolge und Siege sind für die kommunistischen Diktatoren unter der Fuchtel Moskaus willkommene Zeichen für die Überlegenheit ihres Systems, das glauben sie tatsächlich. Emil läuft immer in einem roten Trikot, der Farbe der Revolution, um seine Vorgesetzten im Militär zu beeindrucken, in das er bald aufgenommen wird und in dessen Hierarchie er mit jedem seiner glorreichen Siege weiter aufsteigt. 1948 bei der ersten Nachkriegsolympiade in London holt er Gold und 4 Jahre später in Helsinki, läuft er über 5000 Meter, über 10 000 Meter und über die Marathonstrecke zu unglaublichen drei Goldmedaillen.
Jean Echenoz nähert sich dem Leben dieses Ausnahmesportlers sehr feinfühlig und zurückhaltend. Dabei wechselt er dauernd ab zwischen Nähe und auch ironisch getönter Distanz.
Als Emil Zatopek, seine aktive Laufbahn ist längst vorbei, während des Prager Frühlings 1968 zum ersten Mal in seinem Leben auf der falschen Seite steht, wird er aus der Armee ausgeschlossen und in die Uranminen geschickt. Später, als man ihn wieder nach Prag zurücklässt und ihn als Müllfahrer beschäftigt, hat das auch keine lange Dauer, denn die Menschen kommen morgens aus ihren Häusern und feuern ihren Müllmann an wie früher.
"Laufen" ist so nicht nur eine wunderbare erzählte, zum Teil fiktionale Geschichte über einen beeindruckenden Menschen, sondern es ist gleichzeitig eine stille Anklage gegen die Diktatur in jeder Form.
Das Buch ist ein absoluter Lesegenuss, seine Sprache ist stellenweise fast poetisch.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Denkmal für eine Sportlegende., 17. Dezember 2009
Laufen kann er,--der sagenhafte tschechische Läufer Emil Zatopek!
Zu Beginn des zweiten Weltkriegs 1939 entdeckt er seine Freude am Laufen, obwohl ihn Sport bis dahin nie interessierte. Beim Militärdienst,zu dem er als 17 Jähriger antritt, entdeckt man sein Talent und er läuft, und läuft, und läuft! Mit anfänglich noch unausgebildetem Laufstil gelingen ihm doch schon bald erste Erfolge. 1953 erklimmt er den Gipfel sportlicher Leistung und wird Olympiasieger in drei Langstreckendisziplinen.
Seine Karriere als Läufer nimmt überraschende Formen an, und parallel dazu verläuft seine Beförderung beim Militär. "Die tschechische Lokomotive" wird er genannt, und sein Laufstil bleibt für alle seine Zuschauer und Konkurrenten ein Wunder.
Im Hintergrund ziehen die politischen Machthaber ihre Strippen, und Zatopek bleibt ein Läufer, den beinahe nichts anderes interessiert. Fast ohne es zu bemerken, wird er sein Leben lang zum Spielball der politischen Verhältnisse. Zuerst läuft er für das "Reichsprotektorat" Böhmen und Mähren. Nach dem Ende des Krieges läuft er zunächst im Namen der Volksrepublik Tschechien und später des "Sozialismus" bei Wettkämpfen in aller Welt. Er erkämpft sich eine Trophäe nach der anderen. 1968 erwischt ihn der Prager Frühling dann auf der falschen Seite: nun wird er degradiert und läuft in den Strassen Prags für die Müllabfuhr. Seine Anhänger, die ihn auf jedem Platz und an jedem Ort der Welt bejubeln, verliert er nie.
Jean Echenoz hat am Beispiel des legendären Sportlers und Läufers erzählt, wie man den Sport zu politischen Zwecken nutzen und den Menschen zum Werkzeug eigener Ideologien missbrauchen kann. Der Ton, im dem er seine Geschichte erzählt, zeigt den Läufer Zatopek als naiven, lieben Mann, der nur ein Ziel kennt: Laufen! Dass der Autor mit seinem Bericht einen exklusiven Politikthriller verbindet, in dem das Klima und die Beschaffenheit eines verruchten Systems karikiert wird, macht sein Buch zu einem amüsanten und anspruchsvollen Unterhaltungsroman. Man folgt belustigt den Kehrtwendungen und den Auf -und Abwärtsbewegungen des Läufers Emil Zatopek, die von den politischen Strömungen seiner Zeit umrahmt werden. Jean Echenoz hat dem legendären Läufer Emil Zatopek ein würdiges Denkmal mit seinem kleinen Roman gesetzt.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft..., 25. November 2009
Intro: Ein flüssig, salopp, spritzig, aufgestellt gehaltener Roman, über eine Sportlerlegende, die es tatsächlich gegeben hat, EMIL ZATOPEK! (1922-2000) Spitznamen: "Die tschechische Lokomotive".
Handlung: Von den Anfängen einer Sportlerkarriere, beginnend in der Tschechoslowakei, erzählt der Autor, das sportliche Leben und deren Erfolgsgeschichte, die sich in den vierziger und fünfziger Jahren ereignet hat, die um die ganze Welt ihre Kreise gezogen hat und schon eine unglaubliche "Story of Success" ist. Der Weg geht vom Weg zum Olympiasieger bis zum mehrfachen Weltrekordler. Als er beim Einmarsch der sowjetischen Truppen in Prag an die Soldaten appelliert und zu einer Feuerpause auffordert, verliert er seine Arbeit und muss zur Strafe für sechs Jahre in einer Uranmine arbeiten. Seine letzten Stationen sind, Müllarbeiter, Erdarbeiter, Archivar...
Schönes: Wie ein Mensch von einer Mission getrieben ist, unabhängig davon, was die übrigen Welt davon halten mag ist schon bemerkenswert! Ein Mensch der sich nicht gross um die Meinung und Reaktion anderer kümmert und stetig sein Ziel im Auge behält. Ein Mensch der völlig ohne die Vorgaben und Rätschläge Anderer auskommt und sich selbst als die Maxime zum sportlichen Erfolg ernennt.
Ein gefeierter Volksheld, der selbst als Müllarbeiter nichts an seiner Popularität einbüsst."Wenn Emil mit seinem Besen geht, erkennt die Bevölkerung ihn sofort, alle rennen an die Fenster und applaudieren ihm begeistert. Ausserdem weigern sich seine Arbeitskollegen, ihn selbst den Abfall einsammeln zu lassen, er kann nur in lockerem Trab hinter dem Wagen herlaufen, von allen angefeuert, wie früher. Allmorgendlich kommen die Menschen des Viertels, das ihm und seinem Trupp zugewiesen ist, auf die Strasse hinunter, um ihn zu beklatschen und eigenhändig die Mülltonnen in den Wagen zu leeren. Kein Müllmann der Welt ist je so beklatsch worden."
Weniger Schönes: Wie gekonnt die damaligen Zeitungen durch die sozialistischen Funktionäre eingesetzt wurden, um irgendwelche Stimmungsmache zu erzeugen, Interview's des Läufer's völlig conträr wiedergegeben wurden, nur um damit gewisse Manipulationen und gewünschte Ergebnisse in der Öffentlichkeit und auch anderen Ländern gegenüber zu provozieren, die oft als Gastland für sportliche Anlässe fungierten, ist schon erstaunlich und wunderbar nachvollziehbar vom Autor Jean Echenoz wiedergegeben. Neben der Läuferkarriere erfährt der Leser allerdings ansonsten wenig vom Leben Emil Zatopek's, wenn man mal von dem Erwähnen seines Arbeiterlebens absieht.
Statement: Ein salopp geschriebener Roman über einen Ausnahmesportler und Volkshelden, den es tatsächlich gegegeben hat. Heiter geschrieben, motiviert, begeistert erzählt Echenoz von diesem besonderen Läufer, für den es offenbar keine Grenzen gab. Ein Roman der sich zwischen der politischen Welt mit Ihren Vorschriften, Manipulationen und Gesetzen des Sozialismus auf der einen Seite, als auch der Begeisterung der sportlich interessierten Zuschauerwelt bewegt, wo das Auge der Welt auf die überraschenden Leistungen eines Emil Zatopek schaut.
Ein Mensch der sich zwischen der Willkür der politischen Hintergrundmachthaber fast schon als eine Art Marionette bewegt, die den Wirkungsraum dieses Sportlers immer wieder vorgegeben und eingegrenzt hat und irgendwelche Sportfunktionäre immer das letzte Sagen hatten, wo Emil Z. seine sportlichen Leistungen unter Beweis stellen konnte oder eben nicht. Ein Roman, in einem politischen System erzählt, das gegen die Freiheit und die Selbstbestimmung eines Emil Zatopek's schön heimlich und unauffällig seine Wirkung tat, wohl erfolglos versucht hat ihn zu demütigen, und seine Person dies über sich ergehen liess....
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