Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
'Wie eine eilige Skizze!, 21. Mai 2007
Den Kunstgriff, aus biographischen Eckdaten, bzw. aus einem biographischen Ausschnitt eine literarische Erzählung zu machen, haben schon andere Autoren angewandt. Ihn zu beherrschen gelingt nur wenigen. Jean Echenoz Erzählung über den französischen Komponisten Maurice Ravel hält ein konstant literarisch hohes Niveau, bleibt aber dennoch im Ungefähren.
Ravel bleibt dem Leser auch nach der Lektüre dieser Skizze ein Fremder.
Echenoz wählt für sein gelungenes Experiment die letzten zehn Lebensjahre des französischen Komponisten. Die Handlung setzt in den letzten Tagen des Jahres 1927 ein, Ravel trifft letzte Reisevorbereitungen für eine Amerika-Reise, die zum Triumphzug wird.
Die Überfahrt auf einem Luxusdampfer wird minutiös und detailgetreu beschrieben, eindrücklich bleibt mir vor allem eine Szene, in der der Kapitän Ravel eine Freude machen möchte und eine Komposition von ihm spielt. Ravel windet sich vor Ärger, macht aber doch gute Miene zum vermeintlich bösen - besser schlechten - Spiel.
Die vier Monate lange Reise, in der Auftritt Auftritt folgt, Ravel vielen Berühmtheiten vorgestellt wird, seine Lust und zugleich sein Überdruss gegenüber allem Schönen und die Jahre danach, die schließlich in geistiger Umnachtung und einem grausigen Tod enden, beschreibt Echenoz leichtfüssig-elegant.
Wie Colum MacCann in seinem grandiosen Buch "Der Tänzer" - einem Roman über den Ballettkünstler Nurejev - ist Echenoz ein kühler, manchmal fast unbeteiligt wirkender Erzähler. Aber immer dann, wenn man es nicht vermutet, gelingen ihm so anrührend zarte Schilderungen, dass Ravel für einen flüchtigen Moment ganz nahe kommt, um dann wieder in einer Aura aus Unnahbarkeit zu entschwinden.
Ein interessantes Buch!
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Perfektionisten der kleinen Form , 9. Mai 2007
Die letzten zehn Lebensjahre des weltberühmten französischen Komponisten Maurice Ravel und sein Meisterwerk der "Boléro" hat Jean Echenoz in seinem Buch "Ravel" festgehalten oder besser gesagt: wunderbar elegant, lebendig und feinfühlig darüber geplaudert...
Detailreich beschreib Echenoz den Stil und die Atmosphäre der Jahre um 1930 - zeitgenössische Autos, Eisenbahnlinien, Luxusdampfer oder Anzüge, aber vor allem die Macken, Vorlieben und die Lebensart des Künstlers: "Liebhaber blutigen Fleisches", "24 Stunden von 24 wie geleckt" gekleidet, vornehmlich mit Lackschuhen - obwohl er nur einen Meter einundsechzig groß war und nur ganze 45 Kilo wog.
Wir lernen ihn in der Badewanne kennen, die er am liebsten nicht verlassen will, weil beim Aussteigen immer das Risiko besteht, sich "am Wannenrand den Schritt zu prellen". Aber es muss halt sein, man will ja nach Amerika.
In den vier Monaten in Amerika sammelt der blasierte Franzose Konzerttriumphe, langweilt sich bei Gesellschaften der Reichen und Musikbegeisterten und leidet am schlechten Essen. Aber diese Reise brachte ihn schließlich auf den Gipfel seines Schaffens, seiner Berühmtheit und Beliebtheit. Nun teilte er sich mit Strawinsky "die Rolle des meist geachteten Musikers der Welt".
Auch nach seiner Rückkehr ebbt der Erfolg nicht ab, nicht zuletzt durch seinen weltberühmten "Boléro".
Die andere Seite dieser modernen Halt- und Rastlosigkeit dürfte die Langeweile sein, die ihn immer wieder befällt.
Ein paar Jahre später wird es jedoch ruhig um ihn. Ravel leidet an einer Gehirnerkrankung, sein Körper gehorcht ihm nicht mehr, das Gedächtnis setzt aus. Im Dezember 1937 wird ihm von einem berühmten Chirurgen der Schädel geöffnet. Wenige Tage darauf stirbt er.
Äußerst lebendig und exakt stellt Echenoz dem Leser diesen Lebensabschnitt Ravels dar. Jedoch statt "Ikonographie" zu betreiben, erschafft Echenoz auf meisterhafte Art eine eigenständige Figur: Einen berühmten und beliebten Komponisten, der die Gründe für seinen Ruhm eigentlich nie begreift.
Im Grunde handelt der Roman vom Spannungsverhältnis zwischen Öffentlichkeit und Kunst.
Auch sprachlich ist dieses Buch ein Vergnügen. Da ist kein Wort zuviel, aber dennoch kann man sich genau einfühlen und sogar Verständnis für die ausgeprägten Marotten der Figur entwickeln.
Fazit:
Ein wunderbarer Zeitvertreib und ein außerordentlich kurzweiliges Lesevergnügen ist dieser kleine Roman, der die Überempfindlichkeit eines einsamen Genies zeigt, mal schnoddrig, mal overdressed wie sein Held, aber stets kultiviert.
Das Ravel-Büchlein schmiegt sich zudem ganz virtuos der Musik an. Es beginnt ganz langsam, nimmt Fahrt auf und gerät am Ende in einen wahren Geschwindigkeitsrausch - ganz wie der "Boléro".
Echenoz' "Biofiction" steckt von der ersten bis zur letzten Zeile voller feinster Literatur.
Lesen Sie dieses 100seitige Büchlein am besten mit der Musik des wunderbaren "Boléro" im Hintergrund.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
In aller Kürze, 25. Juli 2007
Auch wenn Ravel mit seinen knapp hundert Seiten als Roman verkauft wird, ändert es nichts an der Tatsache, daß es sich eigentlich um eine Erzählung handelt. Jean Echenoz, der einem mit seinem mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman: Ich gehe jetzt in guter Erinnerung ist, beschreibt hier die letzten Jahre Ravels und beschränkt sein erzählerisches Können allzu sehr auf die Aneinanderreihung der biografischer Notizen, so daß man sich wünscht, man würde eine richtige Biografie Ravels in Händen halten.
Bis auf das Bild eines introvertierten Dandys, dessen Geist mit zunehmendem Alter verwirrter wird, bleibt dieses Buch blaß. Wenn auch Echenoz sprachliches Können wie in: "... es ist und bleibt so, man kann nicht einschlafen, während man den Schlaf beobachtet", immer wieder aufblitzt.
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