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107 von 115 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schräg und unverzichtbar (wirklich!) "Schotts Sammelsurium", 8. September 2004
Von Ein Kunde
Bei der Flut an Rate- und Gameshows und der dazu gehörigen Bücher, Brettspiele, Topflappen und CD-Rom-versionen denkt man sich ja: Noch eine Wissensbuch? Muss das sein? Noch dazu von einem Engländer. Und man fragt sich insgeheim: Was soll einem jemand, der aus einem Land kommt, wo alle auf der falschen Seite fahren, ihre Pommes in Essig ersaufen und ihr Badezimmer mit Teppichboden auslegen, wirklich beibringen wollen.Doch "Schotts Sammelsurium" ist erstens anders (ganz anders) und zweitens als man denkt. Ich habe das kleine (sehr schön gestaltete) Büchlein aufgeschlagen und wurde förmlich hineingezogen in den Strudel komischer, obskurer, überraschender und manchmal sogar tatsächlich nützlicher Artikel (gut geschrieben; informativ aber mit Augenzwinkern), Tabellen und Listen. Und bevor man wieder auftaucht, ist wieder eine halbe Stunde vergangen, ohne dass man es bemerkt hat. Was die Engländer 'trivia' - oder 'Trivialitäten' nennen, heißt nicht, dass das, was Ben Schott über Jahre zusammengesammelt hat wirklich "trivial" ist. Vieles davon ist natürlich schräg und einiges schon verschroben britisch (z.B. eine Liste der großen Cricket-Nationen oder die Ergebnisse der Oxford-Cambridge-Bootsrennen), aber das meiste ist international, universell anwendbar und (wie es so verschmitzt schön im Vorwort heißt) nicht unbedingt praktisch, aber absolut unverzichtbar! So erfährt man, z.T. in wild gemischter Sammelsurium-Manier, dass landläufiges Magenknurren eigentlich "Borborygmus" heißt, dass die Sängerin Mama Cass (von den Mama & Papas) an einem Schinkensandwich erstickt ist, und dass die Tragzeit des Erdferkels 210 Tage beträgt. Für die multikulturelle Verständigung ist z.B. unabdingbar zu wissen, dass "Ich liebe dich " auf Zulu "Ngiyakuthanda" heißt, was besonders hilfreich erscheint, wenn man sich in eine Zulu verliebt und die Völkerverständigung an der Sprachgrenze zu scheitern droht. Wichtig/Witzig ist auch, das längste Palindrom der Welt zu kennen, ("Saippuakauppias", was auf Finnisch "Seifenhändler" bedeutet). Geschlechterpolitsch höchst inkorrekt ist dagegen die Info, dass bei den Viktorianern die festgelegte Trauerzeit für einen Ehemann bei 2-3 Jahren lag, die Damen im 19.Jahhundert aber lediglich 3 Monate betrauert werden mussten (pfui!). Als kleine Wiedergutmachung führt Schott dann aber die genaue Abfolge der Trauergottesdienst für die "Prinzessin der Herzen" auf, inklusive der Information, wer die Orgel spielte (- nein, nicht Elton "Kerze im Wind" John). Und der typisch englische, schwarze Humor kommt da zum Tragen, wo es um "Merkwürdige Tode einige burmesischer Könige" geht, bei denen (wieder einmal höchst inkorrekt) kein Auge - vor Lachen - trocken bleibt. Auch die Ausstattung des Bändchens ist gelungen, so dass es sich als Geschenk vorzüglich eignet - eine noble, ganz eigene Typographie, ein handliches Format; und wann gibt's schon mal ein Wissensbuch mit Lesebändchen? Auf eine Gefahr (die mir aus eigener Erfahrung bekannt ist!) muss ich allerdings aufmerksam machen: Kauft man das Buch als Geschenk und liest man sich einmal fest, wird man es nicht mehr so leicht weggeben wollen. Vielleicht sollte man also am besten immer gleich zwei Exemplare besorgen. Aber auf der Geburtstagsparty wird man dann mit seinem gesammelten Schott-Wissen nach Belieben protzen können... Witzig, kurios, und zum Teil sogar echt lehrreich. Kurzum: ... wärmstens zu empfehlen.
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