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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 19.07.2002
Keine große Literatur, aber einen durchaus sehr amüsanter Roman hat Jean Echenoz hier geschrieben, findet Ijoma Mangold und vergleicht den Roman mehrfach mit der Funktionsweise eines Films. Fast verschwenderisch gehe der Autor mit seinen Einfällen um, und so tauchten etliche der "vielversprechenden Motive", die Echenoz in seinem Krimi ins Spiel bringt, gar nicht mehr auf. Für Mangold geht es dem Autor nicht darum, "anspruchsvolle Literatur" zu schaffen und nicht um die Perfektionierung einer sorgfältig angelegten "literarischen Konstruktion". Statt dessen unterhalte Echenoz den Leser mit einer Fülle "eleganter und witziger Formulierungen". Auch auf "psychologische Tiefenbohrungen" verzichte der Autor weitestgehend und das tut dem Buch nach Meinung des Rezensent sehr gut. Dazu passt auch das Sujet seines Schreibens hervorragend: "Die Blondine als Fleisch gewordenes Paradox der Einheit von Oberfläche und Geheimnis ist genau der richtige Gegenstand für ein Schreiben, wie es Echenoz so könnerhaft-leichtfüßig pflegt", lobt Mangold.
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Kurzbeschreibung
Was ist aus Gloria Stella geworden, Star des Pariser Show-Business, die wegen Totschlags an ihrem Manager und Geliebten im Gefängnis sass und seit ihrer Entlassung wie vom Erdboden verschluckt ist? Der Filmproduzent Paul Salvador und seine überaus reizvolle Assistentin Donatienne möchten sie in einem geplanten TV-Feature über die "Grossen Blondinen" neben dem klassischen magischen Dreieck Marlene, Marilyn und BB präsentieren. Detektive werden auf ihre Spur gesetzt, Jean-Claude Kastner, der sie in der Bretagne aufspürt, bezahlt es als Erster mit seinem Leben. Gloria Stella - ein sprechender Name wie aus dem Comic - entzieht sich, begleitet von ihrem Schutzengel und Dämon Bléliard, nach Sydney, Bombay und Südindien, wo sie in dunkle Geschäfte verwickelt wird, die sie schliesslich als Begleiterin von Pferdetransporten - es ist viel Platz in Pferden für Drogen und Zäsium - nach Frankreich zurückführen. Aufbruch, Suche und Verfolgung sind der Motor des Geschehens, das nach einer letzten überraschend-burlesken Wendung mit einem wunderbar kitschigen Happy End à la Hollywood schliesst. Die grossen Blondinen sind Abenteuerroman, Krimi mit einem Schuss Ian Fleming und literarischer Comic zugleich, und einmal mehr, wie in dem mit dem Goncourt-Preis ausgezeichneten Roman Ich gehe jetzt, unterläuft Echenoz mit halluzinatorischer Sicherheit alle einschlägigen Muster der Genres, ohne sie zu verraten.