Kurzbeschreibung
Schon immer hat Wladimir Woinowitsch den Leser zu überraschen vermocht - am eindrücklichsten womöglich mit seinem Schelmenroman Die denkwür-digen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin, der dem Autor weltweiten Ruhm einbrachte und sich millionenfach verkaufte. Komplexe zeitgeschichtliche Themen verhandelte Woinowitsch in geradezu leichthändigen, augenzwinkernden Prosawerken - ohne jemals von der Ernsthaftigkeit seiner Sujets abzulenken. Eben diesen literarischen Spagat hat Woinowitsch mit der Veröffentlichung seines jüngsten Romans erneut mit grosser Kunstfertigkeit vorgeführt. Aglaja Rewkina ist glühende Bolschewikin und Stalinistin. Beherrscht von leidenschaftlicher Liebe zu Stalin, dem lebendigen wie dem steinernen, zeigt sie sich bereit, diese mit ihrer Karriere, mit ihrem persönlichen Leben und dem Leben überhaupt zu bezahlen. Aglaja Rewkinas Irrungen und Wirrungen zu folgen, und zwar bis in die Gegenwart hinein, erlaubt uns - ähnlich wie Thomas Brussigs Sonnenallee - einen völlig neuen Blick auf die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, auf die groteske Endfahrt in die sprichwörtliche ideologische Pleite und das bedrohliche Chaos eines gigantischen Neuanfangs. Über das neueste Werk dieses meisterhaften Erzählers, der die jüngste Geschichte zugleich dokumentiert und seziert, schrieb die Kritik zu Recht: ,... vielleicht Woinowitschs reifstes Werk, auf jeden Fall ein aussergewöhnliches Ereignis - nicht nur im literarischen Sinn, sondern auch auf dem Gebiet der Psychologie, der Philosophie und politischen Anaylse ... Und während der Autor an diesem Roman schrieb, rückten zahlreiche Momente, die - so schien es - als Teil einer grotesken Retrospektive zu behandeln waren, urplötzlich in den Bereich einer absolut realen politischen Praxis."