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Modularisierung in der Automobilindustrie - neue Formen und Prinzipien - Modular Sourcing, Plattformkonzept und Fertigungssegmentierung als Mittel des Komplexitätsmanagements
 
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Modularisierung in der Automobilindustrie - neue Formen und Prinzipien - Modular Sourcing, Plattformkonzept und Fertigungssegmentierung als Mittel des Komplexitätsmanagements (Taschenbuch)

von Frank Thomas Piller (Autor), Daniela Waringer (Autor)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Der Autor über sein Buch

Modularisierung von Produkten und Prozessen
Ausgelöst durch dramatische Wettbewerbsänderungen in vielen Märkten führt die steigende Heterogenisierung der Nachfrage zu einer Zunahme der Variantenvielfalt. In der Folge nimmt in vielen Branchen die Komplexität stark zu und wird zum dominierenden Kostenfaktor. Dem steht aber der kontinuierlich wachsende Kosten- und Margendruck durch die Verschärfung des Wettbewerbs gegenüber. Unternehmen aller Branchen stehen deshalb heute vor der Herausforderung, der wachsenden Varietät und Komplexität kostengünstig zu begegnen.

Als bedeutendes Mittel hierzu gelten die verschiedenen Formen der Modularisierung. Sie bilden ein umfassendes Konzept, das weit über die Gestaltung eines optimalen Baukastens hinausgeht und vor allem auf Prozeßebene neue Potentiale verwirklicht. Die Automobilindustrie hat bei der Einführung dieser neuen modularen Prinzipien in vielerlei Hinsicht ein Vorreiterrolle übernommen. Die Ausführungen bleiben aber nicht auf diese Branche begrenzt, sondern können auf viele weitere Unternehmen übertragen werden.

Das vorliegende Buch zeigt, welche Ursachen zu einer stetig steigenden Komplexität in der Automobilindustrie führen, welche Potentiale die Modularisierung bietet, diese Komplexität zu reduzieren bzw. besser zu beherrschen, wie diese Potentiale in Entwicklung, Beschaffung und Fertigung umgesetzt werden können.

Es richtet sich an Führungskräfte in Industrieunternehmen und Beratungsgesellschaften sowie Dozenten und Studierende der Betriebswirtschaft und Ingenieurwissenschaften, insbesondere mit den Schwerpunkten Produktionswirtschaft, Industriebetriebslehre, Forschung- und Entwicklung sowie Fahrzeugtechnik.

Die Autoren sind Mitarbeiter am Lehrstuhl für Industriebetriebslehre der Universität Würzburg.

Die Forschungsinteressen von Daniela Waringer Daniela Waringer liegen auf den Gebieten Produktionswirtschaft, Marketing und Logistik. In einem Forschungsprojekt setzte sie sich intensiv mit den Prinzipien der Modularisierung in der Automobilindustrie auseinander. Die Ergebnisse des Projekts dokumentiert das vorliegende Buch.

Frank Thomas Piller forscht seit mehreren Jahren intensiv an der Schnittstelle zwischen Produktion, Marketing und Electronic Commerce. Sein Schwerpunkt ist die Kundenindividuelle Massenproduktion oder Mass Customization, deren wesentliches Grundprinzip die Modularisierung darstellt. Er ist Autor / Herausgeber mehrerer Fachbücher sowie vieler Artikel zum Thema und berät Firmen beim Aufbau dauerhafter Kundenbeziehungen auf der Basis individueller Produkte und Leistungen.

Auszug aus dem ersten Kapitel:

Angesichts veränderter Wettbewerbsbedingungen, denen die Automobilindustrie gegenübersteht, gewinnen neue Strategien auf der Produkt- und der Prozeßebene an Bedeutung. Ohne an dieser Stelle eine detaillierte Situationsbeschreibung der Rahmenbedingungen der internationalen Automobilindustrie darzustellen, lassen sich als wesentliche Faktoren folgende Punkte nennen (siehe hierzu auch die Kennzahlen zur Automobilindustrie im Anhang): Abnehmerseitig stagniert heute einerseits die Nachfrage nach Neuwagen. Andererseits nimmt bei den Kunden der Wunsch nach immer individuelleren Fahrzeugen immer mehr zu. Es kommt zu einer Ausdifferenzierung der Nachfragestruktur immer mehr zu, womit die Nachfrage nach Nischenprodukten wächst. Herstellerseitig nehmen die Überkapazitäten immer mehr zu. Nach Expertenschätzungen türmen sich weltweit Überkapazitäten auf 15 bis 20 Millionen Einheiten auf. Die weltweite Fertigungskapazität von derzeit 65 Millionen Einheiten dürfte bis zum Jahr 2001 auf 77 Millionen Einheiten steigen. Hinzu kommen abnehmender optimale Betriebsgrößen und der Zwang zu immer kürzeren Entwicklungszeiten.

Für die Fahrzeugindustrie hat dies in zweierlei Hinsicht Konsequenzen. Erstens zwingt die notwendige Differenzierung gegenüber der Konkurrenz und die steigende Individualisierung der Nachfrage zu einem kundenspezifischen Leistungsangebot, so daß Nischenfahrzeuge mittlerweile jede Zielgruppe abdecken. Zusammen mit den auszuwählenden Ausstattungsmöglichkeiten führt dies zu einer hohen Variantenvielfalt, die es zu beherrschen gilt. Zweitens entsteht aufgrund des intensiven Wettbewerbs unter den Fahrzeugherstellern ein hoher Preis-, Kosten- und Zeitdruck. Ergebnis dieser veränderten Rahmenbedingungen ist in vielen Fällen ein hoher Komplexitätsgrad, der sowohl auf interne als auch auf externe, durch den Markt verursachte Faktoren zurückzuführen ist. Klassische Organisationsstrukturen weisen jedoch Defizite im Umgang mit dieser zunehmenden Komplexität auf.

Nachdem jahrelang gerade die deutsche Automobilindustrie ihren Kunden die Auswahl aus einer großen Zahl verschiedener Ausstattungsoptionen geboten hat (natürlich auch, um über die Sonderausstattungen kräftig mitzuverdienen), werden nun immer mehr Sondermodelle aufgelegt, die ohne Bestellung „auf Verdacht" in einer größeren Zahl in einer bestimmten Ausstattung vorgefertigt und meist mit einem Preisvorteil gegenüber den Listenpreisen angeboten werden. Hier zeigt sich schon ein deutlicher Hinweis, daß das klassische flexible, variantenreiche Fertigungsverfahren der Branche Probleme aufweist: Der hohe Wettbewerbs- und Kostendruck führt dazu, daß die Kunden nicht bereit sind, beliebige Aufpreise für bestimmte Optionen zu zahlen. Auch wollen sie nicht mehr immer länger auf ihr neues Auto warten – Lieferzeiten von mehreren Monaten (oder gar Jahren) werden immer weniger akzeptiert.

Auf einem Markt, auf dem Entwicklungszeiten, Flexibilität und Variantenvielfalt eine wichtige Rolle spielen und ein zu hoher Komplexitätsgrad im Unternehmen eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit darstellt, wird das Konzept der Modularisierung von Produkten und Prozessen als Möglichkeit gesehen, diesen Problemen zu begegnen. Aus diesem Grund erfolgt die Konstruktion von Fahrzeugen verstärkt unter dem Aspekt eines modularen Aufbaus. Unter einem Fahrzeugmodul wird dabei eine abgrenzbare und einbaufertige Einheit verstanden, deren Bausteine physisch miteinander verbunden sind. Auch Organisationsstrukturen werden verstärkt modular gestaltet. Hierunter werden kleine, überschaubare Einheiten verstanden, die die Verantwortung über komplette (Teil-) Prozesse übernehmen und sich insbesondere durch eine dezentrale Entscheidungskompetenz auszeichnen.

Das Ziel dieses Buches ist es, das Konzept der Modularisierung sowohl auf Produkt- als auch auf Prozeßebene darzustellen und seine Potentiale und Eignung hinsichtlich der Reduktion bzw. Beherrschung der Komplexität aufzuzeigen. Modularisierung kann als umfassenden Konzept gesehen werden, das weit über die bloße Gestaltung eines optimalen Baukastens hinausgeht. Gerade auch eine Modularisierung der Prozesse kann viele Potentiale verwirklichen, wie im Verlauf der Ausführungen noch gezeigt werden wird. Die Automobilindustrie hat bei der Einführung dieser neuen modularen Prinzipien in vielerlei Hinsicht ein Vorreiterrolle übernommen, die dieses Buch vorstellen will. Die Ausführungen bleiben aber nicht auf diese Branche begrenzt, sondern können auf viele weitere Unternehmen übertragen werden.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Im zweiten Kapitel wird das Problem der steigenden Komplexität allgemein und im besonderen mit Bezug zur Fahrzeugindustrie dargestellt. Weiterhin erfolgt eine Übersicht über mögliche Maßnahmen zum Umgang mit dem Komplexitätsproblem im Rahmen des Komplexitätsmanagements, die den Rahmen für die folgenden Untersuchungen steckt. Im dritten Kapitel werden das Konzept der Modularisierung, seine Grundlagen und die Abgrenzungsmöglichkeiten erläutert.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich daran anknüpfend mit der Umsetzung der Modularisierung auf Produkt- und Prozeßebene in der Automobilindustrie. Die Schwerpunkte liegen hierbei auf den Bereichen Entwicklung, Beschaffung und Fertigung, da Modularisierungskonzepte in der Fahrzeugindustrie im wesentlichen dort umgesetzt werden. Dargestellt werden Ansätze der Modularisierung auf der Produktebene, auf der Ebene der Arbeitsorganisation in Form des Einsatzes funktionsübergreifender Entwicklungsteams und auf der Prozeßebene in Form der modularen Gestaltung der Fertigung. Im Rahmen der Modularisierung in der Beschaffung wird auf das Konzept des Modular Sourcing eingegangen. Weiterhin werden die damit verbundenen Potentiale und die Anforderungen erläutert, die an solche Fahrzeughersteller und Zulieferer gestellt werden, die im Rahmen einer externen Modulbeschaffung eine Wertschöpfungspartnerschaft eingehen wollen. Außerdem werden verschiedene neuere Formen der Zusammenarbeit zwischen OEMs und Zulieferern vorgestellt. Das fünfte Kapitel faßt die zentralen Aussagen noch einmal zusammen.


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