Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dem Kapitalismus ist die selbstzerstörende Mechanik immanent, 16. November 2009
"Kann der Kapitalismus weiterleben? Nein, meines Erachtens nicht".
Klare Worte aus dem Mund des österreichisch-amerikanischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter.
Wenn ein Wirtschaftswissenschaftler den Untergang des kapitalistischen Systems prophezeit, dann dürfte das allgemeines Interesse erregen. Und in der Tat, dass passierte auch mit "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie", als es im Jahre 1942 auf dem Markt erschien.
Schumpeters Analysen brachten ihn zu dem Ergebnis, dass der Kapitalismus eines Tages an sich selbst zugrund gehen würde. Dabei war es für Schumpeter irrelevant, welches System er bzw. die Gesellschaft als besser empfinden würde. Irrelevant deshalb, weil der Untergang nicht durch eine äußere Macht - bspw. in Form einer Revolution wie bei Marx geschildert - an den Kapitalismus herantritt und man dieser Macht so hätte begegnen können. Nein, irrelevant desshalb, weil der Kapitalismus diese selbstzerstörende Tendenzen in sich trage. Ein Untergang sei damit unausweichlich. Dabei handelt es sich weniger um eine Zerstörung, als viel mehr um eine Weiterentwicklung, die in den Sozialismus münde.
Dabei ist Schumpeter kein Kapitalismuskritiker. Er lobt die Errungenschaften des Kapitalismus. Genannt sei ganz generell die Erhöhung des Lebensstandards. Schumpeter ist jedoch der Meinung, dass der Kapitalismus auf Grund seiner immanenten Struktur nicht in der Lage sei, diese Leistungen zu wiederholen.
Ob Schumpeter nun rund 60 Jahre nach dem Erscheinen des Buches Recht behält, bleibt fraglich. Der Kapitalismus ist nach wie vor präsent, wenn er auch momentan in seinen Grundfesten erschüttert und einer moralischen Beschauung unterzogen wird. Dennoch sind viele von Schumpeters prophezeiten Entwicklungen eingetreten. Die steigende Macht und die Anzahl der großen Konzerne, wie die Tatsache, dass der eigentliche Unternehmer wie wir ihn von früher kannten, abgelöst wurde von bezahlten Managern, die in erster Instanz ihre Eigeninteressen maximieren, seinen hier nur exemplarische Beispiele.
Weiterhin zeigt uns das Buch von Schumpeter, dass Sozialismus nicht gleich Sozialismus ist. Teilweise geht Schumpeter mit den Vorstellungen von Marx konform, teilweise korrigiert und kritisiert er dessen Theorien, um eine eigene Vorstellung eines Systems zu präsentieren, was nach heutiger Auffassung Sozialismus genannt wird.
Dieses Buch zeigt eine gekonnt und sprachlich sehr schön umgesetzte Analyse des Wirtschaftssystems, die auch ohne große ökonomische Vorbildung verständlich und damit von nahezu von jederman rezipierbar ist. Selbstverständlich ist diese Analyse nicht so tiefgreifend wie dies in wirtschaftswissenschaftlichen Büchern einer bestimmten Spezialisierung geschieht. Das würde auch den Umfang sprengen. Eine so tiefgreifende Analyse benötigt Schumpeter aber auch nicht. Die zerstörerischen Tendenzen finden sich auf einer viel oberflächlicheren Ebene.
Kurz und knapp: Ein äußerst interessantes Buch, gerade in Zeiten, in denen der Kapitalismus auf dem Prüfstand zu stehen scheint.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verblüffende Kehrtwendung, 9. August 2009
Schumpeters Stil kommt für heutige Wirtschaftswissenschaftler-Ohren etwas altertümlich daher und wer sich nicht speziell für ''Die Marxsche Lehre'' interessiert, sollte Schumpeters Rat im Vorwort beherzigen und Kapitel 1 bis 4 überspringen.
Danach stellt Schumpeter sehr wohlwollend die Errungenschaften des Kapitalismus dar, der trotz immer wiederkehrender Krisen eine ungeheure Steigerung des Wohlstands der Massen ermöglichte. Gerade die Armen haben vom Kapitalismus profitiert. Ein feudaler Aristokrat, der genug Geld hatte um Diener und Kerzenleuter zu bezahlen, wird das dank Kapitalismus allgemein verfügbar gewordene elektrische Licht weitaus weniger schätzen als ein Arbeiter. Dem ''Prozess der schöpferischen Zerrstörung'' folgend, sorgen im Kapitalismus wagemutige Unternehmer, ohne etwas anderes anzustreben als ihrem Profit, dafür, dass veraltete Produktionsmethoden, Produkte und Organisationsformen durch neue ersetzt werden. In einer zunächst verblüffenden argumentativen Kehrtwendung kommt jedoch Schumpeter zu dem Schluss, dass sich dieser Prozess irgendwann totlaufen wird. Deshalb verliert der Kapitalismus gewissermaßen seine Daseinsberechtigung und wird dann durch Sozialismus ersetzt.
Im Laufe der kapitalistischen Entwicklung werden nur wenige Großunternehmen übrig bleiben, die die Märkte monopolisieren. Das ist auch gut so weil gerade dadurch die Kostenvorteile durch Massenproduktion am wirkungsvollsten genutzt werden. Dem Modell der vollständigen Konkurrenz entsprach der Kapitalismus, so Schumpeter, ohnehin nie. Diese Großunternehmen werden nicht dem ''bourgoisen'' Ideal einer vom Eigentümer geführten Unternehmung entsprechen, sondern bürokratisierte Aktiengesellschaften sein, deren Chefs im Angestelltenverhältnis stehen und das Geld anderer Leute verwalten. Profitträchtige Investitionsgelegenheiten schwinden, technischer Fortschritt wird planbar und nur noch in bürokratisierten Entwicklungsabteilung der Monopolunternehmen stattfinden. Der Kapitalismus wird schließlich ohne viel Federlesen durch eine sozialistische Planwirtschaft ersetzt, die frei von krisenhaften Konjunkturschwankungen und Depressionen ist.
Im letzten Teil entwickelt Schumpeter ''eine andere Theorie der Demokratie'' die er der ''klassischen Lehre der Demokratie'' gegenüberstellt. Diese ''andere Theorie der Demokratie'' gab vielleicht den entscheidenden Anstoß für das was heute ''Neue Politische Ökonomie'' genannt wird. Ich fand diesen Abschnitt neben dem über den ''Prozess der schöpferischen Zerrstörung'' den interessantesten Teil des Buchs.
Demokratischen Sozialismus hält Schumpeter, zwar grundsätzlich für möglich, jedoch nur unter sehr einschränkenden Bedingungen, sodass er eher zu pessimistischen Voraussagen kommt. Im 1942 verfassten Nachwort äußert er die Vermutung, dass durch die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen die Fahrt zum Sozialismus überall, auch in den USA, rasant beschleunigt wird. Diese sozialistische Zivilisation wird aber nicht so aussehen wovon orthodoxe Sozialisten träumen, sondern sehr viel wahrscheinlicher faschistische Züge zeigen.
Nachdem ich mich an die schumpetersche Rhetorik gewöhnt hatte fand ich in dem Buch viele interessante Ideen. Es ist auch kein ''Ideen - Sammelsurium''. Die einzelnen Teile passen gut zusammen. Wie wir heute wissen, haben sich die Dinge in entscheidenden Punkten - wohl eher zum Glück - nicht so entwickelt, wie es Schumpeter vorhergesehen hat. Trotzdem ist seine Analyse in sich stimmig.
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20 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sozialismustheorie jenseits von Marx, 17. November 2004
Joseph Alois Schumpeter überraschte die Leser in seinem Spätwerk mit einer gewagten These. Der Ökonom, der in seinen früheren Arbeiten den Unternehmer und den Kapitalismus über alles gelobt hatte, kam plötzlich zu einem völlig entgegengesetzten Schluss: 80 Jahre nach Karl Marx stimmte er mit diesem darin überein, dass der Kapitalismus absterben und der Sozialismus aus ihm hervorgehen werde. Grund dafür sei aber keine sozialistische Revolution. In Schumpeters Theorie soll der Sozialismus sein Erstarken sozusagen einem "schlappen Kapitalismus" verdanken, der an seinen eigenen Leistungen zu Grunde gehen werde. Innovationen, die Wachstumsimpulse der Wirtschaft, würden im Kapitalismus immer weiter von der unternehmerischen Initiative weg verlagert. Der Kapitalismus würde zusehends in bürokratische Strukturen gedrängt, was ihn schließlich krepieren ließe. Vorsorglich diskreditiert Schumpeter auch noch die Demokratie als Veranstaltung des Wählerstimmenfangs zum Zweck des Machterhalts der Berufspolitiker. Auch wenn das Buch aus heutiger Sicht streckenweise veraltet erscheint, gehört es zu den bekanntesten Werken der Ökonomie, nicht zuletzt wegen der berühmten Formulierung der "schöpferischen Zerstörung", die heute jeder Wirtschaftsführer in den Mund nimmt, wenn es schmerzliche Anpassungsprozesse in der Wirtschaft zu legitimieren gilt.
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