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Sammelwunder, Sammelwahn. Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft
 
 

Sammelwunder, Sammelwahn. Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft (Gebundene Ausgabe)

von Philipp Blom (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Eichborn (2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821845376
  • ISBN-13: 978-3821845371
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 13 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 759.183 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Im Kosmos der Kuriositäten Philipp Blom reist durch die Wunderwelt der Sammler Das Land der Wunder wird immer kleiner, das Reich der Erkenntnis immer grösser – ein unaufhaltsamer Prozess, der sich seit Menschengedenken vollzieht. Doch ebenso wenig, wie im Wettrennen des griechischen Philosophen Zeno von Elea der Hase jemals die Schildkröte erreichen kann, werden die Jäger der Erkenntnis jemals die Hüter der Wunder hinter sich lassen können. Denn wenn Erstere den Platz des Wunders erreicht haben, um ihn einzunehmen und sich an die Spitze des Fortschritts zu setzen, werden die Hüter der Wunder bereits weitergezogen sein und neues Terrain besetzt haben. Die Eroberung des Wunderlandes wird somit nie vollkommen sein. Zu den Hütern der Wunder zählen die Sammler, die ihrerseits selber mehr oder weniger wunderlich sind. So wie etwa jener Student, der Kataloge von Herstellern sammelt, die in den vierziger Jahren Maschinen zur Herstellung von Bowlingbahnen gebaut haben. Jeder Sammler strebt nach Einzigartigkeit seiner Sammlung, und unter den Akkumulationsbesessenen der jüngeren Zeit ist der Bowlingbahnenmaschinenherstellerkatalogsammler sicherlich eine der ausgefallensten Figuren. Welche Exzentriker und Genies der Anhäufung die vergangenen Jahrhunderte hervorgebracht haben und was die Nachwelt ihrer Obsession zu verdanken hat, davon erzählt der Autor Philipp Blom in seinem, nun, einfach wunderbaren Buch über die Kulturgeschichte des Sammelns. Passenderweise ist es in der «Anderen Bibliothek» des Eichborn-Verlages erschienen, jener Buchreihe nummerierter Ausgaben, die das Herz jedes Bibliophilen höher schlagen lassen und selber zu begehrten Sammelobjekten geworden sind. Ordnung suchen Die historischen Figuren, welche Bloms Buch bevölkern, liebten die Kuriositätenkabinette. Blom interessiert sich weniger für die gekrönten Häupter, die sich seit je mit Kostbarkeiten als Insignien ihrer Macht umgaben. Bis zum Ende des 16.Jahrhunderts war das Sammeln eine Domäne der (Kirchen-)Fürsten; Bloms Geschichte setzt zu jenem Zeitpunkt ein, da das Sammeln auch Privatleute ergriff. Wurde ehedem nur gesammelt, was schön und wertvoll war, so galt der Renaissance plötzlich alles als begehrenswert, was seltsam und unverständlich, eben wunderlich war. Der Wissensdurst war enorm, und ebenso gross war der Drang, die zunehmend unübersichtliche Welt nach neuen Ordnungsprinzipien zu gestalten: Sammeln als Therapie gegen die Angst vor dem Chaos. «Dinge, die den Alten unbekannt waren – diese Idee hallte durch Europa», so Blom, und speiste sich insbesondere aus Sachen, die mit Schiffen von weit her kamen, neben exotischen (Kunst-)Gegenständen aller Art vor allem Naturalien, denen oftmals magische Eigenschaften zugeschrieben wurden. Eine seltene Eidechse wurde zu einem Drachen, das gedrehte Horn eines Narwals zu dem eines Einhorns. «Alles, was seltsam ist» hiess der englische Sammler John Tradescant 1625 in einem Brief die britische Handelsflotte für ihn zusammentragen. Er scheute auch selber kein Abenteuer, um an seltene Objekte zu gelangen. So ging er etwa einmal an Bord eines Schiffes, das algerische Piraten aufbringen sollte, nur um auf diesem Wege nach Algerien zu gelangen. Dort, so hatte er gehört, sei eine besondere Aprikosenart beheimatet, die er seinem mit exotischen Pflanzen bestückten Garten einverleiben wollte, welcher in ganz Europa als «Tradescants Arche» Berühmtheit erlangte. Das zunächst wahllose Anhäufen von Sonderlichem wich zunehmend einer empirischen Systematik. Die Kirche erkannte in den Sammlungen die Triebwerke der fortschreitenden Säkularisierung. Im 17. Jahrhundert entstanden Anatomiesammlungen, welche die Medizin revolutionierten; Sektionen wurden öffentlich vorgenommen, etwa in dem eigens zu diesem Zwecke eingerichteten Theatrum anatomicum der Universität Leiden. Die Faszination ging so weit, dass der Wissenschafter Frederik Ruysch (1638–1731) gar Kunstwerke aus präparierten menschlichen Organen schuf; er dürfte dem umstrittenen «Plastinator» Gunther von Hagens, Initiator der «Körperwelten»-Ausstellung, eine Inspirationsquelle gewesen sein. Eine bizarre Episode der Sammelhistorie stellt auch die Geschichte des «edlen Wilden» Angelo Soliman dar, der eine Attraktion im Wien des 18. Jahrhunderts war – über seinen Tod hinaus, weswegen seine Leiche präpariert und ausgestellt wurde. Blom beschreibt, wie mit dem Entstehen der modernen Nationalstaaten ehemals private Sammlungen öffentlich wurden, als die grossen Nationalmuseen aus ihnen hervorgingen: die Kollektion von Hans Sloane etwa bildete nach dessen Tod den Grundstock für das British Museum, während der Bestand des Louvre auf die Sammeltätigkeit von Dominique Vivant Denon zurückgeht, der von Napoleon zum Direktor der ersten Französischen Nationalsammlung berufen wurde. Napoleons präpariertes Gemächt fand sich übrigens nach seinem Tod in einer der bizarrsten Reliquiensammlungen wieder. Das Unordentliche finden Im 19. Jahrhundert entdeckten Kunsthändler in den neureichen Industriebaronen Amerikas potente Kunden; J. Pierpont Morgan und William Randolph Hearst etwa schafften alles an, dessen sie habhaft werden konnten, solange es nur möglichst alt und kostbar war, und schufen so die wohl eklektischsten Sammlungen der Welt, die manchen als «typisch amerikanische» Stil- und Geschichtslosigkeit galten. Die Einführung der Massenproduktion schliesslich demokratisierte das Sammeln vollends: Dinge wurden in Serie gefertigt, und eine komplette solche zu besitzen, wurde zum Sammelehrgeiz Normalsterblicher. Sie konnten sich erfüllen, was zuvor unmöglich gewesen war: eine vollständige Sammlung zu schaffen. Andere Sammler von Serienprodukten wiederum fahnden gerade nach jenen raren Exemplaren, die einzigartige Makel aufweisen. Kein Buch über Sammler wäre freilich komplett ohne ein Kapitel über eine besonders radikale Spezies: die Papyromanen oder auch Büchernarren. Ihre Leidenschaft ist für die vielleicht extremsten Exzesse verantwortlich – bis hin zu Mord. Ein fanatischer Sammler liess unter notarieller Aufsicht ein überaus wertvolles Buch vernichten, das sich als überraschend aufgefundenes zweites Exemplar eines solchen erwiesen hatte, das er bereits sein eigen nannte. Um weiterhin ein Unikat zu besitzen, ersteigerte er für viel Geld das Zweitexemplar, um es hernach aus der Welt zu schaffen. Der Historiker und Philosoph Blom, geboren 1970, beweist mit seinem klugen und humorvollen Buch nicht nur eine umfassende Gelehrtheit, sondern auch einen Sinn für das Abseitige und Schrullige, der seinem Gegenstand bestens gerecht wird. Eine Kapitelüberschrift lautet etwa: «Warum man Menschen nicht kochen darf». Blom ist ein Sammler von Anekdoten, der diese lebendig weiterzuerzählen vermag. Keine Bibliothek wäre auch nur annähernd komplett ohne dieses aufwendig gestaltete Buch. Aber Sammler sollten sich beeilen: die Auflage ist limitiert.


Kurzbeschreibung

"Das wichtigste Stück einer Sammlung ist das, was ihr noch fehlt." Warum häufen Menschen so viele Dinge auf, die sie nicht brauchen? Millionen von Sammlern geben sich einer Passion hin, die wahnhafte Züge annehmen und doch so hinreißende Triumphe feiern kann. Vielleicht handelt es sich um den heroischen Versuch, Ordnung - irgendeine Ordnung - in das Chaos der Erscheinungen zu bringen? Von den Wunderkammern und Kunstschränken der Renaissance bis zur Geburt des Museums und zum klassifikatorischen Raptus der neuzeitlichen Wissenschaft verfolgt der Autor die Geschichte dieser Obsession, die in der Demokratie die Massen ergriffen hat. Es gibt kein noch so phantastisches Objekt, das nicht die Begierde eines Sammlers erregt hätte. So sind Drachen und Kinderleichen, Schmetterlinge und Nägel vom Heiligen Kreuz ebenso gehortet worden wie unbezahlbare Gemälde und billige Plastikbecher. Philipp Blom trägt seine immense Gelehrsamkeit leicht. Sein Buch ist tiefsinnig und unterhaltsam zugleich: eine Porträtgalerie, eine europäische Kulturgeschichte in nuce, ein Kabinett des Spleens und eine Erzählung von der Sammlernatur des Menschen.


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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein prallgefülltes Kompendium über die Sammelleidenschaft, 14. März 2004
Von Der Buch-Vorleser "André Hanke" (Sachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Ein gar prächtig anzuschauendes Buch hält man mit dem lehr- und anekdotenreichen Band der Anderen Bibliothek des Eichborn Verlages „Sammelwunder, Sammelwahn" von Philipp Blom in der Hand. Neugierig und voll der gebotenen Achtung macht sich Blom an bekannte und unbekannte Sammler von Format heran, die es schon immer gab und die vor den abstrusesten Objekten nicht zurückschreckten, wenn es galt, das eigene Kuriositätenkabinett zu erweitern. Blom ist bei öffentlichen Schausezierungen ebenso dabei, wie beim mißlungenen ersten Europa-Auftritt von Peter dem Großen, begleitet ein Stück der napoleonischen Ära und besucht den k.u.k. Hof in Wien. Blom gelingt es meisterhaft, Szenen aus der Geschichte der Leidenschaft des Sammelns darzustellen und er umschmeichelt den wißbegierigen Leser obendrein immer auch mit seinem unterhaltsamen Stil. Herausgekommen ist ein üppig bebildertes populärwissenschaftliches Panoptikum, das nicht nur Bücherwürmer ihrer eigenen Sammlung einverleiben sollten.
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