Aus der Amazon.de-Redaktion
Ein Lexikon ist bekanntlich ein Buch, das inhaltlich nach dem Schema A bis Z aufgebaut, dennoch nie von A bis Z gelesen wird. Vielmehr blättert der Benutzer immer wieder einzelne Passagen nach. In diesem Sinne ist das
Lexikon der Städtebeschimpfungen ein waschechtes Nachschlagewerk. Doch so bösartig amüsant und erfrischend destruktiv die jeweiligen Demütigungen berühmter Persönlichkeiten auch sein mögen, spätestens nach ein paar Buchstaben bedarf es einer Lesepause. Einen Unterschied zu klassischen Lexika gibt es auch: Die unkonventionelle Zitatensammlung eignet sich trefflich für gesellige Runden, wo zur allgemeinen Erheiterung die jeweiligen Heimat- oder derzeitigen Wohnstädte ordentlich ihr Fett abbekommen.
Von Aachen bis Zürich ist fast alles dabei. Die Chancen, dass die eigene Stadt nicht aufgelistet ist und einem somit Häme erspart bleibt, sind gering. Schließlich finden sich hier selbst Orte in der Größenordnung von Mayen oder Helmstedt. Hin und wieder stolpert man auch über außereuropäische Vertreter, wenngleich der Fokus auf Deutschland liegt. Da sich in diesem Buch über wirklich keinen Ort charmante Zeilen finden, können Sie sich damit trösten, dass über traditionelle Stadtrivalen noch Ärgeres geschrieben steht. Nürnberger werden also schnell bei Erlangen, der "Stadt der freundlichen Langeweile", nachsehen, Bremer bei Hamburg, dem "irdischen Paradies der Regenschirmhändler" oder Bewohner des Ruhrgebiets bei Düsseldorf, "dieser butzenscheibenverklebten Pestbeule".
Herausgeber Walter Krämer bittet übrigens schon im Vorwort um Verständnis: "Hier geht es nicht um Gerechtigkeit. Solche Schilderungen interessieren nicht wegen des beschriebenen Objekts, sie interessieren vor allem als Zeugnis einer Auseinandersetzung des Beschreibers mit dem, was er beschreibt." Wer also eher an den Städten selbst, als an den Empfindungen von Reisenden interessiert ist, wird demzufolge Minuspunkte verteilen -- noch dazu, da die meisten Stadt-Schmäher im 18., 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lebten und somit über gänzlich "andere Umstände" urteilten. Zwar verweisen Zitate von Harald Schmidt oder allgemein gehaltene Sprüche mit dem Hinweis "Aus dem Internet" auch auf aktuelle Kritiker. Insgesamt wünscht man sich dennoch weit mehr boshafte Lästermäuler der Jetzt-Zeit. --Christian Haas
Kurzbeschreibung
Eine Fundgrube lästerhafter Beschreibungen, boshafter Berichte und traumatischer Erinnerungen an grausame Städte und öde Orte. Erfrischend menschlich zeigen Dichter, Reisende und Medienstars ihre bösen Seiten Lästerzungen in Fahrt!
»Ekelhafte Stadt!«, »Zentrum der Versautheit!«, »Krähwinkel!« und »Eingeweideschlauch!« so beschimpfen Dichter, Politiker und andere Prominenz die Hauptstadt Berlin. Wohl jede Stadt ruft die widersprüchlichsten Gefühle hervor, die von wahrer Anbetung bis hin zu wüsten Schmähungen reichen. In diesem Lexikon der Städteverrisse sind es die harten Urteile und spitzen Bemerkungen, die Walter und Eva Krämer gesammelt haben. Hier geht es nicht um Gerechtigkeit!
Von kurzen Verrissen bis hin zu ausgedehnten Ergüssen über das Häßliche und Schlechte erfahren Sie, was Sie gewiß nicht über Ihre Lieblingsstädte wissen wollten. Und Sie werden Zeuge, wie Goethe und Kleist, Voltaire und Mozart, Bert Brecht und Harald Schmidt so manches »ungehobelte Drecknest!« (Bad Homburg) als »Verkehrshindernis!« (Bonn), »Alptraum!« (Nürnberg) und »stadtgewordener Rudolf Scharping!« (Heilbronn) so schnell wie möglich hinter sich ließen.
Mit Porträts der größten Lästerzungen!