Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Millionäre aus Pappmaché, 20. August 2007
Geld ist der Bumerang unseres Lebens meint der französische Autor Tanguy Viel und verwebt einen Schleier aus Sätzen virtuos zu Bildern, zu Dimensionen und Farben in seinem Deutschlanddebüt "Unverdächtig". Er erzählt dem Leser das "blinde Schicksal" von vier unglücklich miteinander "verwachsenen" Personen.
Züge eines Kriminalromans fließen in das erstmals auf Deutsch erschiene Buch des bemerkenswerten Franzosen ein.
Tanguy Viel hat einen ganz eigenen, ungewöhnlichen, aber wunderbaren Ton: sein Stil ist ausgefeilt, alle Personen zeichnen sich durch - zum Teil charmante - Unvollkommenheit aus, seine Sprache ist äußerst assoziationsstark. Die Sätze sind verschachtelt und oft ungrammatikalisch, aber entwickeln eine ungeheure Sogwirkung, einhergehend mit Tiefe und Prägnanz.
Dies ist auch der großartigen Übersetzung Hinrich Schmidt-Henkels zu verdanken, der mit "sichtlichem Vergnügen" einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Qualität dieses Werkes genommen hat.
Angelegt ist die Erzählung in Form des Zwiesprache haltenden Ich-Erzählers Sam: eine Art kommentierte Inhaltsangabe vergangener Geschehnisse.
Die (nur) vier Agierenden dieses Romans, in ihren Grundzügen skizziert und ohne ausschweifende Erläuterungen, werden durch ihr ausgeprägtes Verhalten vortrefflich charakterisiert.
Tanguy Viel fokussiert eine Aura des Ungesagten, des Magischen, ja fast Metaphysischen, ähnlich einem Alfred-Hitchcock-Krimi. Er transformiert die Gedanken und Gefühle der vier Protagonisten linear in den Kopf des Lesers.
Räumlichkeiten gewinnen - obwohl sie geradezu sparsam beschrieben werden -an Tiefe, an Plastizität, um plötzlich eine Dreidimensionalität anzunehmen.
Doch trotz dieser Verknappung und VerDichtung erzeugt der Autor immer wieder Überraschungsmomente, wenn er von einer trügerischen, luftigleicht schwebenden Idylle im nächsten Moment "schreiende Leuchtfeuer, unsichtbare Sirenen" mit Worten auftauchen und diese dann wie Luft rundherum kreisen lässt.
Aus einem langsamen Strudel aus beinahe ungeschickt beendeten, merkwürdig ausstaffierten Sätzen entfaltet sich ein "unendlicher Parcours aus Bildern, Gedanken und Rastlosigkeiten, die alle miteinander einen zusammenhängenden Bericht ergeben."
Wohltuend und treffend auch die Covergestaltung von Julie August, die dieses trügerische Bild brillant wiederzugeben weiß.
Fazit:
"Unverdächtig" ist gleichzeitig Liebesroman und spannende Kriminalgeschichte mit unerwarteten Wendungen: eine zum Teil witzige, sarkastische "Quadratur des Kreises".
Das Buch ist ungeheuer eindringlich - es ist schlichtweg "formidabel".
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine virtuose Geschichte, 4. Januar 2009
Sam und Lise führen ihr tristes Leben an der französischen Atlantikküste. Er verbringt den Tag bei sinnfreien TV-Shows, sie arbeitet nachts als Animierdame eines Nachtclubs. Ihre Geldsorgen scheinen mit einem Mal vorbei, denn Lise entwickelt einen Plan. Der ältere und reiche Witwer Henri möchte sie heiraten. Sie willigt ein, Sam mutiert zu ihrem Bruder und zusammen inszenieren sie ihre eigene Entführung. Henri geht natürlich auf die Lösegeldforderung ein, doch bei der Geldübergabe geht etwas schief und der so sicher geglaubte Plan wendet sich auf eine unvorhergesehene Weise.
Der vermeintliche Bruder erzählt ihre Geschichte nach, richtet seine Worte an Lise, einer Lebensbeichte gleich. Dabei lässt Sam seinen Worten freien Lauf, seine Gefühle mischen sich mit dem Erlebten. Dieser Bewusstseinsstrom sprudelt die Geschichte nur so hervor, die Sätze gehen fließend ineinander über, der Erzähler kommt immer mehr in Fahrt. In einer selten gekannten Vitalität erzeugt Tanguy Viel so Bilder, die sich mit zunehmender Lesegeschwindigkeit zu einem bunten Kopfkino steigern. Ein wesentlicher Anteil an dem Lesevergnügen gebührt sicherlich dem preisgekrönten Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel. In manchen charakterlichen Ausarbeitungen bleibt einiges ungesagt, schafft es jedoch zusätzlichen Raum für eigene Interpretationen. Dennoch kommen einem die beiden Looser mit ihrem infamen Plan schnell näher, fast mag sich Sympathie unter das Mitleid mit den zum Scheitern verurteilten Tätern mischen.
Eine an sich einfache und tragische Geschichte, überaus virtuos und bunt in Szene gesetzt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Alles geht schief, 11. Mai 2008
Lise und Sam sind ein Liebespaar. Beide träumen vom großen Geld und schmieden einem großen Plan. Lise heiratet den reichen Henri um dann gemeinsam mit Sam ihre eigene Entführung zu inszenieren. Doch dann geht alles schief.
"Unverdächtig" ist ein Buch über große Träume und unüberwindbare Abgründe, über Verlässlichkeit, Hoffnung und Enttäuschung, Treue und Verrat.
Tanguy Viel schreibt in einer leichten, authentischen Sprache. Leider kann der Ezählstil nicht immer mit dem Tempo der Handlung mithalten. Dadurch entstehen mitunter Längen, die diesem ansonsten schönen Buch Abstriche einbringen.
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