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4.0 von 5 Sternen
Webforschung in Theorie und Praxis, 25. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Experimentalpsychologische Praktikum im Labor und WWW, m. CD-ROM (Taschenbuch)
Das Experimentalpsychologische Praktikum ist unter Psychologiestudierenden nicht immer beliebt, aber muss aufgrund der Prüfungsordnungen von jedem Studierenden durchlaufen werden. Was teilweise oder manchmal wie eine Tortur erscheint, kann durchaus Spaß machen. Die drei Autoren geben in Ihrem Herausgeber-Werk viele Anregungen zu (bereits inzwischen) beinahe klassischen Untersuchungen und haben einen erlesenen Forschungskreis zusammengestellt, der detailliert auf die einzelnen Experimente eingeht! Für einen vertiefenden Zugang werden nicht nur die wichtige zitierte Quellen angegeben und in Kurzfassungen dargestellt, sonder der interessierte Leser kann im Eigenversuch die dargestellten Versuche mit Hilfe der beiliegenden CD-ROM, auf der alle Versuchsprogramme zu finden sind, allein oder in Gesellschaft mit anderen am eigenen Leibe erfahren! So ist die oftmals geforderte Verknüpfung von Theorie und Praxis einfach umsetzbar.Besonders hervorzuheben ist der erste einführende Teil, indem wesentliche Grundlagen zur Umsetzung von Studien, Hypothesenbildung und Theorienprüfung dargelegt werden. Hierbei beziehen sich die Autoren nicht nur auf Bedingungen von Untersuchungen, die die Webtechnologie nutzen, sondern auch beim klassischen Experimentieren unabdingbar sind. Doch damit nicht genug, zeigen sie ebenso, wie Studienergebnisse anschaulich präsentiert werden sollten und was dabei zu beachten ist. Einen hoch interessanten Exkurs unternimmt Peter Sedlmeier, Professor für Forschungsmethodik und Evaluation (Uni Chemnitz), wenn er den geneigten Leser über den Nutzen vielfach durchgeführter Signifikanztestungen aufklärt und eher für die größere Berücksichtigung von Effektstärken plädiert. In den drei weiteren Kapiteln des ersten großen Hauptabschnittes (127 Seiten) zu den methodischen Grundlagen erstellen die Autoren eine sehr einleuchtende Taxonomie webgestützer Befragungen: Browserbasierte Experimente, Webbasierte Experimente und Polyzentrische Experimente. Damit heben sie in erfreulicherweise vom Usus der bisherigen Forschungsliteratur ab, die eher klassische und webbasierte Experimente unterscheidet. Leider wird das Kapitel von Dietmar Janetzko dem jüngeren Trend in der Onlineforschung nicht gerecht, indem er den Einsatz der OpenSource-Scriptsprache PHP und den Möglichkeiten einer datenbankgestützten Forschungstätigkeit mit MySQL keineswegs anspricht. Im zweiten, knapp 200 Seiten starken Teil werden 15 unterschiedliche Experimente vorgestellt, die vor allem in der sozialpsychologischen und allgemeinpsychologischen Forschungstätigkeit anzusiedeln sind. Vorgestellt werden z.B. Experimente zum Wahrscheinlichkeitslernen, zur Eindrucksbildung, zur Einstellungsmessung mit dem impliziten Assoziationstest (IAT), zum Hilfeverhalten, zu Prototypen, zum Overshadowing, zur Glaubwürdigkeit, zu Change Blindness und einigen weiteren Forschungsgebieten. Zu allen Experimenten erfolgen ausführliche Einführungen, die einen schnellen Einblick in den Forschungsgegenstand und die -methodik geben. Dem folgen Darstellungen der einzelnen Experimente. Leider wird diese nicht von allen Autoren in gleicher Weise fortgeführt: Einige Beiträge werden mit Befunden aus der eigenen Forschungstätigkeit komplettiert, andere Beiträge geben nur richtungsweisend an, welche Effekte zu erwarten sind. Dem Leser bleibt es also überlassen, die Theorien mit eigenen Ergebnissen zu prüfen. Für den Zweck des Buches ist dies durchaus angebracht - soll es doch die eigene Forschungstätigkeit anregen. Hierbei helfen zum einen die zur Vertiefung angegebenen und vielfach erläuterten Literaturangaben, aber zum zweiten auch der jeden Beitrag beendende Teil mit „Extensionen". Das Buch ist unserer Meinung nach sowohl für an der psychologischen Forschung Interessierte als auch für Studierende und Dozenten der Sozialwissenschaften geeignet. In der Lehre sollte es nicht nur als Anregung zur Durchführung von Experimentalpraktikas dienen, sondern kann ohne Probleme sofort in Form spannender Demonstrationspraktika verwendet werden!
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