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"Dasselbe aber ist Denken und des Gedankens Gegenstand." (Parmenides), 20. August 2008
Baruch de Spinoza (1632-1677) lebte im Einfluss von Hobbes, Descartes und Leibniz, wie von den alten Griechen. Gleichzeitig vom Zeitgeist des Barocks, in dem das Sprengen von Grenzen durch Fülle und Raumillusion immanent war. Descartes Dualismus von Leib und Seele spielte eine große Rolle im Denken Spinoza, seine Ambition war die Auflösung dieser Dualität zu Gunsten der Substanzlehre. Doch in der Reihe der Großen nimmt Spinoza eine besondere Stellung ein, hat doch seine besondere geistige Fähigkeit Konflikte mit Familie und Religion heraufbeschworen. Ausgestoßen aus der jüdischen Gemeinschaft Portugals verbrachte er sein Leben in Holland. Er tauschte nicht seine Gesinnung, nur den Ort, der ihm mehr Freiheit gab, sich seiner Wissenschaft (zusätzlich zum Linsen schleifen als Opticus) zu widmen. Seine Sicht auf die Religion brachte ihm die Bezeichnung Atheist ein, später wurde dieser Begriff mit Spinozist gleichgestellt. Doch das große Denken der Freiheit des Geistes im 18. Jahrhundert inspirierte Lessing, Herder, Goethe posthum aus Spinozas Ideen, Spinoza hatte gar Einfluss im nachkantischen Idealismus, von dort auf Nietzsche und Freud.
Spinozas Hauptwerk ist die hier besprochene "Ethik", aufgeteilt in fünf Büchern (I) Von Gott, (II) Von der Natur und dem Ursprunge des Geistes), (III) Von dem Ursprunge und der Natur der Effekte, (IV) Von der menschlichen Knechtschaft oder von der Macht der Affekte, (V) von der Macht de Erkenntnis oder von der menschlichen Freiheit. Die Bücher I und II gründen die Metaphysik, III die Psychologie der Affekte und IV, V die eigentliche Ethik. Metaphysik, Affekte und deren Kontrolle und die Ethik fordern die Befriedung der Vernunft durch steigende Einsicht in den Weltlauf.
"Deus sive natura" - Gott ist für Spinoza gleichbedeutend mit Natur und so beginnt sein Werk mit dem Titel "Von Gott" und definiert ihn als das "einzig Seiende", das wahrhaft von sich aus ist und von nichts abhängt. "Causa sui" - eine Substanz, die singulär ist, doch mit Attributen versehen alle Erscheinung der Natur und des Menschen in sich vereint. Spinoza überwindet so vordergründig den Dualismus Descartes und zeigt, dass die Seinsweisen des Bewusstseins (Geist) wie der Ausdehnung (Körper) in Beziehung gedacht werden können. Beide Formen sind bei ihm nicht Substanz (wahrhaftes Sein), sondern in Anlehnung an die modernen Wissenschaft nur gesetzmäßig wechselnde Attribute, die zu erkennen dem menschlichen Verstand obliegt Bis in den Begriff der "Affektionen" (Erscheinungen bei Galilei) folgt er der Naturwissenschaft, die nichts anderes tat, als den Seinsanspruch zu reduzieren zu Gunsten dessen Berechnung und Erklärung. Selbst sein Werk unterliegt dieser formelhaften Notwendigkeit, endliche Bestimmtheiten in der unendlichen Welt Gottes zu platzieren. "more geometrico" meint letztendlich eine Beweisführung im Sinne Euklids ELEMENTE aus dem Jahre 300 v. Chr. Spinozas Aufbau der Beweisführung schließt damit regelmäßig mit einem "quod erat demonstrandum" (w.z.b.w.) und ist ein in sich geschlossenes System mit Axiomen, Definitionen Grundsätzen, Lehrsätzen und Folgesätzen. Folglich beruhen die Beweisführungen auf selbst getroffene, im Werk bewiesene Annahmen.
Spinozas Lehre spiegelt die von Hobbes insofern, dass er glaubt, dass die Menschen die Dinge nach einer "ewigen Ordnung" selbst erzeugen, in dem sie sie in der Vorstellung gedanklich verknüpfen und zwar vorrangig die "festen und ewigen Dinge". Der Verstand folgt wie die Natur einer "wahren Idee" und ihr Bild ist in der Vorstellung so unverfälscht wie die Geometrie auf Seiten der Mathematik. So sieht Spinoza im Gegensatz zu Descartes die Affekte im Zusammenhang mit den Naturgesetzen.
Spinoza führt bereits aus, was hochmoderne Wissenschaft (Neurologie) gerade erst erforscht, nämlich das Freiheit nur in der Einbildung besteht, insofern, dass man glaubt, frei zu handeln, da die Handlungen im Bewusstsein (Denken) sind, die Ursachen, von denen die Handlungen bestimmt werden, jedoch unbekannt sind.
Über Wille, Begierde, Lust, Trauer und andere kommt er zur Aufzählung der Affekte, die dann in die Grundlehren münden. Gerade hier definiert er, Ethik sei nicht mehr als angewandte Psychologie. Wie zuvor schon propagiert, wird jede Teleologie abgelehnt. Gott und Natur sind nicht zweckorientiert im Handeln, sondern Gott handelt aus Notwendigkeit, damit niemals in Sünde oder unter Fehlern. Dieses vorausgesetzt, sagt, dass alle Begriffe zur Beurteilung menschlichen Geistes entspringen. Ein Urteil setzt zu vergleichendes voraus, damit ist es nicht einzig und in der Folge niemals rein positiv. Sich selbst im Ansatz widersprechend, verbleibt Spinoza jedoch bei den urteilenden Adjektiven gut und böse im Hinblick auf das Streben zur Vollkommenheit. Da niemand in der Natur erwarten kann, nichts Höheres über sich zu haben, gilt dieses auch für den Menschen, der - dieses so betrachtet - unter die "Knechtschaft" oder "Macht der Affekte" fällt und sich nur rettet, indem "Erkenntnis" zu einem stärkeren Affekt wird. Letztendlich strebt Spinoza zum Wesen des Menschen und dieses wieder nur nach der bekannten Methode unter der Ägide der Vernunft. Hiermit fällt Spinoza in die Denkmuster von Descartes: Vernünftig leben, heißt Intelligenz besitzen. Frei ist, der von der Vernunft geleitet ist und freier, wer in einem demokratischen von der Vernunft geführten Staate lebt. Spinoza endet mit dem Wunsche nach Glückseligkeit. Aus der Erkenntnis des Geistes allein wird sie entstehen. "Doch alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten".
Wichtiges Buch seiner Zeit und in der Ethik noch heute aktuell. Eine detaillierte Rezension finden Sie hier.
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