Aus der Amazon.de-Redaktion
Beyla liebt es, in Kellerwohnungen zu hausen. Sie muß nur die Treppe hinauf und einen Schritt aus der Tür und schon steht sie mitten auf der Kastanienallee. Auch von unten läßt sich das Geschehen auf der Straße gut überblicken. Wenn sie sich bis zur Luke unter der Decke ein bißchen streckt, kann sie den Mann genauer sehen, der da gerade mit Mühe sein kleines rotes Auto aus der Parklücke bringt. Aber warum sieht er denn die Frau nicht, die hinter seinem Auto erschrocken ausweicht und unter die Räder der Straßenbahn gerät?
So beginnt der zweite Roman Liebediener der Berliner Autorin Julia Franck. Ganz behutsam erfährt der Leser gleich zu Beginn von den drei Protagonisten dieser eigentümlichen Dreiecksgeschichte.
Die Tote auf den Gleisen entpuppt sich als Charlotte, die im selben Haus wohnt wie Beyla. Oft sah Beyla sie nachts mit einem unbekannten Paar Schuhe vor ihrem Kellerfenster stehen. Auch wenn sie sich vor ihrem Tod noch nicht gut kannten, so hätte sie doch eine Freundin von Beyla werden können. Hätte!
Jetzt bekommt Beyla Charlottes helle Wohnung im dritten Stock des Hauses. Aus dem Küchenfenster kann sie nun Albert beobachten, der entweder telefoniert oder Klavier spielt. Seine Stimme tönt schön und dunkel in ihrer Wohnung. Daß er der Besitzer des roten Autos ist, kann Beyla nur vermuten. Aber daß er ein Liebhaber Charlottes war, weiß sie sicher. Und dennoch verliebt sie sich in ihn.
Julia Franck erzählt auf hohem sprachlichem Niveau und mit einer bestechenden Lust an feinen Konstruktionen eine erotische Liebesgeschichte mit Leerstellen. Da ist die Abwesenheit von Charlotte, die nun nach ihrem Tod umso präsenter scheint. Da ist die rätselhafte Existenz von Albert, der nichts von sich preisgibt außer ein paar erfundener erotischer Geschichten. Erfundener? Und nicht zuletzt ist da Beyla, die über beide Ohren verliebt, mit ihren Verdächtigungen in einer Liebedienerei landet und nicht glücklich wird. All das zusammen ergibt eine gelungene Mixtur für ein schönes Buch um Liebe und Tod. --Jana Hensel
Kurzbeschreibung
Die Geschichte von Beyla, die blind vor Liebe nicht sieht, in welcher Liebedienerei sie landet. Ein lustvoller Roman um Tod und Liebe in Berlin.Als Beyla aus ihrer Berliner Kellerwohnung auf die Straße tritt, sieht sie ein rotes Auto starten. Und daneben ihre Nachbarin Charlotte, die vor Schreck einer Straßenbahn vor die Räder springt. Auf Charlottes Beerdigung glaubt Beyla, den Fahrer des roten Wagens wiederzuerkennen. Was Julia Franck aus diesen Anfangsbildern entwickelt, ist eine Dreiecksgeschichte zu zweit. Beyla lebt Charlottes Leben weiter: Sie bezieht die freigewordene Wohnung, beherbergt Charlottes Besuch und verliebt sich wie die Verunglückte in Albert, dessen Klavierspiel über den Hinterhof zu ihr dringt. Ihre Wünsche werden erfüllt - Beyla genießt ihr unverhofftes Glück und die Ausflüge mit Alberts rotem Auto. Bis ihr Liebhaber seltsam erotische Geschichten erzählt, von denen Beyla nicht weiß, ob sie wirklich nur seiner Fantasie entspringen."Man kann ja niemanden zu seinem Glück zwingen, aber wenn man Poesie liebt und Charakter, dann sollte man einfach Julia Franck lesen." (Ingo Schulze)Julia Franck wurde 1970 in Berlin (Ost) geboren, siedelte 1978 nach West-Berlin um. Von 1979 bis 1983 lebte sie in Schleswig-Holstein und seither wieder in Berlin. Sie ist u. a. Preisträgerin des 3. "open mike" der LiteraturWERKstatt 1995. 'Der neue Koch' ist ihre erste Buchveröffentlichung.