Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Alles andere als lau, 23. Oktober 2003
Nicht noch ein Buch über Schmidt, dachte ich, nachdem ich mich durch die Hälfte der "Schmidt-Biografie" von Miriam Lau gelangweilt hatte und dann eingeschlafen war.Doch dieser Anfang wird dem Buch von Kay Sokolowsky über den Entertainer nicht gerecht. Dieser kleine Band hat aber auch gar nichts gemein mit der Lauen Zusammenschreibe der anbiedernden, selbsternannten "Biografin". Vielmehr geht es in Late Night Solo" um die "Methode Schmidt". Der exzellente Schauspieler und Komiker Harald Schmidt schlüpft fünfmal pro Woche in die Rolle „Schmidt" und erklärt das Studio 449 zur Theaterbühne. Soviel hat man noch selbst gewusst. Kay Sokolowsky gründelt tiefer. Was zeichnet das Genie des „Solitärs" aus, das ihn bei den Sender-Verantwortlichen bis heute (siehe Saban) verdächtig macht? Einige besonders aussagekräftige Szenen der abendlichen Aufführungen werden zitiert und -sprachlich auf den Punkt- analysiert. Das ist nicht nur klug betrachtet, sondern auch äußerst lesenswert. Die Brücke zwischen Neuer Frankfurter Schule und Schmidts Late-Night-Theater ist solide gebaut, könnte aber in einem nächsten Buch des Autors noch ausgebaut werden. Darauf würde ich mich sehr freuen. Sehr zu empfehlen.
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55 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der vergebliche Versuch unsterblich zu werden, 30. November 2003
Wer sich den Fernsehbetrieb der Jahre 1999 und 2000 in Erinnerung ruft, der wird wohl bemerken, daß Harald Schmidt mit seiner Late Night Show kurz davor stand, die Brocken hinzuschmeißen. Sendekonzepte wie die von Stephan Raab, Ingo Appelt oder Big Brother zogen und ziehen auch heute noch die Zuschauermassen an. (Big Brother liegt jetzt nur in variierter Form als „Deutschland sucht den Superstar", „Fame-Academie", „Der Bachelor" usw. vor). Schmidt schien passe zu sein. Lustlos las er die Brüller-Gags von den Papptafeln vor. Das sonst so klatschwillige Publikum reagierte nicht mehr wie früher auf die Pointen und Schmidt brüllte verzweifelt „Horst" ins Leere und in die Stille des Studios. Der Stern schien am verglühen. Doch dann wurde die Show radikal umgestellt. Schmidt holte Andrack ins Studio. Damit trat eine Wende ein. Man erkannte die Sendung kaum mehr wieder. Sicher, das Intro-Standup und die Gäste sind noch Bestandteile, aber stark verkürzt. Dazwischen aber, finden Kabarett, Gesellschaftsanalyse und -kritik ab, wie sie kein Hildebrandt machen könnte und dürfte statt. Über eine halbe Stunde wird das Standbild eines Radios gezeigt, und Schmidt persifliert die Nachtsendungen im Radio. Schmidt moderiert eine komplette Sendung in französisch (nicht untertitelt), 14 Tage später wurde diese Sendung von ARTE untertitelt ausgestrahlt. Schmidt erklärt wie ein Oberlehrer mit Playmobil-Figuren Theaterstücke, Opern und Mythologien. Das beste Rezept, ein Sendekonzept mit Volldampf an die Wand zu fahren. Schmidt sagte einmal in einem Interview, er unternimmt damit den vergeblichen Versuch unsterblich zu werden. Doch das Publikum, die Werbekunden und der Sender danken es Schmidt auf Knien.Kay Sokolowsky hat mit seinem Essay eine treffende Analyse der Late Night Show vorgelegt. Wohlgemerkt, das Werk beabsichtigt keine Biographie, sondern es geht allein um die Methode Harald Schmidt. An Beispielen zeigt Sokolowsky, wie bei Schmidt Gesellschaftskritik stattfindet, welche Figuren Schmidt in seiner Sendung wann und wie einbaut. Die Rolle Andracks wird analysiert (Schmidt braucht Andrack nämlich dahingehend, als dass er ihm die Bälle zuwerfen kann, auf denen er seine Figuren aufbauen kann). Das Konzept der Kleinfamilie mit Andrack, Zerlett und Suzanna, die Schmidt um sich herum aufgebaut hat, wird erklärt. Sokolowsky zeigt die Entwicklungen der deutschen Comedy von den Sechzigern bis heute auf, kurz die Entwicklung des Privatfernsehens und wo der „Moloch" Fernsehen heute angekommen ist. Das Fernsehen versucht heute alles und jeden zu bedienen. Doch fünfmal die Woche um 23:15 Uhr verweigert sich dem einer. Schmidt dient sich nicht der Masse an. Er hat sich sein Publikum (ca. 1 Mio. jeden Tag) selbst aufgebaut, Mit dem anspruchsvollsten Sendekonzept welches das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Eine gewaltige Leistung. Jemand wie Raab, der einfach nur Trends folgt könnte dies nie fertigbringen. Kurz Sokolwskys Analyse empfiehlt sich, um sich der Rolle Schmidts im Fernsehen und in der Gesellschafts- und Politikkritik bewusst zu werden. Wer sich die Sendung nach der zweiwöchigen Sendepause nach dem 11. September 2001 angesehen hat, konnte sehen, wie Schmidt, die Phrasendrescherei der Politiker und Fernsehkommentatoren auf das zurückführte was sie waren, nämlich oftmals nichts als Phrasendrescherei. Das ist wahres Kabarett und das täglich, im Privatfernsehen.
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28 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
gut beobachtet und intelligent analysiert, 4. Februar 2004
Hervorragende Analyse dessen, was die besondere Komik Schmidts ausmacht. Szenen aus der Show, die exemplarisch für eine bestimmte Herangehensweise sind, werden eigehend untersucht und die Besonderheiten werden herausgearbeitet. Sehr gelungen ist auch die Auseinandersetzung mit anderen Veranstaltungen, die im Deutschen Fernsehen aufgrund geistiger Armut als Comedy verkauft werden. Der große Pluspunkt des Buches liegt darin, dass gleichzeitig bedingungslos begeistert und begeisternd aus der Perspektive eines Bewunderers geschrieben wird und scharf, sachlich und überaus intelligent analysiert wird. Ein Buch, das die Einzigartigkeit Schmidts in der deutschen TV Landschaft erklärt sowie seine historischen Vorbilder in Erinnerung ruft. Die Herausarbeitung der Verbindung zur neuen Frankfurter Schule ist präzise und schlüssig.Immer wieder wird der Humor auf gesellschaftliche, politische und Medienzusammenhänge zurückgeführt, was wichtig ist, weil Humor nie ohne seine Zusammenhänge erklärt werden kann. Sehr empfehlenswert für jeden, der Schmidt komisch findet und Interesse an den Hintergründen und dem "warum" dieser Komik hat. Und in der Lage ist Nebensätze zu verstehen.
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