Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Hochstapler vor dem Herrn, 21. Januar 2008
José Maria Eco de Queiroz gilt als einer der einflussreichsten Dichter Portugals und zu seinem literarischen Schaffen zählen zwar nur einige Romane, die ihm aber nichtsdestotrotz das Etikett des portugiesischen Balzac einbrachten. In seinem Roman 'Die Reliquie' aus dem Jahre 1887, prädominiert der beißend ironische und satirische Ton und im Zentrum des Romans steht der Anti-Held Teodorico Raposo.
Dabei ist der Name Programm. Raposo ist das portugiesische Wort für den Fuchs und genauso gerissen verhält sich der Waise, der in jungen Jahren in die Obhut seiner vermögenden Tante Titi gegeben wird. Die Frömmlerin zeichnet sich nicht nur durch einen fast schon fanatischen Gottesglauben und ein grenzenloses Misstrauen gegenüber allem Menschlichen aus, sie ist eine regelrechte Pest für den armen Teodorico. Jahrelang betet der Heuchler Rosenkränze herunter, sagt (zumindest offiziell) den sehr irdischen Freuden des Fleisches ab, um die Gunst der Tante zu erhalten und in den Genuss der satten Erbschaft zu gelangen. Gleichwohl er alle Messen besucht, Theologie studiert hat und sich alle Mühe gibt, seine Abneigung zu verbergen, schickt ihn die Tante auf eine letzte große Prüfung. Er soll eine Pilgerfahrt ins heilige Land nach Jerusalem unternehmen und der greisen Frau eine Reliquie mitbringen.
Dem Leser wird die Wahl nicht einfach gemacht, wer ist denn nun das größere Ekel in diesem Roman? Ist es der Hochstapler, der zuweilen als schmieriger Hedonist und Lebemann, zugleich aber auch als unterdrückte Seele charakterisiert wird? Oder doch vielmehr die fanatische Tante, der Inbegriff des bürgerlichen Spießertums, deren Religiösität in krassem Gegensatz zu ihrer Menschenverachtung steht? Das Resultat bleibt jedem Leser selbst überlassen...Jedenfalls ist 'Die Reliquie' ein köstlicher, in einigen Passagen urkomischer Roman, in welchem jede Figur überzeichnet erscheint. Die Figuren legen eine Dreistigkeit an den Tag, die Queiroz' Werk als satirischen Roman erscheinen lässt. Selbst Nebenfiguren, wie Raposos deutscher Reisegefährte Topsius, der einen disproportionierten Nationalismus und Gehlertentum an den Tag legt, bieten kaum einen Ansatz für Identifikation.
Etwa auf der Hälfte des Romans fällt die Figur in einen Traum und bereist Jerusalem zu der Zeit der Kreuzigung Jesus Christus. Doch wer glauben könnte, die Begegnung mit dem Herrn persönlich, würde läuternd auf den Anti-Helden wirken, hat sich getäuscht. Vielmehr ergötzt er sich am baldigen Tode seiner Tante, der erwarteten Erbschaft und verbrüdert sich noch mit den Händlern, die Jesus einst aus dem Tempel wies. Diese lange Traum-Passage gilt zwar als erzählerischer Höhepunkt Queiroz' Werks, dennoch strengt der überdetaillierte Stil und das Einweben extrem vieler Fremdwörter an. Der Traum ist ein Bruch in diesem Roman und 'Die Reliquie' verliert gehörig an Fahrt. Die Rückkehr nach Lissabon hält für Raposo noch eine Überraschung bereit, es kommt wie es kommen muss...
Fazit
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'Die Reliquie' ist ein ironischer Roman, unterhaltsam und kurzweilig und mit einer satirischen Beschreibung des portugiesischen Bürgertums des 19. Jahrhunderts garniert. Allein schon die beiden Antipoden sind herrliche Figuren und es ist schade, das Eco de Queiroz' Werke nur teilweise in der deutschen Übersetzung erschienen sind, gehört der Autor doch zu den wichtigsten Figuren der südeuropäischen Literatur des 19. Jahrhunderts
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Reise ins Heilige Land, 2. Juni 2005
Von Ein Kunde
Eca de Queiroz ist zweifellos einer meiner Lieblingsautoren - und "die Reliquie" sicherlich einer seiner besten Romane. Der Neffe einer bigotten, verbitterten alten Dame spielt den strenggläubigen und asketischen Katholiken um an ihr üppiges Erbe heranzukommen. Letztendlich bricht er zu einer Pilgerreise ins heilige Land auf um dort unter anderem eine Reliquie für die alte Tante mitzubringen. Ob es ihm gelingt als Erbe eingesetzt zu werden möchte ich hier nicht verraten, allerdings dass das Buch eine herrliche Kritik an (katholischer) Doppelmoral und beschränktem und blindem Glauben - jedoch nicht unbedingt am Christentum an sich - ist. Leo Tolstoi wurde für weniger Exkommuniziert.
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