Kurzbeschreibung
Louis Couperus war der wichtigste niederländische Prosaist seiner Generation, und er war der im deutschen Sprachraum bei weitem beliebteste. »Langs lijnen van geleidelijkheid« nannte der feine Stilist seinen 1900 erschienenen psychologischen Roman über ein modernes Frauenschicksal, ein Glanzstück kritischer Ironie, das nun erstmals seit Jahrzehnten wieder in einer deutschen Ausgabe vorliegt.
Die Ehe der wohlhabenden Den Haager Bürgerin Cornélie liegt in Scherben. Resigniert flieht sie nach Rom, wo sie bald Bekanntschaften schließt und eine Affäre mit dem attraktiven Patriziersohn Duco beginnt. Doch die steht von Anfang an unter einem schlechten Stern: Während er sich für die antike Schönheit der Stadt begeistert, brennt in Cornélie der Wunsch, ganz im Heute zu leben und sich schreibend von der Vergangenheit zu emanzipieren. Die Liebenden bleiben sich fremd, scheitern am ewigen Widerspruch von Kunst und Leben. Dekadenz und Pessimismus des niederländischen Bürgertums waren die Themen, die Couperus mit spitzer Feder beschrieb. Sein Dandytum und Ästhetizismus sind Legende. In diesem Roman, der nun seit über acht Jahrzehnten erstmals wieder in einer Neuübersetzung vorliegt, ist auch sein früher sozialkritischer Ansatz noch deutlich erkennbar: Als Cornélie am Ende ihr Vermögen verliert, steht ihre Ungebundenheit auf dem Spiel. Schmerzhaft werden ihr »die langen Linien der Allmählichkeit« bewusst.
Über den Autor
Louis Couperus (1863-1923), Sohn einer wohlhabenden niederländisch-indischen Beamtenfamilie, verbrachte einige Jahre seiner Kindheit im heutigen Jakarta. In den Achtzigern schloss er sich den »Tachtigers« an, einer Gruppe junger Autoren, die einen revolutionären Neubeginn der niederländischen Literatur forderten.