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5.0 von 5 Sternen
Ich wäre/ ich bin/ am liebsten eine //geborene// Erfinderin., 18. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Lichtorgeln: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
"Ich wäre/ ich bin/ am liebsten eine //geborene// Erfinderin." So schreibt Marica Bodrozic. Und in der Tat ist sie, was sie am liebsten wäre. Und so erfindet sie "hängende Luftaltäre der Bäume", erfindet den "herbei geliebten Tag", erfindet das "Sternenlager", das "sehr lange schlief", oder das Verb "sattlangweilen" oder Sätze wie "Ich spanne Zugschienen über den See und fahre Rad in den aufgeträumten Wolken". Sie erfindet überraschende Zusammenhänge, alles fließt und quillt wie Wasserwellen und umspielt Bilder, Szenen, Gedanken, Gesprächsfragmente - vieles glitzert in einem hellen, mediterranen Sonnenlicht. Marica Bodrozic stammt aus Dalmatien.
Und ab und zu reist sie in ihren Gedichten in die Heimat. In die Kindheit: "Schaue ich heute zurück, auf die Felder der Kindheit ..." Diese Gedichte sprechen mich besonders an. Auch die melancholischen wie "DER STERNSCHIESSER war es, das ist mir gestern klar geworden. Er ist einfach in alle Kindheiten hineinspaziert und hat die dortigen Sterne erschossen ..."
Licht ist das Grundmotiv, wie in einem der ganz kurzen Gedichte:
"MEINE KRONE wird vom Licht ausgetrunken.
Heimwärts heißt:
Ich bin am Leben.
Ich bin Leben."
Dazu treten die "Lichtorgeln", "Lichtscheinwerfer", "der Sommer in den weißen Laken", das Licht, das "aus den Mittagswolken blitzt". Und so licht- und sonnenvolle Augenblicke wie in einem meiner Favoriten unter den Gedichten:
"ZAUBERKLEIDER!, so etwas hatte Isis. Die Kleider waren aus Nacktheit gemacht, aus tieferen Schichten der Sonnenstrahlen. Sie wurden einst angezogen, um sich bei jedem Gedanken zu verändern. Heute haben wir erfundene Währungen, gestrichelte Länder und die Gefährdung vom Soll her, niemand kommt mehr auf die Idee, Zauberkleider zu bestellen. Dabei kann alles aus Zahlen und Buchstaben mit tiefen Wünschen gebastelt werden. Im Sommer ist es besonders einfach. Nach einem slowenischen Kuss ist es mir, am Anfang eines Sommers, gut gelungen. Im Café aß ich ein Stück Kuchen und setzte mich an den Rand des Bürgersteigs. Ich zog meine Schuhe aus, die weiten Seidenhosen, das weiße bestickte Hemd, meine Schultern leuchteten, mein Mund, und ich ging aus der Stadt hinaus, barfuß, hatte Zeit, wollte das Meer suchen."
Daneben treten Melancholie, Krieg, Gewalt. "DER MANGEL wohnt in meinem Berliner Zimmer. Er dunkelt, er sticht, er leidet an seiner Größe. Der Schmerz für den Mangel, sagt er, wenn er denn überhaupt mit mir spircht, ist, dass er immer größer wird, an allem, was ist. Der Raum ist dunkel, es ist schwer, da eine Türe oder ein Fenster zu finden ..."
Wer Poesie mag und das erfindungsreiche Spiel der Sprache, wer in Gedichte dieser Art eintauchen kann und sich den Wellenbewegungen hingeben, der tut mit diesem Buch einen guten Griff. Vielleicht muss ab und zu eine Dichterin von außen, hier aus Dalmatien, in eine für sie neue Sprachwelt hineinspringen, um sie so vital und stimulierend aufzumischen. Das hat mir an den Gedichten von Marica Bodrozic ausgesprochen gut gefallen.
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