Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Familiengeschichte zu Zeit der Revolution in Libyen, 15. Oktober 2007
Die Geschichte spielt in einer Familie in Tripolis zur Zeit der Revolution Gaddafis. Im Mittelpunkt stehen der neunjährige Suleiman und seine Mutter. Er liebt sie sehr und sie ihn auch. In den Nächten, wenn der Vater auf Geschäftsreise ist, betrinkt sie sich und erzählt dem kleinen Jungen unter dem Siegel der Verschwiegenheit immer wieder vom schwärzesten Tag ihres Lebens,d.h. dem Tag, als sie, mit 14 Jahren, von den männlichen Verwandten zur Heirat mit einem wesentlich älteren Mann, Suleimans Vater, gezwungen wurde. Suleiman ist schwer durch dieses Geheimnis belastet und fühlt sich als Beschützer der Mutter. Die angeblichen Geschäftsreisen des Vaters sind in Wirklichkeit die Treffen mit den Freunden aus dem politischen Untergrund. Diese kämpfen im Untergrund gegen Revolutionsführer Gaddafi. Dann eines Tages muss die Familie miterleben, wie der beste Freund des Vaters verhaftet und öffentlich gehängt wird. Suleimans Welt gerät völlig aus den Fugen, als auch sein Vater von der Sicherheitspolizei abgeholt wird . Das tragische daran ist, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Der Leser bekommt auch einen guten Einblick in das Leben,die Kultur aber auch die Gewaltherrschaft in Libyen. Eine rührende Geschichte, die ich nur weiterempfehlen kann.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine bedrückende Kindheit unter Gewaltherrschaft, 15. April 2007
Hisham Matar hat einen äußerst berührenden Roman über (s)eine Kindheit in Libyen verfasst, zu einer Zeit, als der "Revolutionsführeer" Gaddafi mit aller Härte gegen sogenannte Oppositionelle vorging. Brutale Verhöre, öffentliche Vorführungen und Hinrichtungen waren die Tagesordnung. Die Authenzität der Erzählstärke schockierte mich mehr als ich erwartet hatte.
Nicht selten hätte ich das Buch gerne zugeklappt und damit auch die Augen vor der Gewalt verschlossen. Doch Matars erzählerische Kunst lies mich nicht zur Ruhe kommen. Reich bebildert, detailliert und unter völliger Orientierungslosigkeit schildert der neunjährige Junge, wie er die Ereignisse aufnimmt. Es fällt ihm sehr schwer Gut und Böse auseinander zu halten, von Aufklärung seitens seiner Eltern keine Spur. Er will Verantwortung übernehmen und macht die Dinge falsch. Er kann nicht wissen, dass die Tragweite seines Handelns eine furchtbare ist, aber er spürt es dennoch. Die Gewalt und der Wahnsinn der Herrschafts Gaddafis rauben Suleiman mit seinen neun Jahren das kindlich naive Sicherheitsgefühl, so dass er meint, den Boden unter den Füßen weggerissen zu bekommen. Dieses Gefühl, so schreibt er, begleitet ihn dann auch ein Leben lang.
Und dennoch beschreibt Hisham Matar nicht nur die politische Situation. Er zeichnet auch ein deutliches Bild der Kultur - insbesondere der Literatur und Dichtung -, der Menschen und der Natur Libyens. Diese Dinge machen das Buch mehr als lesenswert und vermitteln ein Gefühl für eine andere Welt, eine andere Sicht der Dinge. Bisweilen konnte ich mir das idyllische Meer beim Sonnenuntergang vorstellen und auch über den ein oder anderen dummen Jungenstreich lächeln. Das gehört eben auch dazu.
Schwer verdaulich ist dieser stark autobiografische Roman, aber einfach nicht aus der Hand zu legen! Ich wünsche ihm eine große Leserschaft und hoffe auf weitere Bücher von Hisham Matar.
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Familienleben in einem Land des Terrors, 9. Februar 2007
Hisham Matar Im Land der Männer Luchterhand
ISBN-13: 978-3630872445
Dieses Buch kann man nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal anfängt, es zu lesen.
Suleiman ist die Hauptfigur in diesem Roman, ein Junge von neun Jahren. Aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt.
Man schreibt das Jahr 1979. Suleiman lebt mit seinen Eltern in Tripolis. Das Haus, in dem er mit seinen Eltern lebt, ist wichtigstes Lebenszentrum der Mutter und des Sohnes. In ihm spielt sich das Leben ab in einem Sommer, der so heiß ist, dass die Autoreifen schmelzen.
Vom Balkon aus sieht man das Meer, das sich in der flimmernden Hitze spiegelt. Man sieht die Blumen, riecht die Düfte, schmeckt die Maulbeeren, die Suleiman vom Baume pflückt. Mit seiner Mutter ist er viel alleine, wenn der Vater auf Geschäftsreisen ist. Sind es immer nur Geschäftsreisen?
Dunkle Andeutungen lassen Suleiman ahnen, dass seine Mutter sehr jung noch unfreiwillig an den Vater verheiratet wurde. Der Familienrat der Männer in ihrer Familie hatte es so beschlossen. Von ihrer Krankheit und ihrer Medizin, die einen unangenehmen Geruch verbreitet, ist die Rede. Sie wirkt benommen davon und die Krankheit tritt immer dann auf, wenn der Vater abwesend ist. Es handelt um eine gelinde Umschreibung für Alkoholismus. Die Mutter ist liebevolle und unberechenbare zugleich. Suleiman ist beiden Eltern in gleicher, zärtlicher, zuweilen auch ängstlicher Weise zugetan.
Es gibt die Freunde des Vaters, und auch Suleiman hat gute Freunde, besonders Karim, der ihm wie ein Bruder so nahe steht.
Was so idyllisch und exotisch beginnt, setzt sich fort als kommendes Unheil, das mit dem Regime unter Gaddafi das Leben in Libyen bedrohlich werden lässt, und das Land in eine Diktatur verwandelt. Noch gibt es Widerständler, die zum Boykott aufrufen.
Der Vater von Suleiman scheint in den Widerstand verwickelt zu sein. Auch andere gute Freunde der Familie sind betroffen.
Da Suleiman in der Ichform berichtet, wirkt das Tun und Treiben der Erwachsenen, das sich um ihn herum abspielt, unheimlich, denn er kann vieles nicht verstehen.
Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu. Menschen verschwinden und kehren nicht zurück. Der Vater wird eines Tages schwer verletzt ins Haus zurück gebracht. Auch Suleiman geht zuletzt ohne die Eltern auf eine Reise nach Ägypten, ohne zu wissen, was ihn dort erwartet.
Das Thema dieses Buches sind die schlimmen Auswüchse eines diktatorischen und unerbittlichen Regimes.
Das Buch ist fein geschrieben und voller Poesie.
Dass es daneben eine Vielzahl von Geschichten über das Leben und die Menschen in Tripolis gibt, über Freundschaften und Feindschaften; dass kleine Jungs, wenn sie alleine gelassen werden in einer unheimlichen und verschwiegenen Erwachsenenwelt ungeahnten Ängsten ausgesetzt sind, das alles macht den Roman zu einem lebendigen und spannenden Buch. Es ist eine weise, traurige und sehr menschliche Geschichte, die ich sehr empfehlen kann.
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