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84 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Frankensteins ... Nein: Danielewskis Monster, 30. September 2007
Danielewski hat mit seinem Erstling "Das Haus" ein Monster geschaffen.
Zehn Jahre Entstehungszeit, mehr als 800 Seiten lang, ein halbes Dutzend unterschiedlicher Schriftbilder, 450 Fußnoten, zwei Druckfarben, ein langes Register, eine Bibliografie, drei große Anhänge, Illustrationen, ein Index und ein Text-Layout, das dem englischen Dichter Edward E. Cummings (ebenfalls für seine typographischen Verzerrungen und Überraschungen bekannt) alle Ehre gemacht hätte, sind nicht unbedingt typisch für einen Debütroman. Auf den ersten Blick scheint es, David Foster Wallace hätte sich H.P Lovecrafts bedient, um ein literarisches Gegenstück zum Film "The Blair Witch Project" zu schaffen: Ein experimentelles Meisterstück.
Ein begabter, aber psychotischer junger Mann, der sich Johnny Truant nennt, stößt auf ein gewaltiges Manuskript ("Der Navidson Record") eines verstorbenen !!blinden!! Mannes mit Namen Zampano: eine wissenschaftliche, kritische Abhandlung eines gleichnamigen Dokumentarfilms. Er beginnt ihn zu redigieren. Dabei verliert er mehr und mehr die Trennung zwischen Wirklichkeit und Fiktion.
Der angebliche - aber nie gefundene - Dokumentarfilm betrifft ein Haus, was eigenwillige Raumveränderungen offenbart. In seinem Inneren ist ein riesiges kaltes, dunkles Labyrinth von Schwindel erregender Dimension verborgen und es lebt. ES LEBT! Die Berichte des eingesetzten Untersuchungstrupp sind haarsträubend, und nachdem sie ihren Weg verloren haben, verfallen sie nach und nach dem Wahnsinn.
Die Konfusion des Textes (manchmal wird er br_e__ i___t____e_____r, dann wieder zieht er sich z____u___s__a_mmen, von Zeit zu Zeit ist er durchgestrichen oder in Spiegelschrift geschrieben, manchmal muss man das Buch auf den Kopf drehen, einige Seiten vor- und dann wieder einige Seiten rückwärts lesen) überträgt die Verwirrung der Protagonisten linear auf den Leser. Wie es der englische Titel "House of Leaves" treffend bezeichnet, soll dem Leser suggeriert werden, dass das Buch selbst das gefährliche Haus ist: Ein Haus aus Blättern und Buchseiten, in dem er sich verlieren wird.
"Das Haus" überschattet andere berühmte Spukhäuser der Literatur. Danielewski verknüpft die furchterregenden Räume innerhalb des Hauses mit psychologischen Zuständen wie der Platzangst und geht sogar bis zur germanischen Legende von Yggdrasill: der Weltenbaum, die große Esche (Ash Tree) im Zentrum des Universums, die Himmel, Erde und ihre neun Welten miteinander verband. Was bei anderen Autoren nur eine "gewöhnliche" Erzählung eines spukenden Hauses sein würde, ist bei Danielewski eine wissenschaftliche Untersuchung der "psychologischen Dimensionen des Raums." Der Autor bringt Architektur und Mythos, Filmtheorie und Psychologie ein.
Der Roman sieht in seiner Patchwork-Konstruktion wie Frankensteins Monster aus, aber er lebt! Er lebt!
Besonders hervorzuheben ist die großartige Übersetzung durch Christa Schuenke, die den bockigen, rätselhaften Text, die Anagramme und die vielen anderen Verschlüsselungen in ein deutsches Lesevergnügen verwandelt hat.
Auch Lektor Hannes Riffel und Setzer Ronald Hoppe haben entscheidend dazu beigetragen, die deutschsprachige Ausgabe zu einem Gesamtkunstwerk zu machen: Zweifellos für alle Beteiligten eine ebensolch monströse Mühe und Arbeit.
Gleichwohl wird "Das Haus" aber sicher auch die bemerkenswerte Reihe der Bücher verlängern, die nie vollständig gelesen werden, alsbald im Bücherregal verschwinden und in der Reihe der großen literarischen Irrfahrten einen Ehrenplatz neben Joyces "Ulysses" finden.
Fazit:
"Das Haus" verbindet neben mehrtägiger harter Lesearbeit und außergewöhnlicher Konzentration auch echten Grusel und postmoderne Auflösungsfreude (nachgoogeln lohnt sich und ist immer für eine Überraschung gut). Das Pseudodokumentarische des Romans lädt zur Mitarbeit ein, zur eigenen Erforschung des fiktiven Phänomens. Empfehlenswert für alle Freunde anspruchsvoller Fantastik und moderner Literatur.
Und wer richtig hinschaut, wird irgendwo in seinem Leben auch solch eine Tür finden, die ins Dunkle führt: "Bleiben Sie nicht stehen, gehen Sie auch nicht langsamer, sondern laufen Sie einfach weiter. Da ist nichts. Seien Sie vorsichtig!"
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35 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ist das wirklich fair?, 19. Oktober 2007
Natz71 "NH" aus Freiburg gibt gleich zu, dass er noch ganz am Anfang ist mit diesem großartigen Buch, aber er macht es schon mal runter. Ist das wirklich fair, ist es seriös, eine negative Rezension zu schreiben zu einem Buch, das man noch gar nicht ausgelesen hat? Ich finde, nein.
Allen positiven Meinungen kann ich nur heftig zustimmen, und, um Denis Scheck zu zitieren: "Vertrauen Sie mir, ich weiß, wovon ich rede!" - ich habe "Das Haus" übersetzt, und ich finde es absolut phantastisch. Da hat jemand eine völlig neue Form des Geschichtenerzählens entwickelt, die ihre Wirkung auf andere Autoren nicht verfehlen wird. "Das Haus" ist das ungeheuer kühne Experiment eines bewundernswert mutigen Autors. Und, was das Beste ist: Das Experiment ist gelungen, es funktioniert!
Ich hatte das Glück, Mark Z. Danielewski auf einem Teil seiner soeben abgeschlossenen Lesereise durch mehrere deutsche Städte begleiten zu dürfen, ich habe erlebt, wie begeistert die Leser in Berlin, Göttingen und Stuttgart reagiert haben. Ich war beeindruckt davon, wie tief viele Leser bereits in das Buch eingedrungen waren, was für kluge Fragen nach den Lesungen gestellt wurden. Und meine Freunde, die die Lesungen in Hannover und Köln besucht haben, bestätigen mir, dass es dort genauso war.
Nein, dieses Buch fordert den Leser - es fordert ihn heraus, aber es fordert ihn auch dazu auf, aktiv zu lesen, gleichsam selber mitzumachen. Es bereitet uns eine ganz einmalige Lese-Erfahrung und bietet Stoff zu endlosem Nachdenken. Es wiegt 1,5 Kilo, und das ist nichts, wenn man bedenkt, dass darin mindestens sieben Bücher verborgen sind.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Eine Warnung vorweg..., 3. November 2007
Ganz klar, dieses Buch polarisiert, das sieht man schon an den bisherigen Rezensionen. Entweder, der Leser findet es einfach nur genial und hat es regelrecht verschlungen, oder aber, er kann absolut nichts damit anfangen.
Ich gebe zu, ich habe mir das Buch aus reiner Neugier gekauft weil ich mir einen außergewöhnlichen Roman erwartet hatte, der noch dazu auch spannend sein sollte. Allerdings war ich bereits enttäuscht, als ich es dann in Händen hielt und durchblätterte. Ich habe mich tapfer durchgekämpft, aber wirkliche Spannung wollte bei mir leider nicht aufkommen, weil ich mich ständig über das "Chaos" im Buch geärgert habe, und mich dadurch wahrscheinlich nur bedingt auf die komplexe und zweifellos sehr gut durchdachte Doppelhandlung einzulassen. Ich finde es nicht spannend, wenn ein aufregender Satz (der sogar recht kurz ist) sich über viele Seiten lang hinzieht, auf denen bestenfalls drei Wörter stehen. Es gibt z.B. auch eine Seite, die komplett leer ist, weil davor das Wort: "weiße", und danach das Wort: "Leinwand", steht. Mich nervt das, und ich halte das auch für Papierverschwendung, aber auch dies ist Ansichtssache.
Ich denke, der Autor wollte durch die abenteuerliche Textgestaltung auf die Struktur des Hauses hinweisen, die scheinbar keinen Regeln zu folgen scheint, und letzten Endes ist das Buch wohl Kunst, aber eben keine Kunst, die mir zusagt.
Ich möchte niemanden davon abhalten, das Buch zu lesen, das für ihn vielleicht ein wahres Meisterwerk sein könnte, ich möchte nur den wohlgemeinten Rat geben (vor allem in Anbetracht des Preises), das Buch vorher ein wenig durchzublättern und sich zu entscheiden, ob man selbst es lesen und sich auf die Handlung einlassen wird können.
Ich gebe drei Sterne, nicht weil mir das Buch gefallen hat, sondern weil ich durchaus anerkennen kann, welch enorme Arbeit dieser Roman den Autor gekostet haben muss.
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