Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
sowas hab ich gesucht, 26. Juli 2002
Was für ein Buch! Ich bin hellauf begeistert. Dieses Buch birgt den Bann der Liebe. Keiner kitschigen, romantischen Liebe, sondern Liebe, die sich dem irdischen entreißt und absoluter Reinheit entgegenstrebt. Bar jeder Körperlichkeit, jeder Freundlichkeit. Cocteau hat es geschafft, mich von dieser Welt hinfort und in Sphären zu führen, in denen nur klare und reine Emotionen voller Deutlichkeit und Kälte und dadurch bedingungsloser Aufrichtigkeit herrschen. Die Schleier der Vorstellung werden sanft zerrissen und übrig bleibt etwas elementares. Grob die Story: Es geht um ein Geschwisterpaar (Paul und Elisabeth), die sich eine gemeinsame Welt voll geheimnisvoller Rituale, voller geheimnisvollen Verstehens geschaffen haben. Eine Welt, in der sie eins werden. In dieser Welt sind sie allein imstande, ihre tiefste Verbundenheit mit dem Anderen zu zelebrieren, ja, sich wahrhaft ihre Liebe einzugestehen, die des Geschlechtlichen nicht bedarf. Nach und nach finden noch zwei weitere Personen, Gerard und Agathe, Zugang zu dieser Welt. Sie erlangen erst das Vertrauen, schließlich auch die tiefste Verbindung mit diesen zwei völlig auf sich zurückgeworfenen Geschwistern. Doch irgendwann schlägt dann doch die weltliche und profane Liebe zu. Agathe verliebt sich in Paul und andersrum. Und Gerard außerdem noch in Elisabeth, aber das ist nebensächlich. Nun gesteht jetzt erst Agathe, dann auch Paul ihre Liebe der Elisabeth. Das wiederum ist der Elisabeth ein Grauen, sie fürchtet um ihr Leben. Denn ihr Leben hängt von Paul, ihrem Bruder, ab, und dieser droht ihr zu entgleiten. Also ersinnt sie eine List, die letztendlich dazu führt, dass Gerard und Agathe sich verheiraten. Doch Paul erholt sich von dieser Fügung nicht, vielmehr siecht er dahin, bis er schließlich zum Mittel des Freitodes greifen will. Schließlich glaubt er sich von Agathe verschmäht. Jetzt wird's richtig Shakespeare -mäßig, denn Paul gesteht mit seinen letzten Atemzügen Agathe seine Liebe. Diese beichtet ihm daraufhin die ihrige und so durchschauen beide das Komplott, welches Elisabeth geschmiedet hatte. Sie bringen ihr Hass entgegen. Sie wird ihren Bruder verlieren, seine Liebe noch vorher. Der Tod wird die einzige Möglichkeit bleiben, wieder vereint, wieder eins zu sein. So ergreift Elisabeth zum Revolver und erschießt sich vor den Augen des sterbenden Bruders. Der erkennt, dass diese Tat aus reinster Liebe geschah und strebt ihr nun willig im Tod entgegen. So, dass die Zusammenfassung, insbesondere des letzten Teils. Und doch habe ich das wichtigste ausgelassen, denn das ist etwas, das sich nur schwerlich beschreiben lässt. Das ist der Bann, das ist die Magie, die durch die Sprache Cocteaus, durch seine überragenden literarischen Fähigkeiten, heraufbeschworen wird. Jeder Gedankengang erscheint aus der jeweiligen Position zwingend. Das tragische Finale der Geschichte unausweichlich. Es gibt keine Hoffnung, wahre Liebe kann in der Welt nicht bestehen.
|
|
|
17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Rückzug in eine parallele Phantasiewelt, 17. August 2005
Ein Geschwisterpaar, Elisabeth und Paul, leben mit ihrer kranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Ihre reale Welt braucht Phantasie zum Überleben und die beiden schaffen sich diese in inniger (Geschwister-)Liebe in ihrem gemeinsamen Zimmer. "Verreisen" heißt allein sein wollen, aber fest steht für jeden von beiden, dass der jeweils andere ähnlich einer Drogenabhängigkeit gebraucht wird.
Cocteau schafft die Beschreibung einer menschlichen Existenz, die ausgesetzt und vom Leben umspült wird. Er lässt Bilder im Vorbeigehen entstehen, von sinnlicher Anschaulichkeit und von ebenso bedrängender Realität. Das Zusammenspiel von Notwendigkeit und Zufall in dem Leben der beiden nach dem Tod ihrer Mutter ist grandios und man spürt, dass Leichtigkeit den Weg des Guten öffnet und dass sich deren Liebe zueinander auswirkt auf deren Umgebung. Aber: Um ihre vermeintliche Sicherheit wegen, verlassen sie ihre "Insel" (die Idee des Zimmers) nie wirklich. Die harte Realität lässt sich aushalten im Wissen um den möglichen Rückzug in die Phantasiewelt. Und letztendlich, wo die Gefahr des letzen Scheiterns und die Vergeblichkeit des Willens durch nach Außen gerichtete Liebe so präsent werden, bleibt - um das ewige Zusammensein zu zementieren - der gemeinsame Tod, der aber in den letzten Zügen die Beichte einer wahren, realen Liebe zu Agathe möglich macht. Das Reale hängt nur am seichten Faden, nur der Tod scheint real und sich dem surrealen Leben zu entziehen.
Über allem schwebt - zumindest für Paul - sein ehemaliger Schulkamerad als Held. Trotz der Verletzung nach einer Schneeballschlacht bleibt Pauls Verehrung bestehen, sein Leben wird zeitweise in eine "als ob" Verkörperung seines Helden transformiert und dennoch bleibt dieser letztendlich im Verborgenen einer Schublade, die der Ort geschwisterliche Geheimnisse geworden ist.
Ein meisterliches Werk des Jean Cocteau. Ein Werk, welches die Sinne des Lesers erfasst, nicht mehr loslässt und daher dieses Leseerlebnis dieser kompakten Geschichte leider nur zu einem Tagesereignis macht. Gott sei Dank ist das Buch real, es lässt sich nochmals lesen.
Absolut Lesenswert!
|
|
|
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gute Miene zum Bösen Spiel, 30. Juli 2007
Ein Spiel zwischen dem Geschwisterpaar Paul und Elisabeth, aus gut betuchtem Hause stammend, das sich anfangs abwechselnd aus Liebe und Hass, Bosheit und Zärtlichkeit aufbaut, geradeso wie es unter pupertierenden Geschwistern oft der Fall ist, nimmt alsbald einen bösen Fortlauf und endet schließlich in einem Dilemma. Ihre uneingeweihten Mitspieler sind ihre Freunde Gerard und Agathe, ihre Bühne stellt ein eigens hergerichtetes Zimmer im Hause der nicht mehr anwesenden Eltern dar. Mit fortschreitendem Erwachsenwerden kommen Gefühle für andere Personen auf, die das Verhältnis und die enge Bindung der Geschwister aneinander zu zerbrechen drohen. Dies gibt dem Spiel den Nährboden, um die anfangs rein egoistische Geschwisterliebe in reinen Hass, Zerstörung und seelische Gewalt umschlagen zu lassen.
Cocteau verfasste dieses Werk innerhalb von 19 Tagen innerhalb einer Opiumentziehungskur.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|