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71 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der anwesende Tod macht mutig und befreit, 7. März 2002
Als Leser wird man selbst Gast im Davoser Berghof, einem Sanatorium für Lungenkranke. Man lebt mit diesen in einer Höhe, in der fast das ganze Jahr Schnee liegt und sollte sich bei der Lektüre nicht wundern, wenn einen das ein oder andere der geschilderten Symptome befällt. So erlebt man mit Hans Castorp, einem jungen Mann einer alteingesessenen Bürgersfamilie aus dem flachen Norden Deutschlands, wie Freunde, Bekannte und ihm Fremde mit unabwendbarer Natürlichkeit und ohne allzu großes Aufsehen an ihrer Krankheit sterben. Das allein erregt schon unsere Aufmerksamkeit in einer Zeit, in der der Tod dem Alltag entfallen ist. Dort oben in dieser von außen abgeschotteten Bergwelt, verliert das Sterben seinen Schrecken und wird zu einem vertrauten, mit einem Lächeln hingenommenen, ständigen Begleiter.Es ist die Anwesenheit des Todes, die befreit, mutig macht und Grenzen überschreiten läßt. In diesem Licht erscheint die Liebesgeschichte von Hans Castorp zu Clawdia Chauchat, einer Russin, die als Patientin dort ebenfalls ihre Zeit verbringt, besonders intensiv und jeglicher Annäherung an eine reale Beziehung enthoben. Um diese Themen - Krankheit, schwärmerische Liebe, Tod - webt Thomas Mann ein strahlenförmiges Netz feinst nuancierter in Handlung eingebetteter Betrachtungen. Ein fast ausufernd langer Teil enthält philosophisch, theologische Streitgespräche zwischen einem Herrn Settembrini und einem Herrn Naphta, die sich leichtem Verständnis entziehen. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sie Themen von brennender Aktualität. In diese einzudringen verlangt denkerische Schärfe, Lust am Experimentieren mit Gedanken und Freude am philosophischen Disput. Mit der Abreise von Clawdia Chauchat verliert das Buch seinen Antrieb. Es endet mit dem sich schon in den letzten Kapiteln ankündigenden ersten Weltkrieg, der Hans Castorp vor weiterer Abstumpfung und Langeweile bewahrt. Mit viel Witz erzählt Thomas Mann eine grandiose Geschichte, die sich trotz ihres hohen Alters eine erstaunliche Frische erhalten hat und die sich trotz ihres Umfangs fast von alleine liest. Man begegnet ihr wie einer alten Bekannten, die einem vielleicht deshalb so vertraut ist, weil es auch unsere eigene sein könnte.
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47 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zauberhaft..., 15. Januar 2001
Von Ein Kunde
Der Roman von Hans Castorp, der nur mal so zu Besuch auf dem Zauberberg, einem Lungensanatorium, landet und dort nicht mehr wegkommt. Denn, so wird schnell klar, der Zauberberg hat seine eigenen Gesetze und seine eigene Zeit. Thomas Mann beschreibt messerscharf die kleineren und größeren Marotten der Menschen. Ob es eine Armhaltung oder ein Charakterzug ist, Mann läßt seine Figuren lebendig erscheinen und bringt uns Leser in eine merkwürdige Mischung von Distanz und Identifikation. Wir blicken, so ist klar, immer von außen auf unseren Helden und verschmelzen doch immer wieder mit ihm. Und der kleine Castorp biedert sich tüchtig an, bei den "Großen" auf dem Zauberberg. Bei dem dämonische Humanisten Settembrini, doch diesen Gott, den er selbst gewählt und der doch ihn gewählt hat, geht nieder. Der ätzende kleine, aber ebenso brillante Naphta, die zauberhaft erotische, obwohl doch auch lungenkranke Madame Chauchat, der gewaltige Lebemann Mynheer Peeperkorn lassen seine Autorität bröckelig werden. Wir sehen die Entwicklung des jungen Castorp von einem, der so tut als ob, zu jemandem, der mit der Zeit, dieser merkwürdigen, so ganz anderen Zeit auf dem Zauberberg, reift, zur echten Persönlichkeit wird. Und wir sehen, wie tappsig diese Schritte zuweilen sein können. Manns Buch ist enorm detailliert, scharf beobachtet und es menschelt überall, mal liebenswürdig, mal boshaft, mal dümmlich. Doch auch die intellektuellen Höhenflüge werden mit der Zeit als Ikarusflug entlarvt. Mann läßt sich hier viele Weltbilder austoben und zeigt sein enormes Wissen, doch wirkt dieses niemals aufgesetzt in Form eines Bildungsromanes, als welcher der Zauberberg auch teilweise beschrieben wurde. Der Zauberberg ist ein großartiges Stück Literatur, es ist lang, aber nie langweilig. Dies liegt vor allem daran, daß Mann es schnell schafft, obwohl er doch immer wieder so betont von außen schreibt, uns in die dichte und morbide Stimmung des Zauberberges einzuführen. Er entführt uns in diese Welt "da oben" und läßt uns so dicht teilhaben, weil wir ja wissen, es ist alles nur ein Buch...
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36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was für ein Buch!, 12. Juli 2005
Zugegeben: Man braucht Muße, Zeit und sicher am Anfang auch einen langen Atem, denn es dauert eine Weile bis man auf dem "Zauberberg" "angekommen" ist. Thomas Mann bringt es fertig, eine Geschichte, die man auf zwei Seiten zusammenfassen könnte, auf knapp tausend Seiten so ungeheuer detailreich, faszinierend und beeindruckend zu erzählen, dass sich der Leser ihr kaum entziehen kann. Hans Castorp, der Held dieses Buches, kommt einige Jahre vor Ausbruch des ersten Weltkrieges in das Lungensanatorium "Berghof" in Davos, wo sein Vetter Joachim Ziemßen eine Tuberkulose auskuriert. Eigentlich will er drei Wochen später wieder die Heimreise antreten, aber es kommt anders und es werden sieben Jahre, bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, daraus. Es ist eine bunt gemischte, hermetisch abgeschlossene Gemeinschaft, auf die Hans Castorp im "Berghof" trifft, zu der auch mehr und mehr gehört, die ihm zur eigenen Welt wird. Diesen Zirkel aus reichen, schwer und weniger schwer Kranken beschreibt Thomas Mann in sehr bildreicher, ausdrucksstarker Sprache. Seine langen Sätze, die ja sein "Markenzeichen" sind, sind ungeheuer geschliffen und ausgefeilt. Sie ermöglichen dem Leser, sich ganz tief in diese Geschichte einzuleben, quasi als stiller Besucher mit Hans Castorp zu leiden, zu lieben und zu leben. Ein absolut zeitloser, anspruchsvoller Lesegenuss!
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