Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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57 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein packender Roman als Brücke zuur Religion, 6. August 2006
"Denn darum geht es doch in Romanen, nicht wahr? Darum, die Wirklichkeit exemplarisch umzuformen, und zwar so, dass die Wahrheit ans Licht kommt," heißt es auf Seite 8 des vorliegenden Buches. Wie Yann Martell dieses so einleuchtende aber unendlich schwer umzusetzende Programm verwirklicht, ist, gelinde gesagt, ein Meisterwurf. Erzählt wird die erstaunliche Geschichte des kleinen Pi (daher der Titel der englischen Originalausgabe "Life of Pi", die im Jahre 2002 den Booker Price gewann), der als Sohn eines Zoodirektors im indischen Pondicherry aufwächst. Die Miniaturwelt der ehemaligen französischen Enklave Pondicherry an der Koromandelküste dreht sich dabei als Schaubplatz der Bildungsgeschichte des kleinen Pi auf so eigentümliche Weise um Götter und Tiere, dass man sich lange vor dem "Schiffbruch mit Tiger" fragt, wie diese beiden Phänomene wohl zusammenfinden sollen. Zunächst aber erfährt der Leser aus der Perspektive eines indischen Landzoos jede Menge Interessantes, Kurioses. Wissenswertes aus dem Alltag unserer Mitgeschöpfe. Was es dabei über die "Waffen der Tiere", den "Konservativismus der Tiere", das Schicksal ausgesetzter Tiere, das Dreifingerfaultier, die Dorade und vieles andere zu lesen gibt, macht die Erzählung gleichsam nebenbei auch zu einem ganz ausgezeichneten Tierbuch.
So weit und schon so gut. Im zweiten Teil gewinnt die bis dahin eher beschauliche Geschichte eine unerwartete und unerhörte Dramatik. Das Schiff, auf dem Pis Familie mitsamt den Tieren nach Kanada auswandern will, sinkt auf der Überfahrt und der kleine Pi findet sich plötzlich mit einer Hyäne, einem Zebra einer Ratte, einem Organ Utan und dem bengalischen Königstiger "Richard Parker" ganz alleine auf in einem Rettungsboot. Zuerst liegt der Tiger seekrank und unbemerkt unter der Plane, und die Hyäne macht sich in grauenhaft Weise über das wehrlose Zebra her, auch das tapfere Orang Utan Weibchen wird von der Hyäne zerfleischt, doch dann taucht der Richard Parker auf, und alles wird anders. Zuerst muss die Ratte daran glauben, dann wird die Hyäne zerfetzt, wie aber überlebt der kleine Pi? Das ist der Gegenstand des spannendsten Buchteiles, dessen Einzelheiten hier nicht verraten werden sollen. Nur so viel: in einer Kombination aus klassischer Konditionierung, Findigkeit und Gottvertrauen, mit erstaunlichen Fähigkeiten im Beibootobau und der Absage an jede Art von vegetarischer Ernährung schippern Pi und der Tiger Richard Parker nicht weniger 227 Tage über den pazifischen Ozean ehe sich ihre Geschicke an der Küste Mexikos trennen. Schon allen dieser Plot ist ein Kracher, und sorgt dafür, dass kaum jemand dieses Buch ohne Not aus der Hand legen wird, ehe er nicht erfahren hat, wie die Geschichte ausgeht.
Aber das ist noch nicht alles. Die Untersuchungen der Versichungsgesellschaften über den Schiffsuntergang fördern plötzlich eine Alternativgeschichte zutage, die die Bedeutung des Romans völlig verändert und ihn endgültig in die literarische Oberliga erhebt. Wie das geschieht, soll hier nicht dargestellt werden, denn selbst dahinter zu kommen und sich seine eigene Deutung zu erarbeiten, ist nicht nur ein literarischer Genuss sondern ist ein philosophisches Erlebnis. "Es sind nicht die Atheisten, die ich nicht leiden kann, sondern die Agnostiker,"heißt es dazu auf S. 47 des Buches. "Eine Zeitlang ist der Zweifel ein nützliches Mittel. Jeder von uns muss durch den Garten Getsemaneh." Auch wenn sich das vielleicht ein wenig pathetisch anhört: das vorliegende Buch ist mit seiner wunderbaren Parabel und seiner überraschenden Pointierung dazu geeignet, die Zweifel, der uns alle plagt, zu lindern und zu einer echten religiösen Einsicht zu führen. Sechs Punkte, wenn es möglich wäre.
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42 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Um mal mit den schlechten Rezensionen aufzuräumen..., 1. September 2005
Habe dieses Buch vor einem halben Jahr gelesen, habe mir jetzt die Rezensionen dazu angesehen und bin ehrlich ob der Argumentation der unzufriedenen Leser schockiert. man wolle nichts über Religionen, Zoos oder Schiffbrüche lesen...liebe Leute, sowas STEHT IM KLAPPENTEXT, dann kauft euch das Buch halt nicht. Zum zweiten muss ich eingestehen, dass dieses Buch einen Leser fordert, der auch in der Lage ist, sich eigene Gedanken zu machen, WER VORGEKAUTE WEISHEITEN HABEN WILL KANN SICH GERNE NEN BAUERNREGELKALENDER KAUFEN.So, sorry, das musste mal gesagt werden. Also, lieber Interessent, der du jetzt wissen willst, was dich bei dem Buch erwartet: Du wirst ein Buch lesen, das dich in eine völlig fremde Welt voller Wunder und Phantasie entführt, das dir Denkanstöße gibt und dich hin und wieder auch grübelnd zurücklässt. Dass es den Glaube an Gott zurückgibt halte ich für überzogen, ich hab vorher nicht an Gott geglaubt und tue es immer noch nicht, dennoch hat mich dieses Buch, das soviele religiöse Sachverhalte anspricht und auch demonstriert, ohne selbst missionarisch zu sein, tief berührt. Lass es auf den Versuch ankommen und lies es, und wenns dir nicht gefällt, formulier hier eine anständige Begründung, um den unzufriedenen Rezensenten hier ein gutes Vorbild zu sein :). Wenn es dir aber gefällt, stell es in dein Regal und denk ausführlich drüber nach, und du wirst sehen, wie gut es dadurch wird.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
brilliant - und so ganz anders, 2. Dezember 2002
Stilblüten? Alltag? Einen unpassenderen Titel hätte sich der Übersetzer nicht ausdenken können. Nichts ist alltäglich am Leben des Pi, 16jähriger Sohn eines Indischen Zoobesitzers, dessen Familie samt Zoo nach Kanada auswandert und nicht ankommt, da das Schiff sinkt. Im Rettungsboot treffen aufeinander: Pi, ein Zebra, eine Hyäne, ein Orang-Utan und ein Tiger, von denen nach einer Woche noch Pi und Tiger Richard Parker übrig bleiben - Tiger sind wild und hungrig, klar. Beide überleben den Ozean, miteinander und durcheinander, 227 Tage lang. Zeit genug für einige Einsichten in „Gott-und-das-Leben" und was es bedeutet, Mensch zu sein, am Leben zu sein, wo Menschsein und Leben eigentlich nicht mehr möglich sind. Eine großartig erzählte, fesselnde, teils sehr witzige Geschichte, einzigartig und außergewöhnlich - der Booker-Preis sagt ja eigentlich alles. Sie sollten sich das Buch nicht entgehen lassen, wenn Sie 1. gute Geschichten mögen, 2. Tiere mögen, 3. keine Love, Sex and Crime-Geschichte suchen und 4. es schätzen, nach 100 faszinierenden Kapiteln erst so richtig zum Denken angeregt zu werden. Und: diese Geschichte hat ein happy end. (Kommentar bezieht sich auf englisches Original - ich kann nur hoffen, dass das Buch nicht so schlecht übersetzt ist wie der Titel!)
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