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Die Jahre mit Laura Diaz
 
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Die Jahre mit Laura Diaz (Taschenbuch)

von Carlos Fuentes (Autor), Ulrich Kunzmann (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 559 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 4., Aufl. (18. April 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596148111
  • ISBN-13: 978-3596148110
  • Originaltitel: Los anas con Laura Diaz
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,1 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 142.914 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lesezeichen

Von Löwen- und Hasenherzen

Carlos Fuentes' Roman «Die Jahre mit Laura Díaz»

Geschichte kann man immer wieder erzählen und immer neu. Der Mexikaner Carlos Fuentes, einer der fruchtbarsten Autoren Lateinamerikas, hat die Geschichte seines Landes schon oft gestaltet, als Tragödie und Groteske, als Utopie, Experiment und literarisches Spiel. In seinem neuen Roman «Die Jahre mit Laura Díaz» kehren die Helden und Unholde des vergangenen Jahrhunderts noch einmal wieder, vom ewigen Präsidenten Porfirio Díaz über die legendären Rebellenführer Emiliano Zapata und Pancho Villa zu der zweifelhaften Galerie «institutionalisierter» Revolutionäre an der Staatsspitze, nicht zu vergessen jenen, der 1968 den Studentenprotest auf dem Platz von Tlatelolco zusammenschiessen liess.

Wegen dieses staatlichen Gewaltakts hatte Fuentes seinerzeit Mexiko verlassen. 1968 ist für ihn, wie für so viele Intellektuelle rund um die Welt, ein Schlüsseldatum und eine verpasste Chance. Sein neuer Roman läuft auf dieses Ereignis zu wie auf ein Verhängnis; die emphatische Tonlage, in der er Hoffnung und Begeisterung der Studenten nachzeichnet, erinnert an die romantischen Barrikadenkämpfe in Victor Hugos «Les Misérables». Doch anders als für Hugos Helden gibt es bei Fuentes keine Rettung; Santiago, der hochherzige Studentenführer, gehört zu den Opfern der Repression; seine Witwe darf die Leiche betrachten, begraben darf sie sie nicht. «In der Stadt darf es morgen keine fünfhundert Trauerzüge geben. Werft sie in ein Massengrab. Lasst sie verschwinden.» Laura Díaz, der Grossmutter Santiagos, gelingt es, ein kleines Schild an seinem rechten Fuss zu befestigen mit der Aufschrift «Santiago der Dritte 1944–1968. Eine Welt, die noch zu schaffen ist». Auch ein Epitaph.

Carlos Fuentes erzählt auch deshalb immer wieder von politischen Gewalttaten in seinem Land, weil sich diese unaufhörlich reproduzieren. Sie legen eine zyklische Deutung und Gestaltung selbst nahe. Die Toten von 1968 sind die Nachkommen derer von 1910, Santiago der Dritte ist ein Wiedergänger seines Grossonkels, des ersten Santiago, der im Namen des Diktators Porfirio Díaz erschossen und ins Meer geworfen wurde. Die Fortdauer des krassen sozialen Ungleichgewichts zeugt neue Gewalt; zuletzt – das übersteigt den Horizont des Textes – bei den Indios von Chiapas, für die sich Fuentes nachdrücklich eingesetzt hat. Die verzweifelte, fast hoffnungslose Liebe des Autors zu seinem Land, das die Ausbeutung der Armen hinter revolutionärer Rhetorik verbirgt, um sie um so schamloser praktizieren zu können, spricht, wie aus dem ganzen Werk des Autors, so auch aus seinem neuen Roman.

Noch einmal also das Trauerspiel Mexikos, auf fast 600 Seiten, über sechs Generationen und fast hundert Jahre. Noch einmal jener Stoff, dem der inzwischen 72jährige Autor schon Romane, Erzählungen und Essays in imponierender Anzahl (teilweise auch imponierender Qualität) abgerungen hat. Der neue Versuch hat indes nicht die Kraft der vorangehenden – weil er nicht deren Mut hat. In «Terra Nostra» etwa oder «Christoph, ungeborn», den ambitiösesten Vorgängern, erfasste die «unmögliche» Geschichte Mexikos auch die Form, zwangen die Ereignisse ihre Darstellung in eine jeweils neue, nie vorher eingeschlagene Richtung. «Die Jahre mit Laura Díaz» sind dagegen eine konventionell erzählte Chronik bekannter Ereignisse, die sich meist im Hintergrund abspielen. Hier wird die Geschichte zum Panoptikum, das in aller Eile vorbeizieht und nicht mehr als ein paar Aha-Effekte auslöst.

Mit der Titelfigur gibt sich Carlos Fuentes viel Mühe. Die Tochter eines Bankdirektors – mit der in Lateinamerika obligat skurrilen Verwandtschaft, die der Autor zum Teil der eigenen Familienüberlieferung entnommen hat – entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit überkommenen Rollen und diversen Männern zur selbstbewussten Persönlichkeit, ja zur Künstlerin. Ein Emanzipationsroman à la mexicaine also, der sich vor allem mit der Vorstellung des Mannes als Held auseinandersetzt. So lässt Laura ihren Mann, einen umjubelten Arbeiterführer, brutal fallen, als sie den ängstlichen, biederen, trägen Kern hinter der glänzenden Fassade erkannt hat.

Zum Glück naht bald ein Ersatzheld in Gestalt eines spanischen Bürgerkriegs-Flüchtlings. Der zweifelt allerdings selbst am Sinn seines Einsatzes, weil er ein junges Mädchen nicht vor dem Erschiessungskommando und ein anderes nicht vor der Deportation retten konnte, und büsst sein «Versagen» im Kloster, wo er beim Reinigen der Latrinen die Heilkraft der Erniedrigung erlebt. Lauras dritter Liebhaber hat zwar ebenfalls im Bürgerkrieg brilliert, später aber vor dem McCarthy-Ausschuss Namen preisgegeben. Als sie erkennt, dass in der Männer Brust mal ein Löwen-, mal aber ein Hasenherz schlägt, löst das bei Laura einen Läuterungsprozess aus – es sind nicht die besten Männer, die sie für Helden gehalten hat – und beim Leser die Erkenntnis, dass mit dem ganzen Heldenwesen – sprich: dem Machismo – etwas nicht ganz in Ordnung sein kann.

Dieser Prozess kommt allerdings Lauras erstem Mann nicht zugute, den der Autor nicht weniger schnöde abserviert als seine Heldin: Nachdem er ihn über Hunderte von Seiten als Pantoffelhelden hat schlurfen lassen, bereitet er ihm einen schmählichen Tod auf der Toilette. Selten ist eine literarische Figur von ihrem Schöpfer so denunziert und exekutiert worden, wobei sogar der gerade erst erhöhte Bewusstseinsstand seiner Heldin unterschritten wird. Auch der Zusammenhang zwischen Machismo und politischer Gewalt, der sich doch hier geradezu aufdrängt, wird literarisch nicht weiter verfolgt.

Überhaupt zeigt sich Carlos Fuentes in diesem Roman seinem Vorhaben nur noch teilweise gewachsen. Ästhetisch sind «Die Jahre mit Laura Díaz» geradezu ein Monstrum, zusammengesetzt aus grossen Gesten und kraftlosem Gefuchtel, aus Al-fresco-Malerei und kleinlichem Gekritzel, aus Gold und Stroh. Immer wieder gelingt es Fuentes, seinen Leser mit grandiosen Porträts zu packen – unvergesslich jener Priester, der seine Gemeinde mit Tugendterror in Atem hält und dann mit dem Kirchenschatz durchbrennt –, immer wieder schwingt er sich zu rhetorischen und lyrischen Höhen auf, erweist er sich noch einmal als grosser Sprachmagier. Auf die lange Strecke freilich hält er dieses Niveau nicht durch. Darunter hat vor allem die Titelgestalt zu leiden. Allzu schematisch wirkt ihre Emanzipation, mehr behauptet als vollzogen; allzu abrupt die Metamorphose zur Künstlerin; schwer erträglich schliesslich die zahllosen Monologe und Dialoge, die oft so klingen, als hätten alle Teilnehmer langjährige Therapien hinter sich. «Kunst war Auswahl», sagt Laura Díaz einmal. Der Autor hat diesen Satz nicht unbedingt beherzigt. Dem Leser indes kann er bei der Lektüre helfen.

Martin Ebel -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .



Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2000
Dem Rezensenten Martin Ebel ist seine Liebe zu dem mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes durchaus anzumerken, um so enttäuschter zeigt er sich jedoch über dessen neuesten Roman "Die Jahre mit Laura Díaz", den er "ästhetisch ein Monstrum" nennt, uneinheitlich und manche Figuren sogar denunzierend erzählt, eine letztlich "konventionelle Chronik" der gewaltsamen politischen Vergangenheit Mexikos in den letzten hundert Jahren. Für ihn ist es zugleich ein unglaubwürdig bleibender Emanzipationsroman, der eher holzschnittartig den Machismo beschreibt. Auch in seinen früheren Romanen, schreibt Ebel, habe sich Fuentes immer wieder der großen Geschichte seines Landes zugewendet, aber dieses Mal habe es ihm an Kraft gefehlt, den Stoff durchgehend zu gestalten und entsprechend auch der Mut, sein Schreiben formal in eine neue Richtung zu treiben.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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2.0 von 5 Sternen Magischer Realismus abgenudelt, 3. Januar 2009
Von Thomas Reuter (Düsseldorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REVIEWER)   
In den 70er und 80er Jahren machte ein bestimmter Romanstil aus den latein- und südamerikanischen Ländern Furore, der bald unter dem Chiffre Magischer Realismus bekannt wurde. Autoren wie Marquez, Allende, Llosa und andere waren seine Protagonisten und ihre Geschichten oszillierten eigenartig zwischen Phantasie und Realität, so dass man aus ihren Beschreibungen unschwer surrealistische Gemälde hätte erstellen können. Es waren faszinierende Bücher, aber der Stil ließ sich leicht abkupfern.
Bei Carlos Fuentes' "Die Jahre mit Laura Díaz" bleibt nur noch die Methode. Die Geschichte selber ist todlangweilig. Der Titel sagt bereits alles: Welche Jahre? Und wer ist Laura Díaz? Eine Unbekannte. Als Romanfigur eine Totgeburt, die einzig und allein als Medium der Geschichte dient, die erzählt werden soll. Und erzählt werden sollen die Jahre, nämlich die Jahre des 20. Jahrhunderts von Mexiko. Es handelt sich also um eine Versuchsandordnung: Man nehme irgendeine eigenschaftslose Figur und führe sie durch die Wirren der Zeit, lasse sie mit den großen Persönlichkeiten der Nation verkehren, als da wären Diego Riveras, Frieda Kahlo, Revolutionären, Staatsmännern und Outlaws und schon hat man seinen grandiosen zeitgeschichtlichen Roman - alles ein wenig aufgetischt mit den Mitteln des Magischen Realismus.
Warum soll ich das lesen? Es langweilt mich. Und zwar, weil die Figuren alle nicht echt sind, weil sie keinen Charakter haben, weil sie lediglich als Mittel benutzt werden, um die Geschichte des Landes zu erzählen. Nach der Hälfte dieses 600-Seiten Romans habe ich das Handtuch geworfen.

Thomas Reuter
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Familiensaga vor dem Hintergrund der Geschichte Mexikos, 10. April 2001
Anhand eines Frauenportraits wird in diesem Roman die mexikanische Geschichte des 20.Jahrhunderts, von der Revolution bis zur blutigen Niederschlagung des Studentenaufstandes 1968, dargestellt. In der spannenden Schilderung des wechselvollen Lebens der Laura Diaz, in dem sich die Familienanekdoten aus der Kindheit von Carlos Fuentes wiederspiegeln, sind die Schicksale der Protagonisten mit den gesellschaftlichen Umbrüchen untrennbar verbunden.

Wohlbehütet auf der Kaffeeplantage des deutschstämmigen Großvaters aufgewachsen, lebt Laura Diaz zunächst als Hausfrau und Mutter. Nach dem Tod ihres Mannes, eines revolutionären Arbeiterführers, hat sie Kontakt zu dem legendären Künstlerpaar Frida Kahlo und Diego Rivera. Sie lebt mit verschiedenen Männern zusammen und entwickelt sich spät zu einer erfolgreichen Fotografin.

Carlos Fuentes, selbst in den USA aufgewachsen, spannt in seinem Buch auch einen Bogen in die wechselhaften Beziehungen zwischen Mexiko und den USA, wo ein Enkekind von Laura Diaz in Detroit in einem Wandgemälde von Diego Rivera das Bild der Laura Diaz entdeckt. Dies wird zum Ausgangspunkt des Romans, der äußerst eindringlich, phantastisch und sehr bildhaft die Lebenswege seiner Romanfiguren aufzeichnet. Carlos Fuentes, in der Tradition der großen lateinamerikanischen Autoren, entwickelt auch in seinem jüngsten Roman eine erzählerische Kraft und Authentizität, die den Leser zu fesseln vermag.

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