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Die gläserne Grenze
 
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Die gläserne Grenze (Taschenbuch)

von Carlos Fuentes (Autor), Ulrich Kunzmann (Übersetzer)
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 333 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (Juli 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596146461
  • ISBN-13: 978-3596146468
  • Originaltitel: La frontera de cristal
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,1 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 113.133 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Nord und Süd

Carlos Fuentes erzählt von der «gläsernen Grenze»

Von Katharina Döbler

Der Rio Grande/Rio Bravo, der Grenzfluss zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko, ist ein sehr symbolisches Gewässer: symbolisch für den tiefgreifenden Unterschied zwischen Nord und Süd, dem reichen und dem armen Nachbarn.

In seinem neuesten Roman beschreibt Carlos Fuentes, der gegenwärtig wohl bekannteste und gewiss produktivste Prosaschriftsteller Mexikos, diese bedeutsame Grenze. Er beschreibt sie als gläserne Trennwand, durchsichtig, aber nicht durchlässig; wem gestattet ist, sie von Süd nach Nord zu überschreiten, der gehört zu den Privilegierten. Für die anderen ist der Grenzübertritt illegal, eine Übertretung; auf der Suche nach einer besseren Zukunft, nach Reichtum oder auch nur um des materiellen Überlebens willen. Von Nord nach Süd dagegen überquert man den Fluss meist zu touristischen, seltener zu geschäftlichen Zwecken.

ANTAGONISMUS

Fuentes, als Harvard-Professor, Diplomat und Träger internationaler Preise selbst Grenzgänger von höchsten Ehren, richtet seinen beobachtenden und scharfen Blick auf beide Seiten. Seine Parteinahme allerdings für die Armen und Rechtlosen, seine Sympathie für die Mexikaner diesseits und jenseits der Grenze ist deutlich. Der entsprechende Diskurs der siebziger und achtziger Jahre, die Dritte-Welt-Theorien und Anklagen wider den US-Imperialismus haben sich mittlerweile – Fuentes hat dieses Buch 1995 geschrieben – zu einem vielschichtigeren und vielfältigeren, aber grundsätzlich noch immer dialektischen Verständnis des Gegensatzes von Nord und Süd gewandelt. Der Roman ist als Zyklus von neun Erzählungen gebaut, die zunächst gar nichts, oder nur sehr weit entfernt, miteinander zu tun haben; manche spielen dort, wo El Paso, Texas, und Juárez, Mexiko, durch einen Fluss getrennt und durch eine Brücke verbunden sind. Einige spielen in den USA, andere in Mexico City. Ihre Helden sind: ein Mitglied der mexikanischen Oligarchie, eine Arbeiterin, ein Krimineller, ein Grenzpolizist, ein Taxifahrer, ein Medizinstudent, ein junger Schriftsteller, eine Hausangestellte, ein Schlepper und so weiter, quer durch das soziale Panorama; sie sind Mexikaner, Gringos, Chicanos.

Fuentes' notorische Kritik an der politischen und wirtschaftlichen Elite seines Landes findet in diesem Buch ihren Niederschlag im Porträt des Don Leonardo Barroso: Landbesitzer, Patriarch, Aufsteiger und gerissener Geschäftspartner der Gringos. Er verheiratet seine Patentochter kaltschnäuzig mit seinem missgestalteten Sohn, um sie dann zu seiner Geliebten zu machen. Er verfrachtet seine Landsleute als moderne Arbeitssklaven nach New York, und seine Geschäfte sind nicht immer legal. So wie Don Leonardo exemplarisch skrupellos und böse dasteht, erscheint dagegen in einer anderen Erzählung Josefina, die bescheidene mexikanische Hausangestellte, trotz ihrem schweren Leben – der Mann unschuldig im Gefängnis und die Hausherrin ein ausgesprochenes nordamerikanisches Ekel – exemplarisch würdevoll und gut. «Michelina war wie eine Nonne in einem Ordenskleid von Yves Saint Laurent, anstelle des Rosenkranzes trug sie eins dieser Coco-Chanel-Täschchen mit Goldkette» – fast alle Figuren dienen, wenn auch nicht in solch extremer Weise, als Repräsentanten ihres sozialen Status und ihrer Nationalität und damit den grundsätzlichen und dialektischen Absichten des Autors.

IRONISCHER DREH

Und doch gelingt es der kraftvollen und mitreissenden Sprache, sie lebendig werden zu lassen; vielleicht liegt dies auch an dem ironischen Dreh, mit dem Fuentes immer wieder Klischees – vom Latin Lover über die blonde Gringa bis zu kosmetisch operierten High-Society-Damen – aufbläst, bis sie beinahe bersten. Die Übersetzung allerdings bewegt sich nicht ganz auf der originalen sprachlichen Höhe. Sie transformiert manche Sätze zu fast schon unverständlichen langschwänzigen Monstren (spanische Satzkonstruktionen kann man im Deutschen nun einmal nicht in endlos aneinandergehängten Relativsätzen wiedergeben) und neigt auch sonst zu Ungeschicktheiten.

Das gemeinsame Auftreten all der nur lose miteinander verknüpften Figuren in einem Roman bekommt seine Rechtfertigung erst im letzten Kapitel, das die Fäden der einzelnen Erzählungen noch einmal aufgreift und zum Finale bündelt. Tatsächlich muss man diesen Text von seinem furiosen Ende her begreifen, um ihn überhaupt zu begreifen. Dass sich plötzlich so viele Schicksale in einem entscheidenden und gewaltsamen Ereignis kreuzen, erinnert an das Konstruktionsprinzip der «Brücke von San Luis Rey». Aber Fuentes lässt sein Buch nicht, wie Thornton Wilder, in die Einsicht eines sich erfüllenden Schicksals münden, sondern in einen Schwebezustand, in dem (fast) jedem der Akteure noch viele Möglichkeiten bleiben; so dass man eher von einem synthetischen Höhepunkt sprechen kann als von einem Schluss – jedenfalls was das Erzählerische betrifft.

Aber da das Erzählen in diesem zutiefst politischen Werk eher zweitrangig ist, gibt es doch noch einen richtigen Schluss, einen weltanschaulich und zugleich ironisch paraphrasierenden: «Nördlich vom grossen Fluss, / südlich vom wilden Fluss, / die Worte sollen fliegen, / armes Mexiko, / arme Vereinigte Staaten, / so fern von Gott, so nahe beieinander.»

Dieser harmonische – oder eher symmetrische – Schlusschoral nimmt Fuentes' fundamentaler Kritik an den USA die Einseitigkeit. (Eine Kritik, die er, wenn man García Márquez glauben darf, auch beim Mittagessen mit Präsident Clinton übt.) Und dieweil die Szene wie in einer filmischen Totale erstarrt, flattern Zettel mit Manuskripten junger Chicano-Autoren über den Fluss: Flugblätter im wahrsten Sinne des Wortes. Und die mexikanischstämmigen jungen US-Amerikaner mit den zweifachen kulturellen Erfahrungen erscheinen als Hoffnung für die Zukunft, ihre Literatur als Synthese des amerikanischen Nord-Süd-Antagonismus. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Kurzbeschreibung

»Armes Mexiko, so fern von Gott und so nah bei den Vereinigten Staaten.«

Bewegend erzählt Carlos Fuentes von Menschen, die zu »Grenzgängern« werden zwischen Mexiko und den USA. Getrieben von ihrer Sehnsucht, ein kleines Stück Unabhängigkeit zu erringen, von ihren Träumen oder einfach nur von dem Wunsch, ihre materielle Existenz zu sichern, suchen sie alle nach Erfolg, Freiheit und Glück und zahlen oft einen hohen Preis: den der Vereinzelung und kulturellen Entwurzelung.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen DIe Grenze bestimmt das Leben, 24. April 2003
Von S. Liebener "sliebener" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Carlos Fuentes ist wirklich ein außerordentlich gutes Buch über die Wirrungen und Irrungen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze gelungen. Besonders mitreißend sind die Metapher und bildreichen Ausdrücke, die eine spezielle Kraft und Farbe versprühen.
Das Buch verwebt verschiedene einzelne Geschichten um Personen, die irgendeine Beziehung zur Grenze haben. Interessant ist aber, das Carlos Fuentes dabei nicht im selben Erzählstil verweilt, sondern durchaus unterschiedlich die Schicksale der Menschen dem Leser darstellt. Eine für mich sehr beeindruckende wie nachdenkliche Geschichte ist „Die Linie des Vergessens", in der Autor ohne einen Dialog in der Ich-Form auskommt und trotzdem eine enorme Spannung nur durch die Worte bzw. Gedanken des alten Mannes hat. Humorvoll und nicht weniger lesenswert dagegen die Geschichte „Die Beute", in der ein Meisterkoch in einem Restaurant zu jedem Gang eine Frau serviert bekommt und das schildert Carlos Fuentes mit viel Ironie. Insgesamt kann ich dieses Buch sehr empfehlen und denke, dass es Beitrag zum Verständnis der Grenzproblematik darstellt. Letztlich schwingt in vielen Geschichten Trauer, Leid, Armut und Probleme jeglicher Art mit und Fuentes zeigt mit seiner teilweise versteckten teilweise offenen Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen ganz deutlich auf, dass das Leben an der Grenze sehr hart sein kann.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Schicksale zwischen Mexiko und den USA, 5. April 2001
Von Ein Kunde
In einzelnen, zunächst scheinbar nicht verbundenen Episoden zeigt Fuentes einzelne Schicksale von Mexikanern und US-Amerikanern, die sich über die Grenze dieser beiden Staaten bewegen. Nach und nach fügen sich die einzelnen Erzählungen zu einem teils beklemmenden, teils humorvollen - aber immer poetischem - Mosaik zusammen.
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