Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kafkaeskes Werk des Nobelpreisträgers 2003, 7. Januar 2004
Als ich auf dem Buchrücken las: „Man muß schon auf Kafkas „Prozess"- oder „Schloß"-Parabeln zurückgehen, um einen Vergleich für diese intensive Darstellung der existentiellen Situation eines identitätslosen Menschen in einer fremden Umwelt zu finden.", habe ich an eine Übertreibung des Kritikers der Frankfurter Rundschau geglaubt. Aber es stimmt. Nicht nur aufgrund des Namens (K.) der Hauptfigur, sondern insbesondere durch den sehr charakteristischen Schreibstil drängen sich Vergleiche mit Kafka auf. Das Buch ist eine Mischung aus dem „Schloß" oder „Amerika" und Thomas Manns Roman „Der Erwählte". Zum Teil verändert sich die Welt um Michael K. in Sekunden (beispielsweise bezeichnet er einen Fremden, der ihm von seinem Kuchen abgibt, innerhalb Minuten als "seinen Freund"), andererseits vegetiert er über Monate in einem Erdloch, ohne nennenswerte Nahrung, ohne Kontakte, ohne erwähnenswerte Beschäftigung.Ein verstörendes Werk, faszinierend in der Sprache, das auch einen guten Einblick in die Welt Südafrikas vor dem Ende der Apartheid gibt. (Ich war gerade in SA, und die früheren Umstände sind fast nicht mehr vorstellbar.) Nach dem Lesen von Coetzees "Schande" konnte ich mir noch kein Urteil bilden, ob er den Nobelpreis 2003 verdientermaßen erhielt (soweit ich überhaupt so anmaßend sein darf, dies zu beurteilen). Nach "Leben und Zeit des Michael K." bin ich persönlich sehr wohl der Meinung, daß nach Imre Kertecz zum zweitenmal hintereinander ein Autor völlig verdient diesen renommierten Preis erhalten hat. ich werde Coetzee weiterhin lesen.
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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf der Suche nach dem eigenen Garten..., 21. Juli 2008
J. M. Coetzee entführt den Leser in seinem parabelhaften Roman "Leben und Zeit des Michael K." in ein von Krieg gebeuteltes und anarchistisches Kapstadt (wobei die Kaphalbinsel hier symbolisch für ganz Südafrika ist), ein Horrorszenario, in dem auf den Straßen geplündert und geschossen wird. Die Regierung führt einen "Krieg", der jeden betrifft, dessen Grund (bzw. Motivation) aber offensichtlich niemand verstehen kann. Michael K., der sympathische, vaterlose Antiheld, der in einem Heim aufgewachsen ist, der fast identitätslos und wurzellos ist, der die Welt nicht verstehen kann und auch nicht verstehen will, der eigentlich nur Gärtner sein will, flieht trotz seiner Apathie, trotz fehlender Leidenschaft, aus reinem Pflichtbewusstsein zuerst mit seiner Mutter, nach ihrem Tod nur noch mit ihrer Asche aufs Land um dort in Ruhe von dem zu leben, was das Land ihm geben kann. Einzig der Wunsch, Gärtner zu sein, scheint ihn zu beflügeln. Er wird von den Behörden schikaniert, in ein Lager gesteckt, aus dem er fliehen kann, bis er als vermeintlicher Helfer einer terroristischen Gruppe verhaftet, aber aufgrund seines schwachen Zustands in ärztliche Behandlung in ein weiteres Lager (hier wird ihm sogar das letzte bisschen Identität genommen, das er noch hat, er wird hier statt Michael K. nur mehr Michaels genannt) kommt. An dieser Stelle wechselt Coetzee die Erzählperspektive und lässt nun den Arzt fast Reporthaft seine Eindrücke schildern. Der letzte, ganz kurze dritte Teil ist dann wieder Michael K. vorbehalten.
Es ist faszinierend, wie einfach und lakonisch J. M. Coetzees Prosa ist, wie genau er mit wenigen Worten sagt, was er sagen will. Ein Roman, der Spuren hinterlässt, der betroffen macht, der sehr lange im Gedächtnis bleibt. Ein Meisterwerk und einer jener seltenen Romane, bei denen die Fünf-Punkte-Wertung eigentlich ungenügend ist...
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein besonderes Buch, 27. Januar 2006
Von Ein Kunde
Mein erster Roman von Coetzee war "die Schande". Wie genau ich darauf gestoßen bin, daran kann ich mich nicht erinnern. Eins steht jedoch fest, ich bin dem Zufall sehr dankbar, denn er führte mich zu diesem beeindruckenden Autor. Selbst zwei mal in Südafrika gewesen, erinnere ich mich sehr gut an die riesigen Townships, in denen Menschen auch heute noch - nach dem offiziellen Ende der Apartheid - wie Tiere vegetieren müssen. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Wie schlimm muß es also dem Protagonisten Michael K. tatsächlich ergangen sein? Die wildromantische Schönheit dieses Landes im Hinterkopf vergißt man nur allzu schnell, daß nichts - aber auch gar nichts - ein Heimatgefühl ersetzen kann, wenn es nicht irgend einen Sinn für die Menschen gibt, zu LEBEN. Leben für ein Dach über dem Kopf, einen trockenen Schlafplatz, ein paar Samen in dürrer Erde und das Gefühl, gebraucht zu werden.
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