Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Insgesamt lesenswert. Aber Mr. Greenspan ist sicher nicht so harmlos wie er tut, 6. November 2007
Die Autobiografie von Alan Greenspan ist eine sehr angenehme Lektüre. Anders als seine doch bemerkenswert kryptischen Kommentare als Notenbankchef ist das Buch gut verständlich und sehr unterhaltsam geschrieben.
Die erste Hälfte widmet sich den Stationen seines Lebens, während die zweite Hälfte aus Essays zu wirtschaftlich interessanten Themen besteht.
Aus meiner Sicht hat das Buch jedoch die Schwäche, dass es etwas zu sehr an der Oberfläche unterwegs ist. An vielen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass das Buch eine Ebene weiter in die Tiefe geht. Stattdessen bleibt es an der Oberfläche, mit zwar gefällig zu lesenden Aussagen, die letztendlich aber doch nur Variationen des Themas "Der vollkommen freie Marktwirtschaft ist eigentlich insgesamt doch am besten" sind.
Dies zeigt sich zum Beispiel in den Kapiteln zu "Bildung und Ungleichheit" und "Unternehmensführung", in denen er sich mit den ausufernden Gehältern von Vorständen im Allgemeinen und Vorstandsvorsitzenden im Besonderen beschäftigt. Hier verwischt er, meines Erachtens bewusst, ein wenig die Begrifflchkeiten und verlagert im Verlaufe des Essays die Diskussion von den Vorstandsgehältern auf Studien, die zeigen dass Leute mit höherer Bildung (Allgemeine Angestellte mit Personalverantwortung, Freiberufler und Topmanager) in der jüngeren Vergangenheit stärkere Gehaltszuwächse hatten als Leute mit geringerer Ausbildung. Das ist natürlich richtig, aber insofern verzerrend, dass vermutlich 90% des Gehaltszuwachses dieser breiter gefassten Gruppe auf die extrem kleine Teilgruppe der Topmanager entfallen. Trotzdem ist die Diskussion geschickt vom eigentlichen Thema der CEO Gehälter abgelenkt und das ist vermutlich auch das Ziel der Kapitel.
Ein weiteres Beispiel ist das letzte Kapitel in dem er sich mit möglichen Auswirkungen demographischer und anderer Entwicklungen auf die etwas fernere Zukunft auseinandersetzt. Die Diagnose dessen was vermutlich passieren wird, ist sehr schlüssig dargestellt. Was mir als jemand, der VWL nicht mit der Muttermilch aufgesogen hat, fehlte war eine etwas detailliertere Darstellung dessen, was dies für Otto Normalverbraucher praktisch bedeutet und wie er sich für verschiedene Szenarien praktisch wappnen kann.
Insofern muss man dieses Buch, so gefällig es auch geschrieben ist, insgesamt mit Vorsicht geniessen.
Mr. Greenspan macht sich vermutlich sehr viel kleiner als er tatsächlich war, auch wenn er wie er selbst schreibt, letztendlich vielleicht wirklich nur Glück hatte, dass seine Amtszeit in die Zeit der Öffnung des Ostens und den daraus resultierenden massiven Druck auf die Inflation fiel.
Die Rezepte die er vorschlägt sind für die Wirtschaft als Ganzes sicherlich gut, die Frage wie sich der gewonnene Wohlstand gerechter auf die einzelnen Akteure verteilen lässt, blendet er meines Erachtens bewusst aus.
Trotzdem bietet dieses Buch viele interessante Gedanken auch für das deutsche Publikum und ist deshalb unbedingt lesenswert.
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48 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der andere Greenspan, 5. Oktober 2007
Den meisten Lesern wird es mit Alan Greenspan wohl so gehen wie mir. Sie kennen seinen Namen, seine Funktion und seine regelmässigen Verlautbarungen. Wer allerdings versuchte, Greenspans Prognosen über den Fortgang von Wirtschaft und Zinsen zu verstehen, las lieber gleich die Horoskopseite einer Frauenzeitschrift.
Umso überraschender ist nun Greenspans Biografie. Nicht weil er das Unmögliche schaffen würde, eine wahre Lebensgeschichte aufzuschreiben, sondern weil er auf fast 600 Seiten unzählige interessante Details, Zusammenhänge und persönliche Einschätzungen preisgibt. Den Umfang seiner Memoiren bestimmt der Markt. Je gewichtiger die Person, desto dicker das Buch. Aber da sich dieses Verlagsgesetz auch bei Halbpromis herumsprach, ist darauf kein Verlass mehr. Die deutschsprachige Lesergemeinde muss auch mit der amerikanischen Eigenart leben, jeden Weggenossen, Helfer, Verbündeten und Feind beim Namen zu nennen. Doch daran gewöhnt man sich.
Wenn ich dem Buch fünf Sterne gebe, soll das nicht zur Meinung verführen, ich würde Greenspan jedes Wort glauben. Auch er ist dem menschlichen Verhaltensmuster unterworfen, die eigene Person zu überhöhen, Fehler eher bei den anderen zu suchen und Sinnlücken mit Eigenkonstruktionen zu füllen. Mir gefiel, dass mich Alan Greenspan an einem Schauspiel teilnehmen liess, das normalerweise hinter verschlossenen Türen über die Bühne geht. Und mit Genugtuung stellte ich fest, dass auch Greenspan seinen Aufstieg und Erfolg vor allem glücklichen Zufällen zu verdanken hat. "Lola rennt", ein Film für Alan Greenspan. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute treffen. Und dann noch das Richtige sagen und sich richtig verhalten. Je nach persönlichem Denk- und Glaubensgebäude macht diese Erkenntnis depressiv oder fröhlich. Spannend fand ich auch, wie Greenspan mit dem Problem umgeht, dass sich Menschen und daher auch Wirtschaftssysteme irrational verhalten. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, Greenspan verstehe von Psychologie mindestens so viel wie von Mathematik, Statistik und Wirtschaftslehre. Nur stehen ihm Sprachfertigkeiten und Wissensschätze zur Verfügung, den Entscheidungen des gesunden Menschenverstandes einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.
Achtzehn Jahre lang der mächtigste Mann der Weltwirtschaft zu sein, bringt nicht nur Klarheit, sondern vernebelt manchmal auch den Blick auf ganz alltägliche Begebenheiten. Doch Alan Greenspan scheint den Bodenkontakt nie ganz verloren zu haben. Das macht ihn und seine Lebensbeschreibung sympathisch. Wie er andere Persönlichkeiten der Welt- und Wirtschaftsgeschichte beschreibt, ist unterhaltsam, spannend und oft erhellend. So fern uns diese Halbgötter sind, Greenspan macht uns mit ihren menschlichen Zügen bekannt.
Mein Fazit: Es mag stilistisch perfektere Autobiografien geben als die von Alan Greenspan. Aber wenn ich die Wahl habe, mich durch perfekt gestylte Erlebnisberichte trällernder, tanzender oder schauspielernder Halbpromis zu kämpfen oder am grossen Welttheater teilzuhaben, ist die Entscheidung klar. Ich kann das Buch von Alan Greenspan allen empfehlen, die am grossen Weltgeschehen interessiert sind und gerne in die Garderoben der Akteure schauen.
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28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geschichte, Volkswirtschaft und Glaubensbekenntnis, 3. Oktober 2007
Alan Greenspan lässt sein bisheriges Leben vor dem Hintergrund der Weltwirtschaft und der U.S.-Volkswirtschaft Revue passieren. Die Autobiografie des ehemaligen Vorsitzenden des United States Federal Reserve Boards wirft die Frage auf, ob im Blut eines Notenbankers nicht eher Geldströme oder Zahlen fließen. Stellenweise selbstironisch beschreibt er sich selbst. Typisch für ihn sei, dass er in Venedig auf seiner Hochzeitsreise sich mit der Frage beschäftigt, wie hoch wohl die Wertschöpfung dieser Stadt sei, die seinem Weltbild der notwendigen dauernden kreativen Zerstörung so offenbar widerspricht.
Diese Episode zeigt den unterhaltsamen, teilweise humorvollen Stil, mit dem Greenspan beginnend mit der Schulzeit während des zweiten Weltkrieges bis heute sein Leben zusammenfasst. Seit Nixon stand Greenspan in der Nähe des wichtigsten Machtzentrums der Welt oder war ein Teil davon. Greenspan spricht alle wesentlichen Wirtschaftskrisen in dieser Zeitspanne an. Aber er scheut sich auch nicht die U.S.-Präsidenten auf menschlicher Ebene miteinander zu vergleichen. Alan Greenspan ist ein Analytiker und war ein Insider mit Macht aber ohne Machtsucht. Man spürt die Bürde, die in turbulenten Zeiten auf ihm gelegen hat, wenn er gegen den Willen der Politik am Ziel der Preisniveaustabilität für langfristiges Wachstum festgehalten hat.
Doch Greenspan wäre nicht Greenspan, wenn in einem Text von ihm nicht eine Nachricht versteckt wäre. Seine Nachricht in diesem Buch ist, dass wir optimistisch in die Zukunft blicken sollen, weil nach seiner Überzeugung das kapitalistische Wirtschaftssystem sehr robust ist. Die Schmerzen des permanenten Wandels der Wirtschaft, wie beispielsweise die Arbeitslosigkeit oder Kurseinbrüche an den Kapitalmärkten, sind als unangenehme aber natürliche Begleiterscheinungen eines zu mehr Wohlstand führenden Prozesses unvermeidbar. Insofern ist die Geschichte seines Lebens für diesen vergleichsweise introvertierten Mann auch die Verpackung für ein Buch über sein marktwirtschaftlich geprägtes Weltbild.
Alan Greenspans Autobiografie ist eine interessante Mischung aus Geschichtsbuch, Volkswirtschaftstheorie und Glaubensbekenntnis zum freien Markt. Kritiker der Globalisierung der Wirtschaft werden in dem Buch nicht viele Stellen finden, denen sie zustimmen. Aber es ist ein faszinierendes Buch für Leser, die Interesse an Wirtschaft und an der Entstehung unseres Global Village haben. Für diese Leser sind 549 interessante Seiten garantiert.
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