Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
revolutionär, klug und zukunftsweisend, 27. Juni 2005
Richard Layard ist ein anerkannter Ökonom in London. Er ist der "Vater" des "new deal" in england, mit dem die hohe arbeitslosigkeit gesenkt werden konnte. Diese wirtschaftspolitik führte zu höherem wachstum und geringerem staatsausgaben. Aber das war noch nicht der ganze erfolg. Layard bekam oft zu hören, dass dauerarbeitslose, die wieder arbeiten, auch glücklicher und gesünder sind. Seit jahrzenten interessierte sich Layard schon für die Idee, das glück der menschen objektiv zu messen. In diesem buch fasst Layard alle erkenntnise und forschungsergebnise zusammen, die in den letzten jahrzehnten gemacht worden sind.Wie untersucht man nun das Glück der Menschen? Viele Untersuchungsmethoden sind verblüffend einfach: die beste methode, ist die menschen einfach zu fragen, wie glücklich sie sich auf einer skala von 1 bis 10 einschätzen würden. Danach interviewt man die auch angehörigen der befragten wie sie das glück der befragten einschätzen. Die ergebnise stimmen meistens überein. Langzeitstudien beweisen, dass menschen, die behaupten, sie wären unglücklich, das auch objektiv sind: sie sind öfter krank, sterben einige jahre früher, haben öfter beziehungsprobleme, haben öfter drogen- und alkoholprobleme, sind öfter psychisch krank, begehen öfter selbstmord. Layard stellte tabellen zusammen, an denen man nach einem punktesystem ablesen kann, was wie stark glücklich oder unglücklich macht. Geld und Wohlstand sind ein faktor, aber bei weitem nicht der wichtigste. Geld ist am wichtigsten für ganz arme, die wortwörtlich um ihre existenz kämpfen müssen und angst vor hunger und obdachlosigkeit haben müssen. Wer ein mittleres einkommen hat, wird durch zusätzliches geld kaum noch glücklicher. Die wichtigsten faktoren sind: intakte familie, das gefühl geliebt und gebraucht zu werden, spass an der arbeit, viele freunde, sich in der gesellschaft wohlfühlen (intakte nachbarschaft oder dorfgemeinschaft), persönliche freiheit und demokratische regierung, positives erleben von religiösität. Layard lässt sich nicht in ein Links-Rechts-Schema pressen: Er lobt die skandinavischen länder für ihren sozialstaat, kritisiert staaten wie deutschland und frankreich, die nicht genügend druck auf arbeitslose ausüben, auch einen schlechtbezahlten arbeitsplatz anzunehmen. An anderer stelle lobt er ausdrücklich das deutsche duale ausbildungssystem: dadurch gibt es in Deutschland weniger arbeitslose Jugendliche. Layard stellt fest, dass arbeit, erfolg und wohlstand glücklich machen, aber nur bedingt. Übertriebener erfolgsdruck sowie die aufforderung, für die karriere alles zu tun, etwa dauernd den wohnort zu wechseln, überfordert die menschen. Die meisten menschen können nur glücklich sein, wenn sie menschen haben, mit denen sie ihr glück teilen können.
|
|
|
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dieses Buch: ein Glücksfall!, 26. September 2005
Dieses Buch handelt nicht nur vom Glück - es ist auch ein Glücksfall für den Leser! Der Autor, Lord Richard Layard, seziert mit messerscharfem Verstand eine Fehlentwicklung unserer Gesellschaft. Mit Zahlen belegt er, dass sich der Wohlstand der westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzehnen vervielfacht hat. Dennoch stagniert das Wichtigste: Die Menschen sind nicht glücklicher geworden, wie Umfragen, Selbstmordquoten und andere Indikatoren belegen. Wie kommt es, dass mehr Wohlstand nicht zu mehr Glück führt? Wir sehen nicht die absolute Verbesserung für uns, wenn der Lebensstandard wächst, sondern wir schielen auf die Nachbarn und die Kollegen. Nur wenn wir sie überflügeln, geht es uns besser. Wenn sie auf einer Ebene mit uns bleiben, verändern sich unsere Gefühle nicht zum Positiven. Zahlreiche Studien belegen das. Mit anderen Worten: Die herkömmliche Politik, die ihren Erfolg nur am Bruttosozialprodukt misst, führt in die Irre. Sie führt in eine rücksichtslosen Ellbogengesellschaft, wo jeder Glückliche einen weniger Glücklichen produziert. Layard legt überzeugend dar, dass dieser Sozialdarwinismus ein Irrweg ist. Statt dessen fordert er: Das Handeln der Politik und das Handeln jedes Einzelnen dürfen nur an einem Maßstab gemessen werden: Mehren sie das Glück der Gesellschaft - oder mindern sie es? Im Zweifelsfall macht ein zusätzlicher Euro den Armen glücklicher als den Reichen. Darum lehnt Layard, selbst Ökonom, eine reine Herrschaft der Markgesetze von Angebot und Nachfrage ab. Außerdem weist er darauf hin: Wer anderen Glück schenkt, bekommt davon auch immer etwas zurück. Das Buch ist in einer glasklaren, erfrischend lebendigen Sprache geschrieben, wie sie nur wenige Wissenschaftler beherrschen. Der Autor strotzt vor Fachkompetenz, er bietet dem Leser ein Füllhorn interessanter Fakten an, argumentiert schlüssig und geistreich, macht sein Buch zu einem wahren Lesevergnügen. Dieses Vergnügen wird nur durch ein kleines Hindernis getrübt: Die Zahl der Fußnoten liegt bei etwa 500. Ärgerlicherweise sind in diesen Fußnoten oft interessante Fakten enthalten (fast will ich sagen: versteckt), so dass der Leser gezwungen ist, immer wieder die Lektüre durch Blättern zu unterbrechen. Hier hätte ich mir vom Lektorat gewünscht, alles Wesentliche in den Fließtext zu ziehen und die Fußnoten auf reine Quellenverweise zu beschränken. Doch das Werk ist so gelungen, dass dieser Kritikpunkt die Gesamtnote von fünf Sternen für diesen Glücksfall von einem Buch nicht verändern kann.
|
|
|
18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mehr Staat, mehr Glück?, 25. März 2009
Mit einem natürlichen Reflex gegen das "Ich weiß, was für dich gut ist-Konzept" aufgewachsen, werfe ich gerne einen Blick auf die Biografie der Menschen, die sich für mein Glück verantwortlich fühlen. Stelle ich dann fest, dass ihr Lebensunterhalt von einer staatlichen Institution bezahlt wird, betrachte ich angewandte Methoden und vorgelegte Beweise besonders genau. Unter diesem Blickwinkel las ich denn auch dieses Buch, da Richard Layard als Wirtschaftsprofessor und Mitglied vom englischen Oberhaus eher selten in den Niederungen der Produktivkräfte anzutreffen ist, deren Früchte andere umverteilen. Trotzdem finde ich es selbstverständlich gut, wenn sich auch Ökonomen dafür interessieren, was Menschen außer dem Kauf eines neuen Autos auch noch glücklich machen könnte. Zumal diese Frage in den klassischen Lehrbüchern nur am Rande auftaucht. Wenn überhaupt.
Richard Layard beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, was den einzelnen Menschen und die Gesellschaft glücklicher macht. Davon zeugt auch der über sechzig Seiten dicke Anhang. Und er gehört auch zu den Wirtschaftswissenschaftlern, die über den Gartenzaun blicken, sich mit Vertretern anderer Wissensdisziplinen austauschen und die Glaubenssätze der eigenen Zunft hinterfragen. Aber da er seine eigene Geschichte natürlich nicht umschreiben kann, bleibt er zumindest methodisch in wirtschaftswissenschaftlichen Modellen verhaftet. Also ist sein Glaube an Befragungen und die Aussagekraft von Statistiken ungebrochen. Wäre dem nicht so, würde er auf Grafiken von durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen oder Prozentsätzen glücklich verheirateter Amerikaner verzichten. Und er wäre auch sehr viel skeptischer gegenüber einfachen Ursache-Wirkungs-Modellen. Aber davon kann niemand ablassen, der staatlichen Organisationen zutraut, den Glückspegel einer Gesellschaft nach oben zu verschieben. Geschehen soll dies mit den bekannten Mitteln von Bestrafen und Belohnen, Beraten und Belehren, Befähigen und Bemuttern, Berichtigen und Besteuern. Und wenn das alles nichts hilft, kann man sich ja immer noch ein gewitztes Anreizsystem ausdenken. Mag sein, dass ich mit dieser Beschreibung dem Denken von Richard Layard nicht gerecht werde. Aber die Staatsgläubigen werden genau das herauslesen und die vielen Zwischentöne nicht hören.
Es gibt Bücher, die ich besser bewerte, als mein ideologisches Gewissen eigentlich zulassen würde. Zu diesen gehört auch das von Richard Layard. Denn ich verspreche mir von einer Empfehlung, dass es möglichst viele von den Ökonomen lesen, die noch immer glauben, der Mensch sei ein rationales Wesen und die unsichtbare Hand würde alles von alleine regeln. Dass dem nicht so ist, haben aufmerksame Beobachter schon vor der Finanzkrise gesehen. Und so heikel die These auch ist und zum Missbrauch verleiten kann, es ist tatsächlich so, dass die Einkommenskurve nicht parallel zur Glückslinie verläuft. Dafür liefert Richard Layard so viele Beweise, dass Festhalten an alten Bildern nur mit großem Verdrängungsaufwand möglich ist.
Mein Fazit: Mit seinem Renommé und seinen Analysen kann der Autor dazu beitragen, dass sich auch Ökonomen vermehrt mit der Frage beschäftigen, was die Gesellschaft und den einzelnen Menschen glücklicher macht. Schade finde ich nur, dass der Autor allzu sehr auf Politik und Staat setzt und dabei manchmal vergisst, wer die menschlichen Verhaltensmuster knüpft.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|