Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Viele Jahre auf Platz 1 der Bestsellerliste im 13.Jahrhundert, 7. Dezember 2008
Auf die Legenda Aurea bin ich bei einem Museumsbesuch aufmerksam geworden, als ich angesichts eines Ölbilds der italienischen Frührenaissance feststellen musste, dass ich von der Nikolaus-Legende eigentlich so gut wie gar nichts weiß.
Ein Kunsthistoriker hat mir dann erzählt, dass es eine Quelle gibt, aus der sich die gesamte Malerei des Mittelalters bediente, und die bisweilen populärer war als die Bibel.
Ein Muss für den Maler damals eine Art Wörterbuch heute zur Bild-Erklärung.
In der handlichen und gewohnt schön gemachten Manesse-Ausgabe sind fast alle Legenden enthalten. Wirklich komplett ist die Ausgabe aus dem Gütersloher Verlag mit 800 Seiten, die sich auch sprachlich an den frühen deutschen Übersetzungen aus dem Lateinischen orientiert.
In der Nikolaus-Legende begegnen wir dem Vater, "...der seine Töchter in die offene Sünde der Straße schickt, um von ihrer Schande zu leben", während in der Manesse-Ausgabe von Prostitution die Rede ist.
Man hat also die Wahl zwischen vollständigem Nachschlagewerk oder einer lesefreundlichen Lektüre, aber wer Interesse an Kulturgeschichte(n) hat, kommt an einer der beiden Ausgaben nicht vorbei.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Man muss vom Leben sprechen, wenn man es verwandeln will. , 29. März 2009
Legende, Vespe, Sage, Fabel oder Mythos - so werden die unterschiedlichen Gattungen der Literatur beschrieben, die eine Botschaft mit Hilfe von Tieren oder Pflanzen den Menschen als Lebensweisheit geben. Oder aber es sind Heldengeschichten, die eine Identifikation beim Leser hervorrufen oder es sind die Geschichten, die auf das Transzendente dieser Welt mit Hilfe von Göttern hinweisen. Allen eigen scheint aber die besondere Botschaft zu sein, sich selbst und sein Denken und Handeln zu reflektieren oder es aber in die "richtigen" Bahnen zu lenken. Richtige Bahnen sind die Fragen der Philosophie, der Religion und der Gesellschaft. Damit gilt die biblische Frage: "Quod est veritas?" des Pontius Pilatus als eine, die ohne Zeitbezug nicht zu beantworten ist. Außerdem ist jeder wie ein Fisch in seinem Glas gefangen in der Welt seiner Werte und Vorstellungen und damit stets getrübt durch das begrenzte Wissen der Epoche. Dieses vorausgeschickt entdeckt man das unsichtbare Gefängnis oder die sanfte Sekte, die jedem Halt und Richtung, Maß und Gewicht gibt.
Mit den "Legenda aurea", den goldenen Legenden begibt man sich in das Mittelalter des 13. Jahrhunderts. Jacobus de Voragine (1230-1298) war Dominikanermönch, sechszehnjährig trat er dem Orden bereits bei. Sein berühmtes Werk, welches zu den meistgelesenen des Mittelalters gehörte, verfasste er im Laufe von 10 Jahren, beginnend im Jahre 1263. Sein Anliegen war, Wissen der Zeit, Glauben der Zeit und das Transzendente zu verbinden. Seine Legenden liefern das, was man vermutet: Wahre Geschichten, die mit Phantasie angereichert, erst zur Legende werden. Seine aufgeschriebenen Legenden sind nicht der Zeit nach geordnet, vielmehr ordnet er den Inhalt dem Kirchenjahr, dem liturgischen Kalender unter, vom Advent bis zur Kirchweihe. Die Unterordnung der Historie unter den Heiligenkalender und des Kirchenjahres stellt damit eine Heilsgeschichte dar, auf ein Jahr bezogen wird damit die kultische Wiederkehr der historisch einmaligen Heiligenlebens (vgl. Eliade, Kosmos und Geschichte) in eine Sphäre des dauernd Gültigen erhoben. Diese communio sanctorum ist damit eine Gesellschaft von Heiligen, die mit uns ist. Da diese Legenda aurea mehr gelesen wurde zu seiner Zeit als die Bibel, zeigt, dass Geschichten, Legenden, Märchen als Lesebuch zum Lesen und Vorlesen greifbarer sich dem Menschen zeigen.
Jacobus' Verdienst ist es also, die zuvor vergangenen 1300 Jahre christlicher Mythologie aufgehoben und allen zugänglich gemacht zu haben. Er kommt damit gleich einem Homer oder eben den Sammlungen von Märchen, wie die Gebrüder Grimm es taten.
Jacobus' Legenden zeigen eine Grenzziehung zwischen dem Übernatürlichen und dem rein Erkennbaren. Sie sind in den Vermutungen metaphysisch, in der Realität bemüht um Tatsachenwissen mit Nachweis wo möglich. Doch ohne - und hier kann man Roland Barthes zu Rate ziehen - eine vorausgehende Idee von Gut und Böse, einer Idee der Zeit und der Gesellschaft kann man diese Literatur nicht beurteilen. Fest steht insofern, dass Legenden wie der Mythos eine Aussage darstellen. In der Art und Weise, wie man das Geschehen vermittelt, erlebt man, dass das Universum unendlich suggestiv sein kann. Mit jeder Benennung und Beschreibung erwächst aus dem Objekt ein Phänomen, das mit Bildern und Emotionen angereichert zum gesellschaftlichen wie religiösen Gebrauch ins Leben tritt. Bis heute.
Und so ist diese kleine Auswahl ein Einstieg, der neugierig macht auf das, was unsere Historie noch heute in der Jetztzeit ausmacht. Das Andreaskreuz an Bahndämmen hat welche Bedeutungsherkunft? Der Tag der Siebenschläfer wird am 27.Juni erneut auftreten. Welche Bewandtnis hat dieser? Was sagt die Legende und die Sure 18 (siehe da), die dieses Legendenthema wieder aufnimmt? Und nicht nur diese Fragen finden eine Antwort, sondern ebenso die Herkunftsfragen des Blasiussegen, was machte der Heilige Antonius und was bewog den Heiligen Nikolaus seine Töchter zur Prostitution freizugeben und wie wurden sie verschont?
Was ein Bestseller im 13. Jahrhundert war, erst unter Luther in Verruch geriet, kann heute ein interessanter Wissens-Seller sein, der amüsant und klar die Herkunft mancher Bräuche deutlich macht, aber auch die Interpretation der Kunst der Renaissance anreichert. Diese reclam Version ist ein kleiner Einstieg mit 24 Legenden, von Rainer Nickel bestens ausgewählt.
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28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fundamental, 23. Mai 2002
Von Ein Kunde
Wer den christlichen Olymp mit seinen Märtyrern, Fanatikern und Fundamentalisten auf spannende Weise kennenlernen möchte, ist mit diesen Auszügen aus dem im Mittelalter viel gelesenen Buch bestens beraten und hat immer wieder ästhetisch genußvolle "Märchenerlebnisse". Auch wer an der Kunst des Mittelalters und der Renaissance interessiert ist, sollte dieses Buch kennen, denn viele der Motive in den Werken jener Zeit - hier seien nur der heilige Georg und Sebastian genannt - können inhaltlich besser verstanden werden, wenn man die zugehörige Legende gelesen hat.
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