Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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79 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
emotionales Anti-Kriegsbuch - traurige Realität, 29. März 2005
Parallel erzählt werden die Lebensgeschichten zweier völlig verschiedener junger Menschen, mit all ihren Sehnsüchten, Hoffnungen und Träumen; sie haben sich niemals gesehen oder kennen gelernt, durch ihr grausames Schicksal in einem sinnlosen Krieg sind sie aber untrennbar miteinander verbunden. Am gleichen Tag, am 04. April 2003 kostet eine irakische Granate Andy das Leben und eine amerikanische Splitterbombe zerfetzt Marwas rechtes Bein und tötet deren kleine Schwester Azra.Dieses Buch von Jürgen Todenhöfer ist ein Plädoyer für eine andere, menschlichere Außen- und Sicherheitspolitik - nicht nur aus moralischer Sicht, auch aus Gründen der Vernunft. Mit Andrew Julien Alviles aus Tampa, Florida und Marwa Missan aus Sabah Qusur in der Nähe Bagdads personifiziert der Autor das Leiden vor und während des Krieges im Irak. Zivilisten wie Soldaten beider Seiten sind Opfer. Es gibt wie in jedem Krieg keine Sieger, nur Besiegte! Dass der grausame Diktator Saddam Hussein entmachtet und verhaftet wurde ist selbstverständlich nur zu begrüßen, doch der Preis für dieses Machtspielchen zwischen Bush, Rumsfeld und Saddams Tikrit-Clan ist absolut zu hoch! Wie viele Soldaten wie Andy darf man opfern, wie viele Zivilisten wie Marwa und ihre kleine Schwester dürfen deswegen getötet oder verstümmelt werden, wie viele Familien auf beiden Seiten darf man dafür in ewige Trauer stürzen? Das zweite, wieder sehr emotionale Anti-Kriegs-Buch von Jürgen Todenhöfer nach „Wer weint schon um Abdul und Tanaya" reißt dem Krieg seine glorifizierende, patriotische Maske vom Gesicht und dokumentiert das Elend und die Trauer die mit ihm unvermeidlich verbunden sind. Es zeigt den Krieg wieder aus einem sehr persönlichen Blickwinkel, Andy und Marwa stehen stellvertretend für die vielen sinnlosen Opfer einer dummen und menschenverachtenden Politik ohne Weitblick, die nur auf Macht und deren Erhaltung abzielt. Mit viel Einfühlungsvermögen, literarischem Geschick und humanistischem Gedankengut bringt uns der Autor das Leiden der Menschen näher, viel näher als es Fernsehberichte oder Nachrichten in Radio und Zeitung vermögen. Diese Anklage gegen den Krieg mit seinen brillanten, knallharten politischen Analysen berührt einen sehr, sie macht betroffen, nachdenklich und traurig. Es war das erste mal in meinem Leben dass mich ein Buch zum Weinen gebracht hat - und ich schäme mich für keine einzige meiner Tränen!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Wir werden ja sehen, wie's läuft", 16. August 2007
Mit diesen Worten beendet Andrew "Andy" Julian Aviles am 9. März 2003 seinen letzten in Kuwait geschriebenen Brief an seine Eltern in den USA - kurz vor Beginn der Invasion US-amerikanischer Streitkräfte zur Befreiung des Irak vom Saddam-Regime.
Er ist zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt. Seinen 19. Geburtstag wird er nicht mehr erleben.
Er ist ein Marine, Mitglied einer vielfach ausgezeichneten Elite-Einheit des amerikanischen Militärs; einer, der von Anfang an dazu auserkoren ist, an vorderster Front als "Speerspitze" zu kämpfen und die Grundwerte seines Vaterlandes zu verteidigen. Eigentlich sollte er zu diesem Zeitpunkt schon Betriebswirtschaft am College in Tallahassee, Florida studieren - er hatte aufgrund seines exzellenten Highschool-Abschlusses sogar ein Stipendium erhalten; eigentlich könnte er ein unbesorgtes, fröhliches Studentenleben führen. Er war immer ein ungemein lebensbejahender Mensch, jemand, der alle anderen ohne Schwierigkeit zum Lachen bringen konnte.
Marwa ist - ebenfalls im April 2003 - ein elfjähriges Mädchen aus Bagdad. In ihrem jungen Leben erfuhr sie ausnahmslos die Schattenseiten der menschlichen Existenz. Am 7. April desselben Jahres beendet eine Splittergranate das Leben von Marwas kleiner Schwester, sie selbst verliert die untere Hälfte ihres rechten Beins.
Andy starb an diesem Tag. Getroffen in seinem gepanzerten Geschützwagen von einem irakischen Artillerie-Projektil, kurz vor Einnahme Bagdads - und dem scheinbar endgültigen Sieg über den Irak.
Was dieses Buch meiner Ansicht nach besonders empfehlenswert und wertvoll macht, ist sein schonungslos-emotionaler Appell an das Gewissen jener, die für derartige Kriege zu verantworten sind. Diese Menschen waren Kinder, und sie wurden von Autor Jürgen Todenhöfer exemplarisch hervorgehoben, um dem Elend dieses erschütternden Krieges - der sich zwischenzeitlich in einen Bürgerkrieg zu verwandeln scheint - zwei Namen und Gesichter geben zu können. Zwei Namen, die sonst in der Anonymität und dem Vergessen der Nachwelt untergegangen wären.
In "unseren Breiten" sehen wir es als selbstverständlich an, ein sicheres, mehr oder weniger sorgloses Leben zu führen. Wir genießen eine gewisse Dekadenz, geben uns teilnahmslos und verurteilen solche, "die doch selbst daran Schuld sind", dass sie in einen solchen Konflikt hineingeraten sind, möglicherweise sterben und niemals wieder zu ihren Familien zurückkehren werden. Wir machen es uns viel zu einfach, Hochglanz-Medien und Informationsflut täuschen über die Realität des Schreckens in unserer Welt hinweg.
An dieser Stelle sollte vielleicht daran erinnert werden, dass es die Normandie-Infanteristen der US-Armee waren, die dem nationalsozialistischen Terrorregime 1944 den Todesstoß gaben, dass es eben solche jungen Männer wie Andy Aviles waren, die allen Gefahren zum Trotz, den Tod vor Augen, für die Freiheit anderer Länder und letztlich die Aufrechterhaltung von Menschlichkeit und Lebenswürde kämpften. Dieses Buch ehrt solche Menschen: Andy war ein Held. Er wollte keiner sein, und doch wurde er zu einem. Marwa hingegen - schicksalhaft verknüpft mit Andy - wurde hineingezogen in das Chaos eines erbarmungslosen Krieges, dem auch sie letzten Endes nicht entrinnen konnte.
Ich bin kein Pazifist; denn wir leben in einer Welt, in der es Kreaturen zu geben scheint, denen es egal ist, wenn tausende von Menschen in zusammenstürzenden Wolkenkratzern auf unbeschreibliche Art und Weise ihr Leben verlieren. Kreaturen, denen jedwede menschliche, gütige Züge fehlen.
Dieses Buch spiegelt die andere Seite des Menschenbildes: Einen jungen Mann, der zeitlebens unpolitisch war, und doch sein Leben ließ, um Unterdrückung und politischem Terror entgegenzutreten.
"Andy und Marwa - Zwei Kinder und der Krieg" mag kein literarisches Meisterwerk sein, aber doch eine ernstzunehmende Mahnung gegen das Vergessen. Jene Menschen, so "unbedeutend" sie auch sein mögen, zu ehren und zu respektieren, die im Zeitalter des Kampfes gegen einen nie gesehenen internationalen Terrorismus starben oder aufgrund dessen verletzt oder geschädigt wurden.
In einem Kondolenzbrief schreibt eine Freundin Andys im Buch: "Obwohl du bereits seit über einem Monat tot bist, denken wir jeden Tag an dich und fragen uns, ob du jetzt auf uns herunterschaust. Vor kurzem bin ich mit meinen Freunden um den Block gefahren, und wir haben uns gefragt, warum Menschen wohl zum Militär gehen. Ich musste die ganze Zeit an dich denken. Bei dem Gedanken, dass du nicht mehr bei mir bist, wird mir ganz schlecht. Aber dann denke ich, dass wir ohne deinen Mut vielleicht gar nicht mehr hier wären."
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Todenhöfer bringt die Sache auf den Punkt, 1. März 2005
ich habe "Andy und Marwa" am Wochenende gelesen.In weniger als 4 Stunden, denn ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus meiner Hand legen. Todenhöfer zeigt uns den Krieg aus einer anderen Perspektive. Aus der Sicht der Opfer, die so oft noch so jung sind. Ich muss zugeben, auch ich habe die Schnauze voll vom Irak Krieg und ich kann mir die meisten Berichte im Fernsehen zu dem Thema auch nicht mehr ansehen...aber "Andy und Marwa" ist anders, viel persoenlicher...Ich werde dieses Buch auch meinem 15 Jaehrigen Sohn zu lesen geben, denn keiner beschreibt die wahren Geschichten im Irak besser als Todenhöfer. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, denn es ist es wert.
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