Aus der Amazon.de-Redaktion
Laut Klappentext handelt es sich bei
Die Psychonauten um eine virtuelle Reise in die Landschaft der menschlichen Seele, die zu den Spuren eines großen Verbrechens führt. Der Klappentext verwechselt aber nicht nur die Namen der Figuren (im Buch ist es nicht Grant, der auf eine Reise ins abgebildete Gehirn verschollen bleibt, sondern sein Bruder Allan), er verspricht auch viel mehr, als der Roman zu bieten hat.
Das Buch beginnt mit einem virtuellen Mord an einer Frau auf einer sogenannten "Cybertoga" -- einem Kostümfest im Cyberspace. Ein zweiter Handlungsstrang entwickelt sich um den verschollenen Allan Behrmann, während ein dritter das Erwachen eines "Impulses" zur Künstlichen Intelligenz (KI) verfolgt. Dies alles spielt sich in einer Welt ab, die, von perfektionierter virtueller Realität (VR) und KI abgesehen, in keiner Weise von der zeitgenössischen Welt abweicht.
Um so schwerwiegender wirken dann die Ungereimtheiten in der Technologie dieser fiktiven zeitgenössischen USA. Die Regeln der fiktiven Welt werden nie explizit definiert, der Unterschied zwischen dem "Evernet" des Romans und dem Internet nie erklärt. In diesem Kontext scheint es schlichtweg falsch, wenn eine Figur Kontakt mit einer anderen durch die folgende Eingabe aufnimmt: "http://yyy.eth/hud.com. Nomade. Nehmen Sie Kontakt auf bis 1200 PT unter http://www.usc/com.caf/ven.htme." Zudem ist es rätselhaft, warum sie über das "Evernet" mit http-Verbindungen kommunizieren, die wie Chat-Räume funktionieren, wenn sie über eine VR-Technologie verfügen, die so raffiniert ist, daß man die darin ablaufenden Handlungen aufzeichnen und wie einen Film wiedegeben kann. Es gibt keine Anzeichen für eine schlüssige, vom Autor entworfene Alternativ-Welt, und der Leserin drängt sich der Verdacht auf, das Cyber-Milieu bestehe aus einer Mischung aus William Gibson und veralteten Zeitungsartikeln. Besonders auffallend: Bei komplizierten Computer-Anwendungen erscheinen vor allem "lange Zahlenkolonnen" auf dem Bildschirm.
Eine gewisse Spannung vermittelt der Handlungsstrang über den mordenden Datendandy, der natürlich seine Psychose auch in der wirklichen Welt auslebt. Als reiner Cyber-Krimi wäre der Roman vielleicht erfolgreicher gewesen. Doch nachdem die Suche nach dem Mörder durch die Suche nach dem Sitz der Seele im Computerprogramm abgelöst wird, fällt das Lesen zunehmend schwer. Gott, Seele, Glaube, Individuation, Judentum, Schuld und Sühne -- dies alles soll mit der virtuellen Reise ins abgebildete Gehirn von Grant Behrmann geklärt werden. Dabei begegnen die Figuren einem Klischee nach dem anderen, die Grants verschiedene Gehirnregionen abbilden. Sie werden von dem in das Programm geschlichenen Datendandy bedroht und eine Figur benutzt sogar seinen mitgenommenen Laptop (während sie sich noch in VR befinden, versteht sich), um den Mörder zu fangen.
Die Psychonauten kann nur Lesern empfohlen werden, die nicht viel Wert auf plausible alternative Welten legen und sich nicht leicht von wirren Details irritieren lassen. Meine Bereitschaft, kritische Distanz aufzugeben und mich auf die Fiktion einzulassen, war zumindest zu strapaziert, um standzuhalten. --Ruth Nestvold
Konr@d (3/99)
Die PsychonautenEin Mond im virtuellen Raum, eine Reise ins Innere der Seele, dazu etwas künstliche Intelligenz - in Josef Nyarys Cyberroman prallen die Genres aufeinander, daß es nur so kracht. Herausgekommen ist eine Mischung aus William Gibson und Jules Verne, zusammengehalten von einer wirren Geschichte: Der Pharmadesigner Allan geht in einem virtuellen Modell seines eigenen Gehirns verloren, und sein Bruder Grant macht sich auf, ihn zu retten. Dabei entdeckt er nicht nur ein Verbrechen, sondern liefert dem Autor ausgiebig Gelegenheit zum Philosophieren. Weniger esoterische Klischees und mehr Krimi hätten dem Buch gut getan.
©Konr@ad