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von Jörg Friedrich
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Die toten Städte: Waren die alliierten Bombenangriffe Kriegsverbrechen? von A.C. Grayling |
von Winfried G. Sebald
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von Dieter Forte
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von Jörg Friedrich
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Entsprechend hat das Buch bei seinem Erscheinen viel Wirbel ausgelöst: In Großbritannien warfen einige Medien und Historiker dem Autor vor, er wolle die Geschichte verdrehen und die Kriegführung der Alliierten mit den nationalsozialistischen Verbrechen gleichsetzen. Davon allerdings kann keine Rede sein. Friedrich zweifelt nicht daran, dass der Kampf gegen das NS-Regime moralisch gerechtfertigt war. Ebenso verweist er darauf, dass Deutschland zuerst mit der Luftschlacht begann -- Angriffe auf englische Städte wie London und Coventry hatten verheerende Folgen.
Die Art und Weise, wie die Alliierten den Bombenkrieg gegen die deutschen Städte führten, kritisiert der Autor als ebenso unmenschlich wie überflüssig. Die Bomben waren nämlich nicht nur gegen Rüstungsfabriken und Verkehrswege gerichtet. Sie sollten ganz bewusst die Zivilbevölkerung treffen. Deswegen setzten die Alliierten nicht nur Sprengbomben gegen bestimmte Gebäude ein, sondern vor allem Brandbomben. Diese entfachten am Boden unaufhaltsame Feuerstürme, die Menschen, Häuser und alles Brennbare verschlangen.
Das "moral bombing" sollte den Durchhaltewillen der deutschen Bevölkerung brechen. Das misslang jedoch, wie Friedrich konstatiert: Anstatt gegen das nationalsozialistische Regime aufzubegehren, verfielen die Deutschen angesichts des apokalyptischen Bombenhagels in Depression und Apathie. Trotz der erkennbaren militärischen Sinnlosigkeit, so lautet der Vorwurf des Autors, steigerten Engländer und Amerikaner ihre Abwürfe aber immer weiter und nahmen wissentlich ein "Massaker" an der Zivilbevölkerung in Kauf.
Ausführlich schildert Friedrich die Angriffe auf einzelne deutsche Städte: Hamburg und Berlin, Dresden und Pforzheim, Nürnberg, Essen und andere mehr. Er fügt die vielen lokalen Berichte über die Kriegsereignisse zusammen und liefert somit eine Gesamtdarstellung des Bombenkriegs in Deutschland. Neben dem militärischen Verlauf dieser Angriffe und der eingesetzten Waffentechnik interessiert Friedrich vor allem, wie die deutsche Bevölkerung die Bombardements erlebte. Er beschreibt reportagehaft und mit emotionalisierender Sprache die Allgegenwart der Todesangst, die ständige Flucht vor den Bomben in Keller und Bunker, den Verlust von Angehörigen.
Friedrichs Buch rührt bewusst an ein Tabu. Denn angesichts der barbarischen NS-Verbrechen wollte vor allem in Deutschland lange Zeit niemand die Art der alliierten Kriegsführung in Frage stellen. Friedrich tut genau das -- nicht als rechtsradikaler Geschichtsrevisionist, sondern als Wissenschaftler. Die Debatte um dieses Buch ist ebenso schmerzhaft wie notwendig. --Christoph Peerenboom
Bei Kriegsende machte die Royal Air Force geltend, sie allein habe 657.000 Tonnen Bomben auf Deutschland geworfen die amerikanischen Angriffe nicht mitgerechnet. Den Bombenkrieg erlebten 30 Millionen Deutsche, über tausend Städte und Gemeinden gerieten ins Inferno, über 100.000 Kinder fielen dieser Strategie zum Opfer, in fünf Jahren von 1940 bis 1945 widerfuhren den Deutschen Dinge wie noch keiner Zivilbevölkerung vor ihnen. Ihren Höhepunkt erreichten die Flächenbrände, die alliierte Bomben entfachten, erst im letzten Kriegsjahr. Von Januar bis Mai 1945 starben jeden Tag durchschnittlich 1000 Zivilisten im Bombenhagel auf das schon nahezu wehrlose Reich. Kriegsentscheidend waren diese Angriffe längst nicht mehr, vielleicht sogar nicht einmal mehr kriegsverkürzend. Dresden, im Februar 1945 zerstört, ist zum Symbol einer sinnlosen Vergeltungs- und Strafaktion gegen eine schutzlose Zivilbevölkerung geworden.
Also ein Kriegsverbrechen, wie der konservative Historiker Arnulf Baring meint? Oder ist Friedrichs Buch vielmehr ein problematischer, noch nie da gewesener Angriff auf die Kriegsführung der Alliierten, wie die Londoner Zeitung The Daily Telegraph die Studie bezeichnete? Der britische Geschichtswissenschaftler Correlli Barnett warf Friedrich sogar empört vor, er habe sich gefährlichen Revisionisten angeschlossen und versuche, eine moralische Gleichwertigkeit zwischen Churchills Unterstützung für die Flächenbombardements und den unsäglichen Verbrechen der Nazis herbeizuschreiben das sei niederträchtiger und gefährlicher Unsinn.
Fragen über Fragen, zum Teil so schwer zu beantworten wie philo¬sophische Aporien: Ist Friedrich ein Revisionist? Selbstverständlich, antwortete der Autor unerschütterlich, die Geschichtsschreibung wird ständig revidiert. Heiligt der gute Zweck jedes Mittel? Kein Zweifel, die Niederringung Hitlers war notwendig und gerecht, das steht auch für Friedrich außer Diskussion. Nur, ist der Gerechte schon dadurch, dass er die gerechte Sache vertritt, also einen gerechten Krieg führt, in allen seinen Taten gerechtfertigt? Das sei eine Frage, die sich jeder selbst stellen und neu beantworten müsse, so Friedrich. Er beansprucht lediglich, mit seinem Buch die Tatsachenbasis dafür geliefert zu haben. Friedrich, ebenso lakonischer und gerade deshalb auch pathetischer Erzähler wie akribischer Geschichts- und Quellenforscher, führt seine Leser ohne Arg auf vermintes Gelände. Aber die Deutschen, das hat die Rezeption dieses Buches auch gezeigt, sind nach 60 Jahren Auseinandersetzung mit der Vergangenheit moralisch davor gefeit, sich in einen fatalen und larmoyanten Opferkult zu flüchten.
Friedrichs Verdienst besteht darin, den Schleier des Vergessens und Verdrängens weggezogen zu haben, den auch diejenigen über Verlauf und Ausgang des strategischen Bombenkriegs ausgebreitet hatten, die ihn am konsequentesten betrieben hatten die Briten. Denn ihnen war nie wohl gewesen bei dieser unmenschlichen Art der Kriegsführung, die auch nie die Unterstützung der ganzen Nation fand, sondern immer bei allen Besonnenen einen nagenden Selbstvorwurf des nationalen Gewissens nährte. Der Bischof von Chichester, George Bell, kritisierte im Februar 1944 im Oberhaus Churchills Regierung wegen ihrer Politik der Bombardierung feindlicher Städte im gegenwärtigen Umfang, besonders von Zivilisten. Es müsse eine Verhältnismäßigkeit zwischen den eingesetzten Mitteln und dem erreichten Zweck bestehen.
Auch im Unterhaus stellte der Labourabgeordnete Richard Stokes die moralische Berechtigung des Bombenkriegs öffentlich in Frage. Und Lord Salisbury, Oberhaupt der führenden Familie der Konservativen Partei Großbritanniens, vertrat in seiner Privatkorrespondenz die Ansicht, dass die Deutschen natürlich damit angefangen haben, aber wir nehmen uns nicht den Teufel zum Vorbild. Sir Arthur Harris, Chef des Oberkommandos der britischen Bomberverbände (Bomber-Harris), steht heute zwar in Bronze gegossen im Zentrum von London. Aber er war nach Kriegsende nicht zum Lord ernannt worden wie praktisch alle anderen ranghohen britischen Oberbefehlshaber und wanderte verbittert aus.
Seinen Flugzeugbesatzungen wurden keine besonderen Erinnerungsmedaillen zugestanden, obwohl das Bomber Command 56000 Gefallene zu beklagen hatte; auf den Schlachtfeldern im Ersten Weltkrieg waren nicht so viele britische Offiziere gestorben. Mit dem Rücken an der Wand, urteilt der angesehene Historiker John Keegan, Verfasser eines Standardwerks über den Zweiten Weltkrieg, hatte das britische Volk beschlossen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass es sich auf das Niveau des Feindes begab. Nach dem Sieg erinnerte es sich daran, dass es an die Werte des Fair Play glaubte. Der strategische Bombenkrieg, der vielleicht noch nicht einmal als vernünftige Strategie gelten kann, war auf keinen Fall Fair Play. Das ins Gedächtnis zurückgerufen zu haben, machte Friedrichs Buch in Großbritannien für viele zum Skandalon.
Mit den Flächenbombardements von Städten wurde ein Prinzip in die Kriegsführung eingebracht, das zuvor nur für die Belagerung von Festungen gegolten hatte. Dort mussten die Bürger, die innerhalb der Mauern einer verteidigten Stadt ausharrten, alle Härten des feindlichen Ansturms erdulden: Beschuss, Hunger und Brandschatzung. Um diesem Schicksal, das Paris teilweise im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erlitten hatte, zu entgehen, hatte die französische Regierung während des Debakels im Juni 1940 die Hauptstadt kampflos übergeben entgegen Churchills Drängen.
Zwar bombardierte die deutsche Luftwaffe im September 1939 Warschau aber die polnische Hauptstadt konnte in diesem Sinne als Festung angesehen werden. Und am Nachmittag des 14. Mai 1940 machten deutsche Flugzeuge das Zentrum von Rotterdam dem Erdboden gleich. Das war das erste militärisch nutzlose Flächenbombardement des Zweiten Weltkriegs, in dem etwa 900 Zivilisten starben; der niederländische Widerstand brach danach völlig zusammen. Doch hatte die Luftwaffe anscheinend eine Meldung der Erdtruppen nicht mehr rechtzeitig empfangen, die Stadt stand sowieso vor der Übergabe.
Bis Mitte Sommer 1940 ließen alle kriegführenden Nationen, von diesen beiden Ausnahmen abgesehen, die feindlichen Großstädte unangetastet. Nur die Bombardierung militärischer Ziele im weiteren Sinn Flugplätze, Kriegshäfen oder Eisenbahnknotenpunkte war nach herkömmlichem Kriegsrecht legitim. Bei Ausbruch der Luftschlacht um England bestand Hitler zunächst darauf, die Angriffe auf Flugplätze und die Londoner Hafenanlagen zu beschränken. So groß waren die Ängste vor einem hemmungslosen Terrorkrieg gegen die Zivilbevölkerung, der theoretisch schon angedacht worden war, etwa von dem italienischen Luftkriegsvisionär Giulio Douhet oder den britischen Luftwaffen-Planern Hugh Trenchard und John Slessor, dass keine Seite als Erste die moralische und durchaus eigennützige Ächtung des Bombenkriegs im Hinterland des Feindes durchbrechen wollte.
Das änderte sich, je länger sich die Schlacht um England ohne entscheidendes Ergebnis hinzog. Am 24. August 1940 lud eine deutsche Maschine, die sich verirrt hatte, ihre Bombenlast über Ostlondon ab. In der folgenden Nacht flog die Royal Air Force einen Vergeltungsangriff auf Berlin. Für Hitler war damit die Zeit der Selbstbeschränkung vorbei; er entschloss sich zu einer fatalen Eskalation. Am 4. September verkündete er vor einer jubelnden Menge im Berliner Sportpalast: Wenn sie erklären, sie werden unsere Städte in großem Ausmaß angreifen wir werden ihre Städte ausradieren! Wir werden diesen Nachtpiraten das Handwerk legen, so wahr uns Gott helfe. Es wird die Stunde kommen, da einer von uns beiden bricht, und das wird nicht das nationalsozialistische Deutschland sein. Eines der größten militärischen Verhängnisse der Kriegsgeschichte nahm seinen Lauf.
Anfangs waren die Deutschen in diesem Schlagabtausch die Überlegenen, obwohl sie gar nicht über schwere strategische Langstreckenbomber verfügten; sie flogen gegen England mit Mittelstreckenbombern, die eigentlich für die Unterstützung der Bodentruppen vorgesehen waren. Ende 1940 zerstörten oder beschädigten sie in der Industriestadt Coventry 60 000 Gebäude (568 Tote). Während des ganzen Blitz-Winters 1940/41 brannten London und andere britische Städte. Allein bei einem einzigen Angriff am 29. Dezember 1940 verursachte die deutsche Luftwaffe in der City of London 1500 Feuersbrünste. Noch 1941 konnten die Briten keiner deutschen Stadt vergleichbare Schäden zufügen. Die Verluste der Flieger des Bomber Command waren im Laufe des ganzen Jahres 1941 höher als die Zahl der Opfer in den bombardierten Städten; 700 Maschinen der Royal Air Force kehrten von ihrem Einsatz nicht zurück.
Erst Anfang des darauffolgenden Jahres, als die Wehrmacht auch am Boden, vor Moskau, ihren ersten großen Rückschlag hatte hinnehmen müssen, begann sich das Blatt zu wenden. Neue, erheblich verbesserte Angriffsflugzeuge (vom Typ Halifax und Lancaster) wurden in Dienst genommen, genauere Navigationshilfen und Zielsuchgeräte erhöhten die Wirkung und die Eindringfähigkeit der Maschinen beträchtlich. Und den Oberbefehl übernahm ein Mann, der weder Zweifel noch Skrupel kannte: Arthur Harris, damals 49, ein engstirniger Offizier, für den der Bombenkrieg eine Obsession war. Viele Menschen sagen, mit Bomben lässt sich der Krieg nicht gewinnen, sagte er kurz nach Amtsantritt im Februar 1942. Meine Antwort lautet, wir haben es noch nicht versucht. Warten wir es ab.
Die Generalprobe erfolgte in der Nacht vom 28. zum 29. März 1942 bei einem Einsatz gegen Lübeck, eigentlich ein nachrangiges militärisches und industrielles Ziel. Die mittelalterliche Backsteinarchitektur der historischen Hansestadt wurde in großen Teilen bis auf die Grundmauern zerstört; es gab 320 Tote. Die britischen Verluste dagegen blieben diesmal gering: Die Bombergeschwader kehrten zu 95 Prozent unversehrt zurück. Bomber-Harris war begeistert, er gab sich überzeugt, dass er nunmehr die Zauberformel für den Sieg gefunden hatte. Ich wollte meine Besatzungen Blut lecken lassen Sie sollten zur Abwechslung mal ein Erfolgserlebnis haben, prahlte Harris mit makabrem Zynismus.
Zugleich fielen die letzten Bedenken. Immer mehr Brandbeschleuniger wurden den Bomben und Luftminen beigemengt; so wurden, bei entsprechenden Wetterbedingungen, jene entsetzlichen Feuerstürme entfacht, die zum Beispiel in Hamburg, Kassel, Darmstadt, Wuppertal und Magdeburg wüteten. Als die Brände im Juli 1943 in Hamburg erloschen, war mehr als die Hälfte der Wohnungen zerstört, und mindestens 34 000 Einwohner waren tot, darunter viel mehr Frauen als Männer. Die Überlebenden standen unter Schock. Fasziniert beobachtete der spätere Verleger Gerd Bucerius die britischen Angriffswellen. Als er die Leichen in der verwüsteten Innenstadt sah, empfand er Grauen und Mitleid, aber auch: Ihr, die Toten, habt es so gewollt.
Friedrich, Jahrgang 1944, hat diese Leidensgeschichte eindrucksvoll dokumentiert und spannend erzählt. Längst ging es nicht mehr vorrangig darum, die Rüstungsproduktion direkt zu treffen. Das Ziel war vielmehr die Enthausung, die großflächige Vernichtung von Wohnraum, vor allem in Arbeitervierteln. Denn die Bomber-Patrizier in London blieben ihren Klassenvorurteilen verhaftet; sie glaubten, wie der britische Militärhistoriker und Stratege Basil Liddell Hart schon lange vor dem Krieg prophezeit hatte, dass die Elendsviertel durch Bombenangriffe zu wütendem Aufruhr und Plünderungen getrieben werden und in Nazi-Deutschland aus Kriegsmüdigkeit eine Neuauflage der russischen Revolution von 1917 möglich wäre. Sie unterschätzten die Disziplin des deutschen Proletariats gröblich.
Dennoch hätten die Briten die Luftschlacht über Deutschland wohl kaum gewinnen können, wenn sie nicht im Laufe des Jahres 1942 entscheidende Unterstützung bekommen hätten durch die U.S. 8th Air Force mit ihren schwer bewaffneten B-17 Flying Fortress, zu denen später B-24 Liberator und Mustang-Begleitjäger mit tausend Kilometer Reichweite kamen. Die Amerikaner konnten anscheinend unerschöpfliche Reserven in die Materialschlacht werfen. Sie konzentrierten sich, anders als die Briten, auf Tagangriffe und auf Einsätze gegen vermeintliche Engpässe der deutschen Kriegswirtschaft statt auf Wohngebiete. Die strategischen Tag- und Nachtangriffe lähmten im Winter 1944/45 das deutsche Wirtschaftsleben. Die Produktionsleistung sank um 30 Prozent bei Stahl, um 25 Prozent im Motorenbau. Am Ende brach das Transportwesen fast vollkommen zusammen.
Das Deutsche Reich erwies sich als zunehmend verteidigungsunfähig. Die Zahl der Bomber über Deutschland nahm weiterhin zu, ihre Verlustrate ging im Januar 1945 zurück auf weniger als ein Prozent der Maschinen pro Einsatz. 1944 hatte die 8th Air Force der Amerikaner dagegen noch 2400 Bomber verloren. In den letzten Monaten konnte die deutsche Luftwaffe mangels Treibstoff ihre wenigen verbliebenen Jäger kaum noch starten lassen. Das Luftschutzsystem band zwei Millionen Männer und Frauen. Die Flak richtete immer weniger aus, weil die schnellen und hoch fliegenden Bomberverbände ihrem Feuer nicht länger als einige Minuten ausgesetzt waren.
Die wachsenden Erfolge der alliierten Bomber gingen einher mit den Niederlagen der Wehrmacht am Boden. Deshalb konnten, als alles vorbei war, die Ideologen des Luftkriegs gegen die Zivilbevölkerung wie Harris behaupten, sie seien die Väter des Siegs gewesen. Beweisen lässt sich das nicht.
Dagegen scheint fest zustehen, dass die Moral der deutschen Zivilbevölkerung trotz der furchtbaren Bombardierungen nie wirklich ins Wanken geriet. John Keegan hat dieser überlebenden Bevölkerung, der im Mai 1945 alle Mittel zum Wiederaufbau fehlten, ein für einen Angehörigen der Siegernation erstaunliches Zeugnis ausgestellt: Durch nichts bestätigten die Deutschen ihren Ruf, ein diszipliniertes und mutiges Volk zu sein, so überzeugend wie durch die Zähigkeit, mit der die Männer und Frauen in den heimgesuchten Städten 1943 bis 1945 die alliierten Luftangriffe ertrugen.
Die Frauen vielleicht noch mehr als die Männer, muss man hinzufügen, weil sie an der Heimatfront die Verantwortung für das tägliche Leben und die Familien trugen. Vielleicht wollte Jörg Friedrich, jenseits aller Polemik, nichts anderes aufzeigen, und mit seinem Bestseller den Opfern der Luftangriffe auf Hitler-Deutschland, den hilflosen, wenn nicht unschuldigen Menschen da unten in ihren Kellern und Bunkern, ein literarisch-historisches Denkmal setzen.
Nachwort von Romain Leick zu Der Brand. SPIEGEL-Edition Band 35 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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