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Der Schwarze mit dem weißen Herzen
 
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Der Schwarze mit dem weißen Herzen (Broschiert)

von Arthur Japin (Autor)
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von Arthur Japin
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Produktinformation

  • Broschiert
  • Verlag: List Tb. (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548600212
  • ISBN-13: 978-3548600215
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 689.593 in Bücher (Die Bestseller Bücher)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Einsamkeit der Prinzenrolle

Arthur Japin: «Der Schwarze mit dem weissen Herzen»

Von Thomas Leuchtenmüller

Lange bevor die Niederlande über Menschen im Käfig der Sendereihe «Big Brother» voyeuristisch die Nase rümpften, war die Öffentlichkeit fasziniert und abgestossen von anderen Frauen und Männern, die man genüsslich im Land der Deiche und Dünen vorführte: Die Rede ist von Schwarzen aus Afrika. Während die Engländer den Menschenhandel 1834 abschafften und Franzosen sowie Dänen 1848 folgten, gab es die Sklaverei in den niederländischen Kolonien bis 1863. Zu den Folgen des 300jährigen Geschäfts, an dem auch afrikanische Fürsten verdienten, gehört die Tatsache, dass heute 250 000 Nachfahren der Geknechteten in Holland leben. Und zu den Folgen zählt nun endlich eine Publikation, die den Traumata der seinerzeit im Norden Angekommenen ein Gesicht gibt: Arthur Japins historischer Roman «Der Schwarze mit dem weissen Herzen». Der 1956 in Haarlem geborene Japin, der nach Erzählungen, Drehbüchern, Hörspielen und Theaterstücken seinen ersten Roman vorlegt, recherchierte in Afrika, Indonesien und Weimar. Zutage gefördert hat er eine Fülle von Briefen, Reiseberichten, Logbüchern und vertraulichen Mitteilungen staatlicher Angestellter. Auswertung und Arrangement dieser Quellen hat der Autor verbunden mit einem im Kern verbürgten Geschehen, das um die Schicksale zweier afrikanischer Prinzen kreist.

Es geht um die Cousins Aquame und Aquasi, die 1837 als Zehnjährige von der Goldküste, dem heutigen Ghana, in die Niederlande kommen, wo sie Kwame und Kwasi genannt werden. Kwames Vater, ein reicher und strenger König, schickt die Heranwachsenden in die Obhut fremder Erzieher, damit sie etwas zum Wohle der Heimat lernen – und um ein Handelsabkommen zu bekräftigen. Doch schon mit 24 Jahren bringt sich der Königssohn um. Prinz Kwasi hingegen stirbt erst 1904, mit fast 80 Jahren; zuletzt war er Erbpächter einer heruntergekommenen Kaffeeplantage auf Java.

Die Prinzen könnten unterschiedlicher nicht sein und werden von Japin als Paradebeispiele von Widerstand und Assimilation präsentiert – was manchmal etwas gezwungen wirkt. Während Kwame im elitären Delfter Internat seine afrikanischen Wurzeln betont, saugt Kwasi, der Ich-Erzähler, auch nach körperlichem Leid alles Europäische in sich auf.

Die Afrikaner, die am Hofe in Den Haag wie edle Wilde behandelt werden, schlagen erfolgversprechende Laufbahnen ein: Kwame auf der Militärakademie, Kwasi als Bergbaustudent. Und beide, ewig einsam, scheitern trotz Talent und Abschluss: Als Kwame nach Hause zurückkehren will, lässt sein Vater ihn nicht in die Stadt einziehen, da der junge Mann die Muttersprache verlernt hat. Kwasi andererseits wird von intriganten Holländern am Fortkommen behindert, obwohl er zu einem «Schwarzen mit weissem Herzen» geworden ist. Der Widerständler zerbricht, der Anpasser verdorrt. – Japins Roman wurde in den Niederlanden ausgezeichnet und immens gelobt. Das ist nur bedingt verständlich. Denn trotz zum Teil spektakulären Ereignissen (etwa Abenteuern auf Expeditionen) und trotz einfallsreich erzählten Begegnungen mit historischen Figuren (so mit Franz Liszt und Hans Christian Andersen) bleibt der Text im ganzen recht farblos. Die politische Korrektheit der – schon bald erkennbaren – Botschaft hat den Autor dazu verleitet, auf wahrhaft sinnliche Beschreibungen zu verzichten. Zu sehr betont er das Adjektiv des Begriffs «historischer Roman», zu wenig macht er das Hauptwort zur Hauptsache. So kommt es zur bitteren Ironie, dass die Darstellung, die vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielt, an eine unrühmliche Gattung der Literaturgeschichte erinnert, die in just jener Zeit en vogue war: den gelehrten, aber fabriziert erscheinenden «Professorenroman», der mit Felix Dahns «Ein Kampf um Rom» 1876 kulminierte.

Immer dann gewinnt Japins Roman an Tiefgang, wenn man nicht spürt, dass Kulturgeschichtliches um seiner selbst willen eingefügt ist und wenn ein Detail hilft, das Innere einer Person zu verstehen. Als etwa Kwame konstatiert, dass Zeitlosigkeit in Afrika Sorglosigkeit bedeute und in Europa eine Fessel des Primitiven, spürt man, was aus Japins Buch hätte werden können. Zu dessen Qualitäten gehört auch die Leistung des Autors, dem Zusammenprall der Zivilisationen witzige und vielsagende Momente abzugewinnen. So kennt der junge Kwasi die europäische Sitte nicht, «Geschenke in Papier zu verstecken». Und so meint sein Cousin einmal, in Holland stürme es so viel und er verstehe nicht, «warum sie dann noch Mühlen aufstellen, mit denen sie noch mehr Wind machen». Guter Wein preist sich selbst, sagt man – in den Niederlanden. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2000
Die Niederlande waren stark in Kolonialismus und Sklavenhandel verstrickt, der in Holland erst 1863 sein Ende fand. Thomas Leuchtenmüller findet Japins literarische Recherche zu diesem Thema, die in einem historischen Roman über das Schicksal zweier afrikanischer Prinzen mündete, nicht ganz gelungen. Von ihrem reichen afrikanischen Vater zur Erziehung nach Holland geschickt, dienen sie, schreibt Leuchtenmüller, als "Paradebeispiele von Widerstand und Assimilation". Beide scheitern, auf unterschiedlichen Wegen. Der in den Niederlanden hoch gelobte und mit Preisen bedachte Roman ist "politisch korrekt", aber "im ganzen recht farblos", meint der Rezensent. Er erinnert ihn fatal an eine "unrühmliche Gattung der Literaturgeschichte": den "gelehrten, aber fabriziert" wirkenden Professorenroman.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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4.0 von 5 Sternen Prinzen einmal anders, 7. September 2002
Der Slavenhandel ist längst offiziell abgeschafft, aber eine niederländische Gesellschaft in West Afrika tauscht gerne Rekruten aus der Goldküste (heute Ghana) gegen Handelsware ein, im Jahre 1837.
So werden auch die beiden Prinzen Kwame und Kwasi als Kinder aus ihrer Heimat fort in die Niederlande gebracht. Ihr Vater wünscht sich, dass sie lernen sollen, wie die Europäer denken und leben. Damit sollten sie ihren Landsleuten helfen, die Fremden besser zu verstehen.
Wie fühlen sich wohl zwei Prinzen aus dem alten Reich der Aschanti 1837 in einem Internat in Delft? Oder wie geht es Kwasi dabei, wenn ein kleines Mädchen seine Wange streichelt und dann ihre Handfläche betrachtet, ob er auch nicht abgefärbt hat? Dieser eindringlich geschriebene Roman enthält viele Briefe, Tagebuchnotizen, Reisebeschreibungen und Legenden. Daraus entnehmen wir das Leid und die Einsamkeit der beiden in der fremden Welt Nordeuropas. Kalt im Klima und kalt in vielen menschlichen Herzen. Auch wenn die beiden bei Hofe eingeladen werden und die holländische Kronprinzessin Sophie als Freundin gewinnen, bleiben sie immer fremd. Sie wissen, dass hinter ihrem Rücken oft gelacht wird. In der Gesellschaft von Sophie fühlen sie sich am glücklichsten, obwohl es auch in dieser Umgebung verletzende Zwischenfälle gibt. So kehrt der heimwehkranke Kwame nach zehn Jahren in sein Land zurück. Er kann die Schmähungen und Diskriminierungen, denen die Prinzen in Delft ausgesetzt sind, nicht mehr ertragen. Aber glücklich wird er nie mehr, bleibt immer zerrissen und kann auch die Trennung von seinem Vetter nicht verkraften. Doch Kwasi, scheint es, wird mehr und mehr zum Europäer, studiert in Holland zu Ende, wird Bergbauingenieur in Freiberg bei Weimar und geht schließlich nach Java.
Der Autor Arthur Japin hat jahrelang in Afrika, Indonesien und Weimar recherchiert und dabei alle Stätten besucht, an denen die Prinzen sich aufgehalten haben. Als Literaturwissenschaftler und Bühnenautor versteht er es , Situationen lebendig wie Theaterszenen zu schildern. Die Geschichte entrollt sich wie ein Bilderbogen. Die Schauplätze in Ghana, Holland, Deutschland und Java sehen wir wie durch ein Kaleidoskop, sie werden farbige Kulissen für die vielschichtige Handlung.
An der Aufarbeitung und Forschung über die Auswirkungen des Sklavenhandels und der Kolonisierung auf die Psyche und damit das Leben der betroffenen Völker wird noch nicht allzu lange gearbeitet. Bücher wie dieses könnten eine Breitenwirkung haben und tragen zum Verständnis und Wissen aus dieser Zeit bei. Der Roman erschien in sechs europäischen Ländern und in USA.
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3.0 von 5 Sternen Eine verdienstvolle Arbeit mit einigen bedauerlichen Fehlern, 24. Juli 2000
Von Ein Kunde
Das Leben des Aquasi Boachi und seines Cousins Poko sind zwei atemberaubende Geschichten. Sie sind ein Beispiel von misslungener Akulturation. Die beiden aus Kumase/Ashanti stammenten Prinzen wurden in Holland erzogen und zu Christen gemacht. Zu gleichwertigen Menschen wurden sie in den Augen ihrer neuen Umwelt dennoch nicht. Während sich Poko selbst tötete, wurde Boaki in Freiberg/Sachsen zum Bergbauingenieur ausgebildet. Leider gelang es ihm nicht, seinem Wunsche gemäss, in Deutschland zu bleiben. Die holländische Regierung gab ihn nicht frei. So wurde er denn, er der Afrikaner, nach Java beordert, wo er unter der doppelten Diskriminierung - durch die Weißen und durch die Braunen - litt. Der vorliegende Roman hält sich über weite Strecken an der historischen Vorlage. Leider gilt das nicht für Boachis Zeit in Deutschland, die, nach seinen eigenen Aussagen, zu den glücklichsten seines Lebens zählte. Gerade hier fantasiert der Autor eine lange Episode in Weimar, die so nicht stattgefunden hat und die deshalb dem Buch etwas von dem Glanz nimmt, den es sonst durchaus hat.
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5.0 von 5 Sternen Africa meets Europe, 15. April 2000
Von Ein Kunde
Arthur Japin taucht ein in die Welt zweier Prinzen aus Aschanti, die als Kinder ihrer vertrauten Umgebung entrissen und zur Ausbildung in die Niederlande gebracht werden. Untrennbar verbunden durch ihre Herkunft und ihr gemeinsames Schicksal, gehen die beiden dennoch verschiedene Wege. Die spannend erzählte Lebensgeschichte vermittelt Einblicke in die vorkoloniale Welt eines afrikanischen Königreiches, die Zeit der Aufklärung und die Anfänge völkischen Denkens in Europa. Daneben läßt die Geschichte der beiden jungen Afrikaner erahnen, was es heißt, schwarz zu sein in einer weißen Welt und was Sozialpsychologen mit dem Begriff Akkulturation meinen könnten. Ein faszinierender historischer Stoff, sorgfältig recherchiert und einfühlsam aufbereitet.
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