Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Die Zeit, 05.06.2003
In ihrer langen Einleitung zu dieser Besprechung widmet sich Iris Radisch einer Reflexion über die Geschichte und welch unterschiedliche Stellung ihr in der amerikanischen und der europäischen Literatur zukommt. Im Falle des nach Kanada ausgewanderten, jüdischen Autors aus Serbien ist dieser Unterschied auch Thema seines ersten Romans. Die Geschichte der Mutter soll erzählt werden, einer Bosnierin, deren erster Mann im Konzentrationslager umkam und deren Kinder bei einem Unfall ihr Leben verloren. Die Schreibversuche des Sohnes aus zweiter Ehe werden konterkariert von der Haltung eines kanadischen Freundes, der nicht versteht, warum den Exilanten aus Europa so viele Zweifel quälen, Zweifel nämlich an der Darstellbarkeit einer solchen Geschichte. "Eindrücklich" und "beeindruckend" findet Iris Radisch dieses Porträt einer Mutter, "gerade weil es auf die große epische Robe verzichtet".
© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
.
Kurzbeschreibung
Seit zwei Jahren sitzt der Ich-Erzähler in einem kleinen Haus am Rande der Prärie irgendwo im Westen Kanadas, doch seine Gedanken treiben immer wieder zurück in die Vergangenheit, nach Belgrad, Zagreb und Zemun, wo er bis vor einigen Jahren lebte, noch lange, nachdem sein Vater gestorben war und er seine Mutter aufgefordert hatte, ihm ihre Lebensgeschichte zu erzählen. »Womit soll ich anfangen?« Als der Mann diese Frage hört, ist sein Erschrecken groß. Eher zufällig hat er in seinem Exil die Spulen mit den Tonbandaufnahmen seiner inzwischen verstorbenen Mutter gefunden. Es ist nicht nur die private Geschichte seiner Eltern, sondern auch »ein leidenschaftlicher Bericht über 50 Jahre Tragödie auf dem Balkan und gleichzeitig ein Gesang voller Liebe« (Lire).