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Ganze Arbeit
 
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Ganze Arbeit (Gebundene Ausgabe)

von Magnus Mills (Autor), Katharina Böhmer (Übersetzer)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 150 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 1 (8. März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518417541
  • ISBN-13: 978-3518417546
  • Originaltitel: The Scheme For Full Employment
  • Größe und/oder Gewicht: 20 x 12,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 331.826 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Magnus Mills' Die Herren der Zäune, 2000 erschienen, mutierte in der Zaunbaufirma seines Bruders klammheimlich zur "Firmenbibel", wie Schauspiel-Heavyweight Ottfried Fischer im Klappentext bekannt gibt. Groteske Arbeitswelten, Zwangscharaktere der absonderlichsten Art, für den Ex-Busfahrer Mills sind sie so etwas wie literarische Heimspiele. So auch sein jüngster Coup, genannt der PLAN! In einer genial-irrsinnigen ABM-Maßnahme lässt er eine Armada von UniVan-Lieferwagen kreuz und quer durch England rollen. Einziger Zweck dieser Endlos-Rally: Der Transport von UniVan-Ersatzteilen! Der Traum von Vollbeschäftigung? Eher ein Albtraum!

Was nach Satire klingt, ist nichts weniger als eine Horrorvision von Orwellschen Ausmaßen. Mills entwirft eine mausgraue Landkarte, durchzogen nur von den Linien der Zubringer- und Ringstraßen, an deren Ende die Laderampen der trostlosen UniVan-Depots liegen. Der Erzähler, ein (wie bei Mills üblich) namenloser Fahrer des UniVan 55, besitzt keinerlei Privatleben; Örtlichkeiten und Zeit bleiben vage, systematisch und grausam hat Mills jeglichen Beschreibungsimpuls getilgt. Und das Merkwürdige geschieht: Mehr und mehr wird man hineingezogen in diesen fremden, farblosen, überoptimierten Fahrerkosmos, wird selbst zur fahrenden Arbeitsameise in diesem tonlos gemurmelten Erzählstrom, der wie ein stetig kreisender Sinnlosigkeitsstrudel nur ein Ziel kennt: Vollbeschäftigung vorzugaukeln. Ganze Arbeit, Mr. Mills!

Doch wie anders, die Seifenblase dieser neoliberal schönen Arbeitswelt, abgesichert vom PLAN und seinem Acht-Stunden-Tag, beginnt sich zu überdehnen. Dank des störenden menschlichen Faktors schleichen sich Unregelmäßigkeiten ein. Beifahrer George gestattet sich die Freiheit, streng regulierte Dienstfahrten zur Auslieferung der eigenen Kuchenproduktion zu missbrauchen. Vorarbeiter manipulieren widerrechtlich Stechkarten, um den unmenschlichen und sinnentleerten Arbeitsalltag freizeitfreundlicher abzukürzen. Bald stehen sich die um ihren Job besorgten "Pauschaltagvertreter" und die um mehr Lebensqualität ringenden "Feierabendanhänger" unversöhnlich gegenüber. Der PLAN bekommt Risse. Was niemals vorgesehen war tritt ein: Streik!

Das diese überaus fremdartige Leseerfahrung nicht wie ein dröges Sozialexperiment, unerträglich vergrößert unter Mills' Lupe daherkommt, sondern im Gegenteil geradezu magische Anziehungskraft entwickelt, ist ein kleines Wunder -- und zeugt von Magnus Mills' erzählerischen Qualitäten. –Ravi Unger



Kurzbeschreibung

Magnus Mills begibt sich erneut in das Milieu, das er in Die Herren der Zäune in seiner ganzen alltäglichen Absurdität und Komik vorgeführt hat: die Arbeitswelt. Die Idee ist so einfach wie überzeugend: Ein Fuhrpark von Lieferwagen, sogenannten UniVans, wird von Angestellten permanent in Bewegung gehalten. Jeder hat seine Route, fährt täglich bestimmte Depots an, transportiert wichtige Güter – nämlich Ersatzteile für UniVans. Ein perfektes Perpetuum mobile, die Lösung für ein drängendes Problem unserer Zeit: Der Plan garantiert Vollbeschäftigung. Kann das gutgehen? Der Fahrer des UniVan 55 ist schon fünf Jahre dabei und kennt das System, die besten Routen, die Macken der UniVans und seiner Kollegen nur zu gut. Um die Zeit bis zum Dienstschluß herumzukriegen, muß so manche Stunde überbrückt werden, es entwickelt sich ein florierender Schwarzhandel mit Kuchen. Immer mehr Fahrer versuchen, früher nach Hause zu gehen, in der Arbeiterschaft beginnt es zu rumoren. Stimmen werden laut, die dem System das gleiche Schicksal vorhersagen wie »all den anderen gescheiterten Sozialexperimenten: dem öffentlichen Nahverkehr, dem Schulessen und den städtischen Orchestern«. Es kommt zum Streik, ausgerufen ausgerechnet von den Arbeitseifrigen, die für den Erhalt eines konsequenten Acht-Stunden-Tags kämpfen wollen, und die arbeitsmüderen Anhänger des »vorgezogenen Feierabends« müssen notgedrungen mitstreiken …

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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Mene Mene Tekel, 11. November 2006
Von Wolfgang Haan "Redakteur hoeren-undlesen.de" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Markus Mills  Ganze Arbeit Len Walker sah die Gefahr kommen, lange vor uns anderen allen. >> Das sieht alles sehr rosig aus, aber du weißt doch, das kann auch sehr schnell wieder zu Ende sein>> Was hier so schnell zu Ende sein könnte, ist das Weiterbestehen des PLANS. Dieser führte zur Vollbeschäftigung und gilt als größte nationale Errungenschaft seit Erfindung von  na ja seit Erfindung von was auch immer. Der Ich-Erzähler in Magnus Mills Sozialsatire Ganze Arbeit ist als Fahrer beim PLAN beschäftigt. Er fährt täglich nach genau festgelegten Zeit- und Routenplänen eine Anzahl von Kisten zu den immer gleichen Depots. Doch die Fahrer sind findig, die Zeitpläne zu unterschreiten und häufig bereits früher mit den Fahrten fertig. Dann braucht man nur noch einen gutwilligen Oberaufseher, der die Stempelkarte abstempelt und man hat einen vorzeitigen Feierabend. Andere Fahrer parken stundenlang an versteckten Stellen, halten mit ebenfalls dort parkenden Kollegen ein Schwätzchen. Natürlich ist dies alles strengstens verboten  aber das interessiert nun wirklich niemanden, denn alle machen mit oder schauen weg. Wirklich alle? Der Revisor mit goldenem Dienstabzeichen Nesbitt gehört mit Sicherheit nicht zu den Befürwortern der Laxheit. Er duldet keinen Schlendrian und ahndet ihn streng. Ausgerechnet dieser lädt sich zu einer Inspektionsfahrt bei unserem schreckensstarren Helden ein. Doch wider Erwarten geht alles gut  bis Nesbitt dessen Stechkarte genauer unter die Lupe. Dort ist es fast immer der Oberaufsehen Gosling, der dem Erzähler einen vorzeitigen Feierabend ermöglichte. Schon kurze Zeit später macht das Gerücht die Runde, dass Gosling seines Postens enthoben und beurlaubt wurde  wegen zu vieler Unterschriften auf einer Stechkarte. Damit ist diese lieb gewonnene Gewohnheit gestorben  doch die Arbeiter sind fest entschlossen, das verlorene Terrain wieder aufzuholen. In der Folge leisten alle Beteiligten ganze Arbeit, was unser Erzähler mit großen, verwunderten Augen wahrnimmt und kommentiert. Wie ein Schwamm saugt er zunächst alle Eindrücke, Meinungen und Ansichten auf, die ihm seine wechselnden Gesprächspartner übermitteln. Anfänglich bespricht er sich noch mit seinem Beifahrer George. Doch als dieser Urlaub nimmt, bleiben ihm nur noch innere Monologe, um das Erfahrene zu reflektieren. Eine abschließende Entscheidung trifft oder Meinung fasst er nie. Dies liegt größtenteils an seiner Naivität und Gutgläubigkeit sowie seinem mangelnden Vorstellungsvermögen  er kann sich nicht vorstellen, dass irgendjemand so dumm ist, seine persönlichen Interessen über das Allgemeinwohl zu stellen und dabei das Risiko eingeht, das gesamte Konstrukt zu zerstören. Auch Magnus Mills leistet in seinem aberwitzigen Roman ganze Arbeit. Bis auf die Kirche kommt keine gesellschaftlich relevante Gruppierung ungeschoren davon. Und auch die von vielen sozialkritischen Autoren gepäppelte Arbeitnehmerschaft bekleckert sich nicht mit Ruhm. Eine einzige Gruppierung findet Gnade vor den Augen des Autors: Optimisten mit Eigeninitiative und der Fähigkeit, Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Stellvertretend hierfür steht George, der Beifahrer des Erzählers: während seiner regulären Arbeitszeit liefert dieser von seiner Freundin gebackene Kuchen aus. Als der PLAN zusammenbricht, ergreift er die Chance, macht sich selbständig und wird ein erfolgreicher Klein-Unternehmer. (C) Wolfgang Haan - www.hoeren-undlesen.de
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Der Wert der Arbeit, 23. April 2007
Von Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Mills betreibt Reduktion bis zur Schmerzgrenze. In diesem Roman, der keiner ist, findet sich nichts, das nicht zwingend für dessen Funktionieren notwendig wäre. Die Frage, die sich stellt, lautet folgerichtig: Funktioniert er?

Der namenlose Held ist Fahrer eines UniVans, jenes Transportwagens, der aus rasch austauschbaren, im Baukastensystem gefertigten Einzelteilen besteht. Über das Land verteilt befindet sich ein Netz von Depots, und zwischen diesen sind die Lieferwagenfahrer unterwegs, hunderte, tausende von ihnen. Sie tun nichts anderes als Ersatzteile für den UniVan von Depot zu Depot zu liefern. Das und nur das. Dieses System funktioniert seit dreißig Jahren. Die Mitarbeiter werden exzellent bezahlt, einige Aufseher sind kulant und gönnen vorzeitige Feierabende. Das wiederum wird von einigen nicht sehr gerne gesehen. Der Konflikt zwischen den Freunden des vorzeitigen Schlusses der sinnleeren Arbeit und den "Pauschaltagvertretern" spitzt sich zu.

Die Frage, die hinter all dem steht, lautet: Was ist Arbeit und was ist "nur" Beschäftigung? Wenn sich der Mensch über seine Arbeit definiert, ist dann eine Tätigkeit, die keinen Zweck hat, außer Menschen betriebsam zu halten, immer noch geeignet, dieser Definition gerecht zu werden? Die Frage wird zwar weder entschieden, noch (direkt) beantwortet, aber am Ende des spröden, auf jeden Schnörkel verzichtenden Buches sollte der geneigte Leser zumindest eine Idee davon haben. Und die Frage läßt sich natürlich ausdehnen. Das Extrembeispiel der sich selbst befruchtenden und für "Außenstehende" nutzfreien Branche steht für viele Arten von Produkten und Dienstleistungen, begonnen bei "Busspurbetreuern", die es in den Achtzigern mal gab, bis hin zu Steuerberatern, die es immer noch gibt, und deren Rechnungen zumindest bis vor kurzer Zeit ausgerechnet von der Steuer absetzbar waren.

Während Mills in seinen ersten beiden Büchern "Die Herren der Zäune" und "Indien kann warten" Charakterzeichnungen wenigstens andeutete, verzichtet er in "Ganze Arbeit" auf derlei völlig; der Protagonist ist sogar noch unentschiedener und teilnahmsloser als die vielen, zuweilen schwer auseinanderzuhaltenden anderen Mitarbeiter des PLANS, wie das Arbeitsmodell heißt. Wie angedeutet, wirkt das Buch deshalb spröde, emotionslos und nicht gerade spannend. Die Idee mit all ihren Implikationen ist es aber durchaus, und als Satire über verschiedene Gesellschaftsmodelle funktioniert "Ganze Arbeit" auch. Nur eben nicht als Unterhaltungsroman. Das soll es aber, vermute ich mal, auch nicht sein.
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2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der ganz normale Arbeitsalltag, 13. August 2006
In diesem Roman beschreibt Magnus Mills Phänomene des Arbeitslebens, die wir alle Tag für Tag erleben:
Sinnloses Warten auf den Feierabend, obwohl es nichts mehr zu tun gibt. Stupide Arbeitsabläufe, weil es schon immer so gemacht wurde. Das Management, welches mehr mit sich gegenseitig beschäftigt ist, als sich um den PLAN kümmert. Die Menschen arrangieren sich sehr schnell mit den Vorgaben des PLANS und bauen sich ihre Privatbeschäftigung drumherum auf, die ihnen mehr Erfüllung gibt.
Auch der "Arbeitsstreik" mit seinen verschiedenen Facetten (Streikbrecher, Unentschlossene, Aussenwelt) wird glänzend beschrieben.
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Veröffentlicht am 27. Juli 2007 von Martin Duensing

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