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56 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Roman der Psychoanalyse, 27. Mai 2005
Harry Haller ist eine gespaltene Persönlichkeit. Er glaubt aus zwei Naturen zu bestehen, Mensch und Wolf, Kultur- und Triebwesen. In der bürgerlichen Gesellschaft ist er ein Intellektueller und Außenseiter, der zunehmend depressiv wird und an Selbstmord denkt. Doch eines Nachts bekommt er scheinbar zufällig den mysteriösen Text "Tractat vom Steppenwolf" in die Hände, in dem von ihm selbst die Rede ist. Schonungslos wird Harry auf seine persönlichen Irrtümer hingewiesen und er wird aufgefordert, zu seiner Heilung das "Magische Theater" aufzusuchen. Er macht die Bekanntschaft der Prostituierten Hermine, die sein Triebleben aufblühen lässt, und des Saxophonspielers Pablo, der ihm Drogen verabreicht und ihm eine Art Seelenspiegel vorhält. Harry sieht in sein eigenes Unterbewusstsein und muss erkennen: Er ist nicht nur Mensch und Wolf, sondern ein noch weit vielfältigeres Wesen. Ihm fehlen nur der Humor und die Gelassenheit, sich als solchermaßen gespalten zu akzeptieren. Hesse zergliedert im Roman die Seele seines Helden, der wohl nicht zufällig die gleichen Initialen hat wie der Autor. Ein vielschichtiges Buch, das Hesses internationalen Ruhm begründete und das auch heute noch fasziniert.
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Poetisch, modern und inspirierend, 15. April 2007
Zwischen den Jahren 1925 und 1927 entstand "Der Steppenwolf", einer der bis dato experimentellsten Romane in deutscher Sprache. Vergleiche mit James Joyce' "Ulysses" sind nicht fehl am Platze - Hesse hat ohne Zweifel einen hochmodernen, poetischen Roman voller ethischer Fragestellungen geschaffen. Bedauerlicherweise sahen das die Zeitgenossen nicht so. Von wenigen Schriftstellerkollegen Hesses abgesehen, stieß das Werk bei einem breiten Publikum auf keine allzu positive Resonanz. In der NS-Zeit war der Roman zwar nicht verboten, aber er erlebte auch keine neuen Auflagen. Und nach Kriegsende geriet der "Steppenwolf", trotz des Nobelpreises seines Schöpfers (1947) in Vergessenheit. Bis, ja bis ihn schließlich die Nach-Vietnam-Generation in den USA wiederentdeckte. Die Wirkung hat bis heute angehalten, wo Hesse nun aufgrund seiner ethisch-spirituellen Sichtweisen enorm populär ist.
"Der Steppenwolf" ist die Geschichte Harry Hallers - eines Künstlers. Harry Haller, Schriftsteller, taucht eines Tages in einer deutschen Stadt auf, führt ein zurückgezogenes Leben und verschwindet plötzlich wieder. Hinterlassen hat er ein Manuskript, genannt "Harry Hallers Aufzeichnungen. Nur für Verrückte". Darin offenbart sich die Geschichte einer vereinsamten Existenz, die sinnentleert erscheint. Harrys Suizidgedanken verflüchtigen sich, als er, angeregt durch die Bardame Hermine, die Amüsierwelt kennenlernt. Sinnenfreuden und Triebhaftigkeit erwachen in dieser Welt aus Musik, Tanz und Erotik. Das Freudenmädchen Maria bringt ihn auf den Höhepunkt dieser Genusswelt. Doch Harry ist sich darüber im Klaren, dass der völlige Gegensatz zu seinem bisherigen Leben auch nicht "seine" Welt ist. Er muss sich finden, neu erfinden. Und gelangt schließlich ins "Magische Theater". Einem Seelenspiegel gleich werden ihm hier die Ausformungen seines Ich vor Augen geführt. Eine Reise in die Abgründe und lichten Höhen der menschlichen Existenz.
Harrys Lebenskrise speist sich teilweise aus dem Ungenügen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Ein Krieg ist gerade vorüber und die Menschen haben nichts anderes im Sinn, als den nächsten Krieg vorzubereiten. War diese Welt immer so, ist sie überhaupt veränderbar? Die Antwort kann ein jeder aktiv geben. In diesem Sinne schreit der Roman nach Veränderungen und wurde deshalb nicht umsonst von einer kriegs- und patriotismusmüden Generation wiederentdeckt. Letztlich ist "Der Steppenwolf" eine Verehrung des Menschen: Seine Möglichkeiten sind, genau wie sein Seelenreichtum, gewaltig. Es gilt, diese Fähigkeiten zu entdecken und voranzutreiben. Und wenn man auch dabei versagt, so kann die Einsicht über das Versagen immer zur Weiterentwicklung führen. Oder, wie es Harry sagt: "Einmal würde ich das Figurenspiel besser spielen. Einmal würde ich das Lachen lernen."
Existenzialistisch in der geistigen Ausrichtung. Poetisch in der Sprache, komplex in der Erzählstruktur. Herausfordernd und hinterfragend. Hermann Hesses "Steppenwolf" ist vieles. Und ohne Zweifel einer der besten Romane, die in deutscher Sprache geschrieben wurden.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein düster berauschendes Fest der Farben, 12. März 2007
Harry Haller, der Steppenwolf, der von sich denkt, zum einen Teil Mensch, zum anderen Wolf zu sein, ein ewig innerer Kampf, denn nur selten sind sich Mensch und Wolf einig, weshalb die Glücksmomente auch eher rar sind. Und er erkrankt immer mehr an dieser Wahnvorstellung, wird immer deprimierter... Verachtung für die Welt und für sich selber. Bis er Hermine findet oder sie ihn und sie ihm hilft, die kleinen Dinge des Lebens zu lernen. Harry lebt sozusagen nur das Geistliche - sie lernt ihm das Tanzen, zeigt, dass es außer Wolf und Mensch noch viel mehr Aspekte in ihm gibt, die er ignoriert hat, die noch nicht ausgebildet sind.
Für mich war es auch kein pessimistisches, gesellschaftskritisches Selbstbekenntnis des Künstlers zu der Welt, wie es manchmal dargestellt wird. Um das Konstrukt der Persönlichkeit von Harry Haller, übrigens mit vielen psychoanalytischen Überlegungen erstellt, rankt sich eine Geschichte von überwältigender Schönheit und Poesie, ein berauschendes Fest der Farben, die zwischen den Zeilen nicht von Verzweiflung, sondern von einem tiefen Verständnis für das Leben durchdrungen ist.
Der Steppenwolf, eine Geschichte höchster Vollendung, die in keinem Bücherregal fehlen darf. Ein Werk, das nachdenklich macht, das zutiefst anrührt und daran erinnert, dass es nicht selbstverständlich ist, eine Heimat im Leben zu finden.
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