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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 19.05.2001
Dickes Buch - lange Besprechung. Und das gehört auch so, zumal, wenn dem Autor, wie es Kurt Oesterle sagt, eine der besten Totalitarismus-Bilanzen gelingt, wenn er darüber hinaus eine der Solschenizyn'schen ebenbürtige Gefangenenliteratur schafft und zugleich und wie nebenbei noch ein Panorama des 20. Jahrhunderts (aus seltener polnischer Sicht!) entwirft - und alles in einem einzigen Buch! Die "sperrigen Eigentümlichkeiten", von denen Oesterle berichtet und die im Wesentlichen mit dem Umstand zusammenhängen, dass dieses Buch von seinem Autor "nicht geschrieben, sondern in vierzig Sitzungen auf Band gesprochen" wurde, müssen da winzig wirken. Und für das eigentliche Handikap des Unternehmens - die beklagenswerte Unbekanntheit seines Urhebers -, kann letzterer nun wirklich nichts.
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Kurzbeschreibung
Mein Jahrhundert Im Gespräch mit dem polnischen Nobelpreisträger Czes aw Mi osz erzählt Aleksander Wat von seinem Leben in der polnischen Republik der Zwischenkriegszeit und von seinem Schicksal in der Zeit von 1939 bis 1945.
Aleksander Wat, Schriftsteller und Publizist jüdischer Herkunft, gilt als Schlüsselfigur der polnischen Dichtung des 20. Jahrhunderts. Begeisterter Anhänger des Kommunismus in den zwanziger Jahren, wandte er sich später davon ab und brachte nach seiner Flucht vor der Nazi-Okkupation ins russisch besetzte Polen beinahe die ganze Zeit des Zweiten Weltkriegs in sowjetischen Gefängnissen zu. Dort lernte er das System von seiner unmenschlichsten Seite kennen, und dort begegnete er Hunderten von Leidensgenossen: darunter ukrainische Bauern, polnische Arbeiter, jüdische Schuster, russische Banditen, vor allem aber Schriftstellerkollegen und Philosophen, mit denen er lange Gespräche führte. Mit großer menschlicher Wärme erzählt, bilden Wats Erfahrungen dieser Zeit das Herzstück seiner autobiographischen Erinnerung. Und es entsteht: ein faszinierendes Panorama über Leben und Verhalten europäischer Intellektueller zur Zeit des Stalinismus. Ein bewegendes Zeitzeugnis, das seinesgleichen sucht.