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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine elementare Punkdokumentation, 2. Januar 2003
Ein wundervolles Buch - der Autor Jürgen Teipel hat in akribischer Arbeit einige hundert Zeitgenossen der deutschen Punk-, Industrial- und New Wave-Bewegung befragt und aus den zahlreichen Antworten eine chronologische Reise durch eine der intensivsten Phasen der deutschen Nachkriegsgeschichte zusammengefügt. Angesiedelt sind die Statements in der deutschen Punk-Geburtsstadt Düsseldorf (Ratinger Hof) und den späteren Epizentren Hamburg (Marktstube, Karoviertel und Markthalle) und Berlin (SO 36) zwischen 1976 und 1983, also zwischen der grauen Ära des Späthippietums und deutschen Terroristentums sowie von Helmut Kohls Machtergreifung und dem Ausbruch der kommerziellen Neuen Deutschen Welle. Die Liste der Interviewten ist lang und reicht von Musikern wie Peter Hein (Fehlfarben), Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten), DAF, Campino (Toten Hosen), Andreas Dorau und Nina Hagen zum Autor Peter Glaser, Indie-Labelchef Alfred Hilsberg oder den Schauspieler Ben Becker.In umfangreichen, authentischen, lustigen und teil intimen und erschütternden Bekenntnissen zeigen sich darin nicht nur persönliche Aufstiegs- und Fallstudien einzelner Beteiligter, sondern auch ein detailliertes Bild einer umbrechenden deutschen Gesellschaft, die damals alles andere als rosig war. Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass man 1977 alleine beim Tragen von kurzen Haaren und bunten Stickern auf der Straße noch von Hippies als Faschist bezeichnet, von Proleten zusammengeschlagen, von Rentnern beschimpft und von Bauarbeitern mit Dachlatten durch die Stadt gejagt worden ist. Jedenfalls kann ich jedem, der sich für die Entwicklung der der deutschen Musik interessiert, dieses Buch wärmstens ans Herzen legen, und sicherlich wird der eine oder andere über 30jährige sich in manchen Momenten wiedererkennen. Zudem wird hierbei deutlich, dass Punk in erster Linie eine Einstellung und ein Sammelbecken für die unterschiedlichsten neuen Lebens- und Musikstile war, und nicht die Reduktion auf Prä-Beckham-Hahnenkampffrisur, Dosenbier und reinen Proletenrock. Zu dem Buch gibt es neben einigen Schwarzweißbildern auch eine hilfreiche Zeittafel der Ereignisse sowie eine biografische Übersicht über den Verbleib der Punkheroen, von denen einige heute als Musikmanager, Lagerarbeiter, Heilpraktiker, Ingenieur, Banker oder Künstler arbeiten. Und die gleichnamige Doppel-CD dazu sei auch jedem ans Herz gelegt!
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66 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
... solange Du noch jung bist, 21. November 2001
Von Ein Kunde
Hier haben wir endlich das Standard-Werk über die frühe und also wahre Neue Deutsche Welle. Auf 370 Seiten reden die maßgeblichen Akteure der Jahre 1977 bis 1983, und keine anderen: Jäki Eldorado, Franz Bielmeier, Moritz R, Peter Hein, Tommi Stumpf, Harry Rag, Alfred Hilsberg, Blixa Bargeld, Gabi Delgado, Gudrun Gut, Carmen Knoebel, Chrislo Haas, der Zensor, die Humpe-Schwestern, die Diedrichsen-Brüder und all die anderen sagen, wie's war, wie alles begann und das im O-Ton: Als Punk 'rüberkam, waren die ganzen pubertären Unsicherheiten per Definition abgelegt. Die Macht der Straße, ein Wegwischen alles Gestrigen, Langweiligen, Spießigen. Punk bot Berechtigung und Nestwärme für Anderssein, für schräge Projekte, für Dilettantentum, für selbsterlebtes, anarchistisches Leben, wo selbst das Losertum noch Format und Relevanz besitzt. Zwischen dem Heute und der Lebensversicherung mußte es doch noch ein paar Kicks geben. Und die konnten Hippies und Rocker nicht geben.Im Mittelpunkt des Buchs stehen die Projekte, die oftmals lange gegründet waren, noch bevor der erste Ton gespielt war: Charley's Girls, Male, Mittagspause, S.Y.P.H, Minus Delta T, Der Plan, Fehlfarben, KFC, Mania D., Einstürzende Neubauten, Abwärts, DAF usw. Wir lesen: Über erstaunliche Ereignisse, Fakten und bis dato unausgesprochene Gedanken, über Schlägereien zwischen Avantgardebands und Punk-Publikum, zwischen Teds und Punx und überhaupt über die im Rückblick unglaubliche Gewalt in der Szene. Darüber, wie irgendwann Bands wie Der Plan und S.Y.P.H. nicht mehr als Punk galten und Punk nur über "Lederjacke und grüne Haare" definiert wurde - worüber sich die meisten der frühen Szene ärgerten. Über Einflüsse der RAF und Neo-Nazis. Über Mäzene und Unkommerzialität. Ratinger Hof und Marktstube. Fanzines und Tapes. Über die Ablehnung von Clash, Sid Vicious, Ideal und der industriellen NDW. Im Anhang: eine relevante Zeittafel und biographische Notizen (aus der beliebten Serie "Was wurde aus ...?"). Dieses Buch beendet viele Mutmaßungen über jene Zeit und beantwortet viele offen gebliebene Fragen. Z.B. über das Mysterium "Peter Hein". Spannend und gut zu lesen. Der Soundtrack dazu steht in Eurer Platten-Sammlung!
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein., 1. Januar 2006
Man sollte sich nicht vom gleichnamigen Film abschrecken lassen, denn "Verschwende deine Jugend" ist weder 80er-Revival noch NDW-Nostalgie sondern eine sehr interessante und umfangreich "Chronik" von Auf- und Niedergang der "Punkbewegung" in Deutschland. Es mag bildungsbürgerlich erscheinen, hierrüber ein Buch zu schreiben, allerdings ist "Verschwende deine Jugend" keine Abhandlung, die von einem Außenstehenden verfasst wurde, sondern eher eine Collage aus verschiedensten, oft sehr kritischen aber auch schwärmerischen Ansichten von Menschen, die diese Zeit erlebten, keine Zeitgenossen, sondern Teile der Bewegung.Es beginnt mit Punk als Alternative/Abgrenzung zum "Hippietum" und endet mit dem Desaster der Neuen Deutschen Welle. Werdegänge einzelner Menschen und Bands werden genauso beschrieben wie Einflüsse, Ideale und Ziele, die bestimmt nicht bei allen Beteiligten übereinstimmen. Nachdem ich das Buch aus der Hand gelegt habe, war ich neidisch, diese Zeit verpasst zu haben.
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