Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Das Treibhaus
OA 1953 Form Roman Epoche Nachkriegsliteratur
Das Treibhaus ist nach Tauben im Gras (1951) und vor Der Tod in Rom (1954) der zweite von insgesamt drei Romanen, die Wolfgang Koeppen zwischen 1951 und 1954 veröffentlichte und als »Trilogie des Scheiterns« zusammenfasste. Koeppen setzt sich in diesem zeitgeschichtlichen Werk mit der politischen und kulturellen Restauration Nachkriegsdeutschlands auseinander, das zwischen Trümmern, übrig gebliebenen Nazis, Wiederbewaffnung und Wirtschaftsboom steht.
Inhalt: Keetenheuve, Pazifist, Schriftsteller und Übersetzer, war zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur elf Jahre lang im englischen Exil. Nach seiner Rückkehr wird er (sozialdemokratischer) Abgeordneter des Bundestags der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland und lässt sich in das politische und klimatische Treibhaus Bonn einspannen. Keetenheuves Versuche, der jungen Republik eine politische Kultur zu geben, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt; längst schon wird in geheimen Allianzen von Politikern, Geheimdiensten, Wirtschaftsbossen und Lobbyisten der Wiederaufstieg alter Mächte unaufhaltsam vorangetrieben. Keetenheuves junge Frau Elke bleibt bei dessen aussichtslosen Kampf auf der Strecke. Sie fühlt sich von Keetenheuve vernachlässigt und trinkt sich zu Tode. Als schließlich Keetenheuves zunächst scheinbar aussichtsreiche politische Aktion, die Wiederbewaffnung zu verhindern, vom Geheimdienstchef vereitelt wird, nimmt sich der erfolglose und vereinsamte Abgeordnete das Leben.
Aufbau: Wie schon im Vorgängerroman Tauben im Gras bedient sich Koeppen auch hier eines an Alexander R Döblin und Hermann R Broch sowie an James R Joyce und William R Faulkner geschulten modernen literarischen Erzählens, das im Gegensatz zur sonst eher konventionell gestalteten Nachkriegsliteratur der frühen 1950er Jahre steht. Der gesamte Roman ist als innerer Monolog des Protagonisten Keetenheuve gestaltet, der mit breiten Stream-of-consciousness-Passagen das Geschehen zwischen 1945 und 1952 rekapituliert. Durch Montage und Assoziationen ergeben sich zahlreiche Bezüge zur R Bibel und der griechischen Mythologie, zu literarischen Werken von R Novalis, Friedrich R Hölderlin, E. E. Cummings (1894 bis 1962) und Charles R Baudelaire, zu musikalischen Werken wie dem Ring des Nibelungen von Richard Wagner, aber auch zu Pop- und Jazzmusik der 1940er und frühen 1950er Jahre und nicht zuletzt zu Elementen der Werbung in Rundfunk, Kino und Printmedien. Darüber hinaus arbeitet der Roman mit Figuren, die an konkrete Vorbilder aus der Politik angelehnt sind.
Wirkung: Während dem Roman Tauben im Gras noch ein gewisser Erfolg beschieden war, stieß Das Treibhaus auf wenig Beachtung. In der Kritik wurde es vorwiegend kühl oder sogar feindlich aufgenommen. Die moderne Form des Erzählens, aber vor allem die radikale kritische Analyse des politischen Geschehens in der Hauptstadt der aus den Trümmern des Nationalsozialismus entstandenen Republik stießen auf eine breite Ablehnung. Erst in den 1960er Jahren wuchs allmählich das Interesse an der »Trilogie des Scheiterns«, nachdem sich vor allem Marcel Reich-Ranicki immer wieder für den Autor und sein Werk stark gemacht hatte. Zahlreiche Kritiken befassten sich mit dem Werk und in den 1980er Jahren erschien eine Ausgabe der gesammelten Werke. St. N.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Das beklemmend-anschauliche Bild der politischen Situation zu Beginn der Bonner Republik: Ein Bundestagsabgeordneter verzweifelt im Dilemma zwischen aufrichtigem Engagement fr eine friedliche Zukunft ohne Krieg und den brutalen Spielregeln der Macht.
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