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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Zazie in der Metro
OT Zazie dans le métro OA 1959 DE 1960Form Roman Epoche Moderne
Wie in seinem berühmten Stilübungen Autobus S von 1947 geht es Raymond Queneau auch in diesem Roman vor allem um das Experimentieren mit der französischen Sprache.
Inhalt: Zazie, eine frühreife und aufmüpfige 12-jährige Provinzgöre, wird von ihrer Mutter Jeanne Lalochère nach Paris zu ihrem Onkel Gabriel gebracht, damit Jeanne ungestört ein langes Wochenende mit ihrem neuen Liebhaber verbringen kann. Zazies größter Wunsch für den ersten Parisaufenthalt ihres Lebens ist eine Fahrt in der Metro, die aber wegen eines Streiks geschlossen ist.
Aus dem Blickwinkel Zazies erscheint das Leben ihres Onkels in Paris wie ein Panoptikum Gabriel und seine Freunde verkehren in ihrem Stammbistro »La Cave«, in dem der Wirt Turandot und sein penetranter Papagei Laverdure sowie die Serviererin Mado Petitspieds und deren Verehrer Charles im schrägen Halbweltmilieu miteinander leben. Gabriel ist Star einer Travestie-Show am Place Pigalle und mit der sanften Marceline (die sich später als Marcel entpuppt) verheiratet.
Zazie entzieht sich am Morgen nach ihrer Ankunft der familiären Überwachung und begibt sich auf einen Streifzug durch das Viertel, wird aber von Trouscaillon, einem zwielichtigen Polizisten, in die Obhut Gabriels zurückgebracht. Eine Stadtrundfahrt bringt die Bekanntschaft mit dem schrillen Busfahrer und Reiseführer Fédor Balanovitch und der nymphomanischen Witwe Mouaque. Diese bunt gemischte Truppe lädt Gabriel zu seiner abendlichen Vorstellung ein. Für Zazie verdoppelt sich das Theater, das ihr das Leben in Paris bietet: Die Serviererin Mado verlobt sich mit Charles, was bei Gabriels Travestie-Show in einem Etablissement am Place Pigalle ausgiebig gefeiert wird. Dabei wird Trouscaillon als Sittenstrolch entlarvt und eine vollkommen übermüdete Zazie erlebt, wie es wegen einer kleinen Bemerkung zu einer ausgewachsenen Saalschlacht und einer Polizeirazzia kommt. Am Ende liefert Onkel Gabriel Zazie pünktlich am Bahnhof bei ihrer Mutter ab, der sie ihr Wochenende mit dem Schlusssatz des Romans zusammenfasst: »Ich bin gealtert.«
Aufbau: Zazie in der Metro ist ein überwiegend in Dialogform geschriebener Roman, dessen Handlung locker durch den im ersten und letzten Kapitel gesetzten Rahmen der An- und Abreise Zazies zusammengehalten wird.
Innerhalb dieses Rahmens entfaltet sich die Handlung gemäß der vom auktorialen Erzähler inszenierten Zufälligkeit. Dabei tritt er ganz hinter die Rede der jeweiligen Person zurück, deren Sprache in Form phonetischer Schreibung in den Mittelpunkt gerückt wird.
Dieses Bemühen um lautmalerische und stilistische Effekte erzeugt aus einer Vermischung von literarischer Hochsprache, Anglizismen, Dialektvokabeln und dem Pariser Argot rücken Queneau in die Nähe von Louis-Ferdinand R Céline.
Wirkung: Zusammen mit den Stilübungen Autobus S (1947), eine in 99 Varianten erzählte Anekdote, die aufgrund ihres theatralischen Potentials hoch geschätzt werden, gehört Zazie zu den beiden postum bekanntesten Werken dieses Autors. Dem französischen Regisseur Louis Malle gelang 1960 eine adäquate Verfilmung des Buchs. T. S. G.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
'Zazie in der Metro' ist kein Buch über die Pariser Metro, nur nebenbei ein Buch über die Göre Zazie, vielmehr ist es ein Buch über die Sprache des Alltags, ein Buch, das alles auf den Kopf stellt.