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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gedanken zu Peter Handkes Roman, 6. September 2000
Von Ein Kunde
Hanke beginnt seinen Roman mit einer ca. 70-seitigen Beschreibung des Salzburger Vorortes Taxham, einer "Zwickelwelt",die von der übrigen Welt gleichsam abgeschottet ist. Genauso haben sich ihre Bewohner voneinander isoliert. Der Apotheker, dessen Familienleben völlig zerstört ist, begibt sich, nachdem er im Wald durch einen Schlag auf den Kopf mit Stummheit geschlagen wurde, mit zwei mysteriösen Gefährten, einem Exsportler und einem Exdichter auf eine abenteuerliche Reise nach Spanien, die im Verlaufe der Zeit zu einer Suche nach sich selbst und seinem Platz im Leben wird.Dabei helfen ihm sowohl seine beiden Reisegefährten als auch die "Siegerin", zu der er im Verlaufe des Buches in Liebe entbrennt. Seine Steppenwanderung wird zur "Grenzerfahrung", die ihn aber letztendlich wieder einen Platz im Leben finden läßt. Dort vergibt ihm sein von ihm verstoßener Sohn: "Du hast mich nicht verstoßen, Vater.Ich bin es, der von dir gegangen ist, von sich aus." (S.263) und auch die "Siegerin" erscheint ihm und erklärt ihm , daß sie seine Hilfe benötigt. Damit ist sein Entwicklungsprozess abgeschlossen. Von dem fast eher unscheinbaren Apotheker am Anfang, den niemand auf der Straße erkennt hat er durch diese Reise wieder zu sich selbst gefunden. An den Ausgangspunkt zurückgekehrt, sind die Veränderungen sowohl äußerlich als auch innerlich spürbar. Zunächst wird er sofort au der Straße von einem Kind als Nachbar und Apotheker erkannt. Später bei seiner Arbeit und Unterhaltung mit dem Erzähler dann wird deutlich, daß sich auch sein Umgang mit anderen Menschen verändert hat. Er lebt jetzt nicht mehr nur für sich allein, sondern auch für andere: "Auch wenn er in seiner Arbeit allein blieb, war zu spüren, er tut sie für jemanden, für andere. Und diese abwesenden anderen waren alle seine Angehörigen." (S.299). Handkes Roman liest sich wie ein Abenteuerroman, eine Liebesgeschichte und ein Entwicklungsroman mit stark phantastischen Zügen. Immer wieder drängt sich der Eindruck auf, daß die Reise des Apothekers nur in seiner Einbildung stattfindet und auch seine Reisegefährten nur Teile seiner selbst sind, die sich im Verlaufe des Romans zu verselbständigen scheinen. Peter Handke ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, den Selbstfindungsprozess eines Menschen darzustellen, der sich in der heutigen Zeit verloren hatte. Leider ist der Sprachstil des Romanes anfangs stark gewöhnungsbedürftig durch den eigenartigen Satzbau und die ungewöhnliche Kommasetzung. Trotzdem denke ich, daß es sehr spannend war, diesen Roman zu lesen. Meiner Rezension lag folgende Buchausgabe zugrunde: Handke, Peter. In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1997, 316 S. Über Antworten auf meine Rezension würde ich mich sehr freuen.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Über die Feindschaft zwischen Mann und Frau, 5. November 2002
Da steht es also. Ab S. 159 ff. Du hältst die Luft an und möchtest alles auswendig lernen: „Zwischen Frau und Mann ist neuerdings Feindschaft gesetzt. Männer und Frauen sind heutigentags untereinander zerfallen, ohne Ausnahme. Ich zum Beispiel habe schon lange kaum einen Feind mehr - komme dazu auch nicht mehr in Frage -, aber wenn, so ist das eine Frau. Nicht nur werden wir nicht mehr geliebt, sondern sogar bekämpft. Und wenn die Liebe ins Spiel kommt, so dient sie nur noch dazu, den Krieg zu eröffnen. Früher oder später wird die dich liebende Frau, so oder so, von dir enttäuscht sein, und du wirst nicht einmal wissen, warum. Sie wird dich, wie sie erklärt, durchschaut haben, ohne dir aber zu sagen, worin sie dich durchschaut hat. Und sie wird dich keinen Moment mehr vergessen lassen, dass du durchschaut bist. Denn zugleich lässt sie dich nun kaum mehr allein, jedenfalls viel weniger als vorher im Liebesspiel. Und in ihrer ständigen Anwesenheit kannst du kaum mehr dem entkommen, was sie von dir an Schlechtem denkt. Du selber denkst zwar keineswegs von dir als einem Schwindler, Lügner und Falschspieler, und möchtest ihr immer noch wie bei eurem Anfang ein guter Mann sein. Aber du bist gezwungen, dich als all das zu sehen: in und mit ihren Augen, die dich ab jetzt nicht mehr loslassen und in denen, was du auch tust oder nicht tust, eine Bestätigung ihrer schlechten Meinung, ihrer bitterlichen Enttäuschung sein wird. Mach, was du willst: Du bist und bleibst der Durchschaute. Nichts kann die Frau mehr an dir überraschen. Selbst wenn du ihr das verwirklichst, was sie sich im geheimsten für ihr Leben geträumt und gewünscht hat, wird sie mit ihrem Blick auf dich gerade nur die Brauen heben. Und wenn du für sie stirbst, wird sie starr über dich gebeugt bleiben und so sogar noch verhindern, dass du in deinem letzten Augenblicken wenigstens etwas anderes siehst. Ja, auf Mann und Frau wartet heute von Anfang an der Haß. So viel Schmutz und Verschmutzung zwischen den Geschlechtern wir heutzutage war noch nie. Und die nicht schmutzig sind, das sind die Dummen." Geht einem das nicht nah?! Um so erstaunlicher, dass ich mit dem gesamten (!) Rest des Buches überhaupt nichts anfangen konnte. Fünf Sterne für das Zitat. Auf das ganze Buch umgerechnet sind es dann nur zwei.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Handkes Lieblingswort heißt "INNEHALTEN"!, 5. Mai 2001
Handke erzählt von einem Dorfapotheker, von dessen Reise in ein fantastisches Nirgendwo in einem entschwebten Nirgendwann, von einer Steppenwanderung mit verkehrtherum angezogenen Schuhen und von der ganz und gar unscheinbaren Wandlung dieses Apothekers am Ende.Typisch für diesen Roman (und für Handkes Werk der letzten fünfzehn Jahre) ist, daß sich die Handlung meistens ohne irgendwelche Begründungen abspielt. Sie geht einfach so vor sich, überrascht den Leser anfangs vielleicht, aber wenn er sich daran gewöhnt hat, läßt er sich einfach treiben. (Wer gewohnt ist, immer zu fragen, warum zum Teufel der Apotheker zwei Wildfremde in sein Auto packt und damit über die Alpen fährt ohne irgendwelche sichtbaren Vorbereitungen oder warum er später tagelang durch die Steppe latscht, wird mit diesem Buch natürlich nicht viel anfangen können.) So gehören auch diverse Pilze und Erdgruben ebenso in die Erzählung wie Schläge, Mordversuche und ähnliche Brutalitäten (die dabei irgendwie natürlich und unbedeutend wirken), daß man nicht darüber nachdenken sollte, ob das jetzt langweilt ... Nachdenken ist das Falsche für dieses Buch. Nachfühlen ist angebrachter. Entsprechend ist der literaturkritische Zugang mit Schubladen und Theorien sinnlos. Irgendwie steht Handke ganz für sich, mit seinen gelegentlichen sprachlichen Künstlichkeiten und ähnlichen Schwächen, über die man aber hinwegsehen kann. Die Faszination liegt im "Namenlosen", wie es das Lied des Apothekers am Schluß verkündet.
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